Göppingen - Wir hätten uns gewünscht, dass der Bund auch gegenüber der Krankenpflege ein starkes Zeichen der Wertschätzung setzt“, sagt Ulrike Fischer, die Sprecherin der Alb-Fils-Kliniken (AFK). Die Entscheidung habe für Erstaunen bei den AFK gesorgt.
Fachkräfte in der Altenpflege sollen eine Prämie von mindestens 1000 Euro erhalten, steuerfrei und abgabenfrei. Die Länder können den Bonus um weitere 500 Euro aufstocken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte dazu erklärt: „Wir sind uns einig, dass alle, die unter durchgängig erschwerten Bedingungen in dieser Pandemie in der ambulanten und stationären Altenpflege hart arbeiten, eine finanzielle Anerkennung für ihren Einsatz verdienen.“ In den vergangenen Tagen erreichte die Fachkräfte der Altenpflege die gute Nachricht, dass sich Baden-Württemberg an der Prämie beteiligen will und diese um 500 Euro aufstockt.
Personalintensive Strukturen
Die Corona-Krise hatte auch das medizinische Pflegepersonal der Helfenstein-Klinik in Geislingen und der Klinik am Eichert in Göppingen herausgefordert und vor einige interne Veränderungen gestellt, um die Covid-19-Patienten zu betreuen. Um Personal für die Pflege der Corona-Infizierten zu gewinnen, musste beispielsweise die Palliativstation in Geislingen vorübergehend geschlossen werden. Laut Ulrike Fischer von den AFK war dies zwischen dem 17. März und dem 27. April passiert. Auch heute ist die Normalität nicht vollständig in die Krankenhäuser zurückgekehrt: „Wir müssen bis auf weiteres personalintensive Strukturen aufrechterhalten“, schildert Fischer. Sie meint damit beispielsweise die OP-Säle für Covid-Patienten und die Covid-Kohorte an der Klinik am Eichert. Man müsse darüber hinaus fähig sein, binnen 48 Stunden eine größere Anzahl von Corona-Patienten versorgen zu können. Fischer: „So gibt es konkrete Vorgaben des Landes, weiterhin Intensivkapazität für Covid-Patienten vorzuhalten. Diese Vorgaben erfüllen wir im Zentrum für Intensivmedizin an der Klinik am Eichert.“
Die Besuchsbeschränkungen sollen bestehen bleiben
Erfreulich sei derzeit allerdings, dass die Infektionszahlen sinken und im Landkreis gering ausfielen. „Ob die Lockerungen zu mehr Infektionen führen, bleibt weiterhin abzuwarten“, erklärt Fischer. Allgemein könne man sagen, dass die frühzeitig ergriffenen Maßnahmen gute Wirkung gezeigt hätten. Da die Pandemie trotz rückläufiger Krankenzahlen noch nicht vorbei ist, wird es auch weiterhin den Lotsenpunkt in Geislingen geben. An der Klinik am Eichert werden erst Ende Juni die Zelte zurückgebaut, wie Fischer berichtet. „Die Besuchsbeschränkungen bleiben bestehen.“
Als im März die Infiziertenzahlen stiegen, kamen auch auf die Fachkräfte in den Pflegeheimen große Umwälzungen zu, die kaum noch normale Arbeitstage zuließen. Aus diesem Grund freut man sich im Landratsamt Göppingen über die Wertschätzung für die Branche – die sich in der Form des Pflegebonus zeige. Wie Pressesprecherin Clarissa Truhart betont, sei man sich bewusst, wie wichtig die Pflege ist. Auf die Frage, ob sie verstehe, warum die Bonuszahlung nicht auch für Krankenpfleger komme, antwortet die Pressesprecherin des Landratsamts mit einer allgemeinen Feststellung „Neben den Pflegekräften leisten eine Vielzahl weiterer Berufsgruppen täglich eine hervorragende und wichtige Arbeit bei der Bekämpfung der Pandemie.“
Prämien auf für Helfer
Laut unterschiedlicher Medienberichte verhandelte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon länger mit der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche um einen Tarifvertrag für eine Sonderprämie. Wie das Bundesgesundheitsministerium berichtet, sollen auch Auszubildende, Freiwilligendienstleistende, Helfer im freiwilligen sozialen Jahr, Leiharbeiter und Mitarbeiter in Servicegesellschaften eine Prämie bekommen.