Corona-Selbsttests im Rems-Murr-Kreis Cosima bewährt sich im Pilotbetrieb

Bei Scholz-Haare wird  die Cosima-App auch in der Ausbildungsakademie in Weinstadt eingesetzt. Foto: Gottfried Stoppe/l
Bei Scholz-Haare wird die Cosima-App auch in der Ausbildungsakademie in Weinstadt eingesetzt. Foto: Gottfried Stoppe/l

Die vom Landkreis entwickelte digitale Eigenlösung zur Erfassung von Corona-Selbsttests, wird von mehreren Schulen und Unternehmen erprobt. Der Friseur-Großunternehmer Oliver Scholz sagt, die App helfe enorm.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
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Waiblingen/Weinstadt - Testen, waschen, schneiden, föhnen – der aktuell coronabedingte Standardvierklang der Friseure wird bei Scholz Haare neuerdings noch um eine digitale Komponente aus dem Waiblinger Landratsamt ergänzt. Der Friseurbetrieb mit Salons im Remstal und in Stuttgart bietet seinen Kunden nicht nur vor Ort einen Corona-Schnelltest zum Selbstkostenpreis an, er nutzt seit ein paar Wochen zur Erfassung der Testergebnisse auch die von der Kreisbehörde entwickelte Cosima-App. Oliver Scholz, der Geschäftsführer des Unternehmens, ist nach den ersten Erfahrungen im Pilotbetrieb überzeugt, dass die Smartphone-Anwendung die Akzeptanz der Kundschaft gegenüber den Testungen deutlich erhöht hat.

Digital statt Zettelwirtschaft

Die Eigenentwicklung des Kreises soll laut dem Landrat Richard Sigel eine Lücke schließen, die durch die vermehrt angewandten Selbsttests entstanden sei. Denn während die von Fachleuten wie Ärzten und Apothekern vorgenommenen Tests in den rund 160 zertifizierten Schnelltestzentren im Kreis digital bereits über das Online-Buchungssystem und die Software Cosan gut vernetzt sind, fallen die Selbsttests bisher durch das Raster. Werden diese allerdings durch einen geschulten Dritten überwacht und via App bestätigt, haben sie eine ähnlich offizielle Gültigkeit. Die Rems-Murr-Kliniken und der Kreisverband des Roten Kreuzes haben dafür entsprechende Schulungen entwickelt.

Die Cosima-App, so der Landrat, vereinfache nicht nur die sonst mit Zetteln und Listen mühsame Erfassung und Dokumentation der Testergebnisse, die in Schulen oder Unternehmen gemacht werden müssen, und trage im Fall eines positiven Ergebnisses zu einer raschen Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt bei. Sie biete auch den Getesteten einen Mehrwert: Das morgens in der Schule oder an der Arbeitsstelle bescheinigte negative Testergebnis könne später als Eintrittskarte zum Friseur genutzt oder zu anderen Gelegenheiten vorgezeigt werden, wo dies verlangt werde.

Vielleicht auch bald im Hotel, Restaurant oder dem Sportverein, denn die Betriebe und Institutionen, die zurzeit noch in den radikalen Lockdown gezwungen sind, könnten die App gut in ihre Öffnungsstrategien integrieren, glaubt nicht nur der Landrat. Die heimischen Unternehmen seien „hochinteressiert“, sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr, Claus Paal. Bereits eine mittlere dreistellige Zahl habe sich registrieren lassen. Mehrere Firmen sowie Schulen haben die App derzeit testweise bereits im Einsatz, demnächst soll sie in den Echtbetrieb gehen.

Mehr als 100 geschulte Dritte in einem Betrieb

Oliver Scholz hat in seinen Friseur-Unternehmen inzwischen 74 geschulte Dritte ausbilden lassen, weitere 51 sollen demnächst dazu kommen. Zum Einsatz komme die App aber nicht nur in den Salons. Auch in der eigenen Ausbildungsakademie in Weinstadt, in der zurzeit 44 Azubis das Handwerk erlernten, helfe sie enorm bei den Vorbereitungen.

Das hört der Landrat gern. Den Vorwurf, eine unnötige, teure Insellösung geschaffen zu haben, statt auf Vorhandenes zu bauen, will er hingegen nicht stehen lassen. Es habe schlicht noch keine wirklich brauchbare Lösung für diesen Aspekt gegeben. Und die Kosten für die an eine Fremdfirma vergebene Entwicklung seien mit etwa 20 000 Euro vergleichsweise überschaubar gewesen. Natürlich komme zur Programmierung noch viel Hintergrundarbeit hinzu, die aber werde mit Herzblut von einem kreativen Team in der eigenen Behörde erledigt. Man habe zudem ganz bewusst davon abgesehen, für die Nutzung Lizenzgebühren zu erheben. „Wir sehen das als einen Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung“, sagt Sigel, und natürlich zur Bekämpfung der Pandemie. Sollten andere Landkreise anfragen, „dürfen sie gerne dazu kommen“.




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