Corona: Skifahrer verklagen Österreich Gefahr Verharmlost
Wie der Skiort Ischgl im März auf Corona reagiert hat, beschäftigt nun die Justiz.
Wie der Skiort Ischgl im März auf Corona reagiert hat, beschäftigt nun die Justiz.
Ischgl - Pisten und Party: Im österreichischen Skiort Ischgl hat das Coronavirus im März beste Bedingungen vorgefunden. Überfüllte Busse und Après-Ski-Bars boten den idealen Nährboden. Tausende Urlauber und Einheimische infizierten sich. Das „Ibiza der Alpen“ wurde zur Virenschleuder. Unvermeidlich in einer Touristenhochburg? Bestimmt nicht. Die Behörden hätten gegensteuern können – wären sie rechtzeitig aktiv geworden.
Die weithin kritisierte Rolle der Verantwortlichen beschäftigt folgerichtig nun auch die Justiz. Der österreichische Verbraucherschutzbund, eine private Organisation, hat im Namen der Betroffenen die Republik Österreich verklagt. Gut so. Die Politik weist zwar jede Schuld von sich. Man habe nach damaligem Kenntnisstand alles richtig gemacht. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Und dass die Zuständigen wirklich arglos handelten, ist zu bezweifeln. Es war wohl eher so, dass der Profit zu lange über die Gesundheit der Menschen gestellt wurde.
Sicher, der Tourismus spielt in Tirol eine zentrale Rolle. Den wichtigen Wirtschaftszweig legt man ohne zwingenden Grund nicht einfach mal lahm. Doch der erste Fall in Ischgl wurde bereits Anfang März entdeckt. Zuvor hatte schon Island gewarnt, dass sich Urlauber dort infiziert hätten. Touristen durften allerdings noch eine gute Woche lang an- und abreisen. Hoteliers teilten potenziellen Gästen gar mit, dass „das Virus weit weg“ und Ischgl sicher sei. Die Gefahr wurde verharmlost, das Zögern der Behörden hatte Infektionen in ganz Europa zur Folge. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Klage ein Umdenken einsetzt – und derart unverantwortliches Handeln künftig verhindert wird.
bettina.hartmann@stzn.de