Schnelltests im Rems-Murr-Kreis Corona-Teststellen sind immer weniger gefragt

Auch in umfunktionierten Linienbussen können unter anderem in Fellbach – hier auf dem Parkplatz eines Baumarkts - und in Waiblingen Coronatests gemacht werden. Foto: esc

Am 30. Juni läuft die Regelung kostenfreier Bürgertests aus. Apotheker berichten schon jetzt über eine rückläufige Nachfrage bei den Coronatests. Sie möchten das Angebot gleichwohl erhalten. Was aber, wenn die Kunden zahlen müssen?

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Wer einen Coronatest vor dem Besuch von Verwandten machen will, hat derzeit eine sehr große Auswahl an freien Terminen. Wie sieht die Auslastung der Testangebote aus?

 

„Es ist deutlich weniger“, sagt Bruno Pfeifer von der Fellbacher Kappelberg-Apotheke. Würden die Tests rein wirtschaftlich betrachtet, müsste man diese zeitweise aussetzen, sagt der Apotheker. Doch das sei keine Option. „Wir sehen das als Service“, sagt Bruno Pfeifer. Bis zum 30. Juni besteht das Angebot an kostenlosen Bürgertests. Dann müsse die Politik neu entscheiden, wie es weitergehe. „Ich wäre dafür, weiterzumachen“, sagt Bruno Pfeifer. Wenn die Kunden die Tests selbst bezahlen müssten, würden sicher viele darauf verzichten.

Ein Appell, die Testinfrastruktur zu erhalten

Sein Sohn, der Schorndorfer Hautarzt Frederic Pfeifer, der mit seinen Brüdern verschiedene Teststationen betreibt, darunter auch Corona-Testbusse in Fellbach, Waiblingen und Schorndorf, berichtet von einer sinkenden Nachfrage bis zu etwa 40 Prozent. Dennoch würden die Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr konstant beibehalten. Es sei hilfreich, wenn die Menschen die Option hätten, sich vor einem Treffen oder einer Veranstaltung testen lassen zu können. Doch könne es eine Überlegung sein, im Sommer das Angebot an die geringere Nachfrage anzupassen.

Er plädiert dafür, die Testinfrastruktur zu erhalten, um sie bei einer verstärkten Nachfrage im Herbst wieder schnell hochfahren zu können. „Das wäre sinnvoll, um aus der Erfahrung der Vorjahre zu lernen“, so Pfeifer. Auch in der Fellbacher Traubenapotheke wird weniger getestet. „Die Nachfrage nach Tests bei uns in Korb und Fellbach ist stark rückläufig, daher haben wir das Angebot eingeschränkt“, sagt der Apotheker Peter Kaiser. Die Tests würden nachgefragt bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen, in der Familie mit vulnerablen Angehörigen und zum Teil in der Schule, im Kindergarten und zum Freitesten nach einer Infektion, berichtet Peter Kaiser. Bei geringer Nachfrage sei der Aufwand sehr hoch. Das bedeute, dass man neben dem Tagesgeschäft ohne Vorplanung Tests vornehmen müsse.

Auch in der Traubenapotheke ist die Nachfrage rückläufig

Lesen Sie aus unserem Angebot: Muss man sich noch testen lassen?

Die Testung auf Corona verlange eine spezielle Schulung, es müssten anspruchsvolle Hygienemaßnahmen für den Personalschutz eingehalten werden, auch sei die Dokumentation sehr aufwendig. Und obwohl das Land Gelder zur Subvention von PCR- Schnelltestgeräten ausgelobt habe, sei die Anschaffung und die Vergütung nicht auskömmlich. Die Testkits seien im Einkauf teurer als die Vergütung, so Peter Kaiser. Er könne nur für seinen Betrieb sprechen. Aber „wir beobachten genau, wie sich die Nachfrage entwickelt und müssen gegebenenfalls das Angebot weiter anpassen“, sagt Kaiser.

„Mit einem Blick auf die Zahlen ist zunächst kein besonderer Trend erkennbar. Die Anzahl der Apotheken in Baden-Württemberg, die Tests – Bürgertests und PCR-Tests – anbieten, hat sich in den letzten Wochen nicht merklich verändert. Weitere Hinweise auf eine rückläufige Testanzahl wurden nicht an uns herangetragen“, teilt der Pressesprecher der Landesapothekerkammer Baden Württemberg, Niklas Junkermann, mit. In manchen Orten könne es jedoch vorkommen, dass sinkende Zahlen in der Nachfrage verzeichnet werden. Die vorhandenen Strukturen in den Apotheken könnten nach wie vor und auch in Zukunft genutzt werden, meint Junkermann.

Vor der Party wollen viele sichergehen

„Ob es ein Überangebot gibt oder nicht, kann ich als Anbieter nicht beurteilen. Das können nur die Kunden, die entscheiden, wo sie hingehen wollen. Je mehr Auswahl, desto besser. Ich bin mit unserer Buchungslage auf jeden Fall zufrieden“, sagt Thomas von Künsberg Sarre, Inhaber der Fellbacher Stadtapotheke, der weitere Apotheken, darunter auch in Backnang betreibt. „Wir werden in der Stadtapotheke voraussichtlich täglich Testzeiten anbieten, solange der Gesetzgeber die Kosten übernimmt. Das werden wir auch tun, wenn es wirtschaftlich keinen Sinn hat, denn man hat als Apotheker auch eine soziale Verantwortung, der Bevölkerung Testmöglichkeiten auf hohem Niveau zu ermöglichen“, sagt er. Wenn die Nachfrage komplett einbreche, würden die Zeiten zwar weiter eingeschränkt, man werde aber auf jeden Fall täglich testen. Seiner Erfahrung seien es fünf Gruppen, die derzeit nachfragen. Zum einen, wenn der Arbeitgeber Corona-Tests verlange. Da kämen einige Kunden am Abend vorher zur Apotheke, wo man 15 Minuten später das Ergebnis per E-Mail erhalte. Zum anderen vor oder nach Zusammenkünften, um sicherzugehen, dass man niemanden ansteckt oder nicht angesteckt worden sei. Das könne ein Besuch im Pflegeheim sein oder auch eine Geburtstagsfeier.

An Personal krankt es nicht mehr

Außerdem gebe es Überweisungen von Ärzten, die den „Express-Service“ schätzten und keine hochinfektiösen Menschen in der Praxis haben wollten – oder auch Menschen kurz vor oder nach einer Urlaubsreise sowie Personen, die sich aus einer Quarantäne heraus freitesten wollen.

Mittlerweile seien, wie Thomas von Künsberg Sarre sagt, ein Drittel aller seiner Tests PCR-Tests, die in der Regel innerhalb von 3 bis 6 Stunden ausgewertet würden, auf jeden Fall tagesaktuell. Seine Mitarbeiter blieben dafür teilweise bis 22 Uhr im Labor, und das auch an einem Sonntag.

Zu Beginn sei es schwierig gewesen, genügend Personal für die Testungen zu finden. Das habe sich geändert.„Wir managen die Pandemie-Herausforderungen nun seit zwei Jahren“, berichtet der Apotheker. Mittlerweile habe er eine „bestens ausgebildete Kernmannschaft, die sehr routiniert, flexibel und engagiert“ sei.

Anmelden zu einem Schnelltest kann man sich auf der Internetseite des Rems-Murr-Kreises, dort gibt es auch eine Übersicht der Testmöglichkeiten unter https://www.rems-murr-kreis.de/schnelltest-covid-19/schnelltests-im-rems-murr-kreis. Dort stehen zudem weitere Informationen zum Thema Corona.

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