Corona-Soforthilfe von StZ und StN: Vom Gefängnis direkt in die Obdachlosigkeit

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Wegen er Coronapandemie entließen die Gefängnisse alle Kleinkriminellen – doch die finden keine Bleibe, denn die Unterkünfte sind ebenfalls geschlossen. Die Corona-Soforthilfe kann wenigstens finanziell helfen.

Mancher entlassene Strafgefangene muss auf der Straße leben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Mancher entlassene Strafgefangene muss auf der Straße leben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Normalerweise ist die vorzeitige Entlassung aus der Haft ein Grund zur Freude. Aber in Corona-Zeiten ist bekanntlich alles anders. So stand gleich nach dem Lockdown im März ein verzweifelter junger Mann im T-Shirt mit einem Minirucksack über der Schulter an der Tür der Sozialberatung Stuttgart in der Römerstraße und bat um Hilfe. Weder hatte er etwas Warmes zum Anziehen noch eine Bleibe, wo er hinkonnte nachdem er ganz unerwartet wieder auf freiem Fuß war.

Die Sozialberatung engagiert sich für die Resozialisierung von ehemaligen Strafgefangenen, organisiert Coaching-und Präventionsprogramme und kümmert sich darum, dass niemand nach der Haftentlassung auf der Straße steht.

Keine Bleibe nach der Haft

Diesem Anspruch konnte die Beratungsstelle in den vergangenen Wochen nicht mehr gerecht werden: Alle Klein­kriminellen mit Haftstrafen unter einem Jahr wurden wegen des Virus vorzeitig von heute auf morgen entlassen. „Gefängnisse können Haftstrafen aussetzen, wenn das für den Vollzug notwendig ist“, erklärt Holger Weiß die Sachlage. Weiß ist Sachbereichsleiter für die Straffälligenhilfe der Sozialberatung. Die Gefängnisse wollten die Ansteckungsgefahr gering halten und schickten alle jene nach Hause, die nur deshalb in Haft waren, weil sie zu einer Geldstrafe verurteilt worden waren, diese aber mangels finanzieller Mittel nicht bezahlen konnten. Ein Zuhause haben jedoch die wenigsten, weiß Weiß. Oft wurde die Wohnung oder das Zimmer wegen der Haft gekündigt. „Einige können zwar vorübergehend bei Freunden oder Bekannten unterkommen, das ist aber keine Dauerlösung.“

Allein in Stammheim wurden gleich nach dem Lockdown 30 Strafgefangene entlassen. Gleichzeitig hatten alle Notaufnahmestellen wegen der Ansteckungs­gefahr die Türen verschlossen und einen Aufnahmestopp erlassen. Die Sozialberatung benötigte dringend finanzielle Mittel für Masken und für Übernachtungsmöglichkeiten. Hier konnte die Corona-Soforthilfe von StZ und StN mit einer Spende einspringen.

„Wir mussten vor allem eine Großbestellung mit Schlafsäcken machen – für diejenigen, die auf der Straße schlafen mussten“, berichtet Weiß. Dabei wurden drei junge Männer von den Ordnungskräften erwischt, wie sie gemeinsam an einem Schlafplatz nächtigten. Damit hatten sie gegen die Corona-Regeln verstoßen, denn nur zwei hätten am selben Platz nächtigen dürfen. Alle drei sollen jetzt eine Strafe von jeweils 250 Euro bezahlen.

Corona kippt den Arbeitsvertrag

Auch Andreas S. (Name geändert) ist Opfer der Corona-Pandemie geworden und hat deshalb für seine Kinder eine Spende für Kleidung durch die Corona-Soforthilfe erhalten. S. war ebenfalls inhaftiert und kam vor einem Jahr frei. Mit viel Engagement und etwas Glück fand er bei einer Zeitarbeitsfirma eine Stelle als Projektleiter im Baugewerbe. Dafür nahm er in Kauf, dass er die Woche über etliche Hundert Kilometer von Stuttgart entfernt leben musste.

Als dieser befristete Job beendet war, bekam Andreas S. von der Baufirma eine Festanstellung im Großraum Stuttgart angeboten. Den Vertrag hatte er unterschrieben, doch dann wurde das Projekt wegen der Pandemie erst einmal auf Eis gelegt. „Von dem Gehalt dort hätte ich meine ­Familie gut ernähren können“, rechnet Andreas S. vor. Jetzt würde er jede Arbeit annehmen: Pakete ausliefern, Lagerarbeit. „Ich bin kein fauler Mensch“, aber nun ist er erst einmal auf Sozialleistungen angewiesen.

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