Corona-Strategie in Esslingen Stadt baut Kapazitäten für Schnelltests auf

Im Corona-Schnelltest-Zentrum am Bahnhofsvorplatz könnten bis zu 1500 Tests am Tag stattfinden – aktuell werden nur knapp 400 täglich nachgefragt. Foto: Ines Rudel

Noch scheinen Lockerungen der Corona-Regeln in weiter Ferne. Doch die Stadt Esslingen baut jetzt schon Kapazitäten für Schnelltests auf, um für mögliche Öffnungen bei sinkenden Fallzahlen gewappnet zu sein.

Esslingen - Während in Tübingen ausgiebig shoppen gehen kann, wer einen negativen Coronatest vorweist, sind in Esslingen nach wie vor die meisten Läden zu. Das kann nicht so bleiben, findet Oberbürgermeister Jürgen Zieger – zumindest nicht, wenn die Infektionszahlen wieder sinken. Deshalb schafft die Stadt jetzt schon die Voraussetzungen für mehr Testkapazitäten. Denn sobald die Sieben-Tage-Inzidenz unter den Wert 100 fällt, will Esslingen gern eine ähnliche Test- und Öffnungsstrategie fahren wie Tübingen.

 

In der Sitzung des Gemeinderats am Montag wird OB Jürgen Zieger deutlich: „Wir sitzen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange.“ Statt nur abzuwarten, was passiert, wolle die Stadt eine „Strategie des Umgangs“ mit dem Coronavirus entwickeln, um bei sinkenden Fallzahlen für eine Öffnung gewappnet zu sein. „Handel, Gastronomie und Kultur sind teils existenziell bedroht“, so Zieger. Der Druck auf die Stadt, eine Perspektive zu bieten, steige zusehends – gleichzeitig sei man als Kommune an Verordnungen gebunden, an deren Entwicklung man überhaupt nicht beteiligt sei. Hinzu komme: „Wir sind mittlerweile an dem Punkt, dass die Entscheidungen von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten den Menschen nicht mehr vermittelbar sind.“

Oberbürger im Landkreis sprechen sich ab

Mit ihrem Vorhaben will die Stadt aber nicht allein vorpreschen. Er sei im engen Austausch mit Landrat Heinz Eininger, betont OB Zieger. Zudem stehe ein Treffen mit den anderen Oberbürgermeistern im Landkreis an, bei dem man über ein einheitliches Vorgehen im Landkreis beraten wolle. Darüber hinaus fordert Zieger mit Blick auf Tübingen eine „landesweit einheitliche Öffnungsperspektive für Handel, Gastronomie und Kultur anstelle von einzelnen Sonderlösungen“. Offenbar werden die Rathauschefs im Kreis Esslingen immer wieder angegangen, weil sie eben keine Öffnungen à la Tübingen anbieten können.

Unterdessen geht es beim Thema Corona-Schnelltest voran. Inzwischen habe man Kapazitäten für rund 40 000 Tests pro Woche, teilt der Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar mit. In diversen Apotheken sowie in mittlerweile fünf Testzentren im Stadtgebiet kann der sogenannte Bürgertest durchgeführt werden, der für jeden Bürger einmal pro Woche kostenlos ist. Neben den zwei Testzentren in der Innenstadt – am Bahnhofsvorplatz sowie im ES – wird in der Plochinger Straße 91, in der Fritz-Müller-Straße 101/1 und im Neckar Center im größeren Stil getestet. In RSKN bietet eine Bürgerinitiative kostenlose Schnelltests an. Zudem sei man im Gespräch mit Interessenten, die sich vorstellen können, an weiteren Standorten in der Innenstadt Testzentren zu eröffnen – etwa in der Ritterstraße, der Agnespromenade oder im Neckarforum, heißt es aus dem Rathaus. Damit könne die Kapazität in der Stadt innerhalb kurzer Zeit auf 45 000 Schnelltests pro Woche erhöht werden.

Zu den Testkapazitäten zählen auch die direkten Angebote an bestimmte Bevölkerungsgruppen. So können sich Lehrer und Erzieherinnen jeweils zwei Mal wöchentlich durch mobile Testteams der Johanniter Unfallhilfe in ihrer Einrichtung testen lassen. Auch Beschäftigten der Stadtverwaltung werden regelmäßige Tests angeboten, ebenso dem Personal in städtischen Pflegeheimen.

Rund die Hälfte der Schüler lässt sich testen

Zudem wurde das Testangebot vergangene Woche auf die rund 5000 Schülerinnen und Schüler ausgeweitet, die ganz oder teilweise am Präsenzunterricht teilnehmen. Möglich wären zwei Tests pro Woche für jeden Schüler. Allerdings werde das Angebot nur von rund 50 Prozent der Schüler wahrgenommen, teilte Sozialdezernent Yalcin Bayraktar am Montag im Gemeinderat mit. An manchen Schulen ließen sich zwar mehr als 80 Prozent der Schüler testen, an anderen hingegen gar keine. Allerdings seien die Tests auch freiwillig, man könne also nur appellieren und motivieren, aber niemanden verpflichten, betonte OB Jürgen Zieger. In einer eigens dafür anberaumten Runde mit den Esslinger Schulleitern wollen er und Bayraktar nun weitere Überzeugungsarbeit leisten.

Ziegers Botschaft ist klar: „Wir sind nicht nur Zuschauer. Wir kämpfen dafür, dass wir ab einer Inzidenz unter 100 mit Hilfe von Negativtests öffnen können.“ Damit stößt er im Gemeinderat quer durch die Fraktionen auf ausdrückliche Zustimmung. Es sei gut, sich jetzt schon auf mögliche Öffnungen vorzubereiten, so der Tenor – auch wenn zunächst wohl eher wieder Verschärfungen der Coronaregeln zu erwarten seien. „Das Ziel ist es, nicht nur mit Restriktionen zu agieren, sondern Aktiv-Strategien zu entwerfen“, betont auch Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST). Irgendwann sollten auch wieder vorsichtige Öffnungen möglich sein, so Metzler: „Denn viele Unternehmen in der Innenstadt kämpfen ums Überleben.“

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