Forschung an „Hotspots“ Robert Koch-Institut startet Corona-Studie in Baden-Württemberg

Von red/dpa/lsw 

Vier große Testreihen an vier Corona-„Hotspots“: Das Robert Koch-Institut erforscht das Virus in besonders betroffenen Gemeinden. Die Wissenschaftler sehen ihre Forschung als Ergänzung zur sogenannten Heinsberg-Studie, nicht als Konkurrenz.

Mit der Studie in Kupferzell will das RKI  herausfinden, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen das Coronavirus haben. (Symbolbild) Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Mit der Studie in Kupferzell will das RKI herausfinden, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen das Coronavirus haben. (Symbolbild) Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Kupferzell - Auf der Suche nach Antworten im Kampf gegen das Coronavirus schauen Mediziner und Wissenschaftler in den kommenden Wochen unter anderem gespannt ins Hohenlohische: In Kupferzell, einem der sogenannten Corona-Hotspots, sollen rund 2000 Menschen befragt und getestet werden. Der Ort ist einer von vier Schwerpunkten der Studie „Corona Monitoring lokal“, die am Dienstag vorgestellt wurde. In den nächsten Monaten sollen die Ergebnisse von 8000 Menschen in diesen besonders vom Virus betroffenen Gemeinden von Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts (RKI) gesammelt werden.

Die Forscher wollen herausfinden, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Außerdem erhoffen sie sich Erkenntnisse über den Anteil der Infektionen ohne Symptome. Sie wollen zudem erfahren, welche Menschen häufiger betroffen sind und wie oft eine Erkrankung so schwer verläuft, dass Betroffene ins Krankenhaus müssen.

Kupferzell eignet sich laut den Behörden gut für eine Untersuchung, weil die Gemeinde recht isoliert im ländlichen Raum liegt. Außerdem war sie schon früh ein Corona-„Hotspot“: Bei einem Kirchenkonzert am 1. März steckten sich viele Menschen an. In den folgenden Wochen wurden 112 positiv getestet, 3 von ihnen starben.

Studie aus Heinsberg als Vorbild

Eine ähnliche Studie hatte es im stark vom Coronavirus betroffenen Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg gegeben. Die Ergebnisse dieser Studie seien wichtig, bezögen sich aber nur auf die Gemeinde Gangelt, sagte Thomas Lampert, der Leiter der Abteilung für Epidomologie und Gesundheitsmonitoring am RKI. Claudia Santos-Hövener vom RKI sagte: „Wir können nicht ausschließen, dass in Gangelt etwas vorlag, das nicht übertragbar ist. Und je mehr Gemeinden wir einschließen, desto besser können wir das beurteilen.“

Es könne etwa berücksichtigt werden, welche Maßnahmen das jeweilige Land oder die jeweilige Gemeinde zur Eindämmung getroffen hat. So sollen Faktoren ermittelt werden, die eine Ausbreitung vorantreiben oder hemmen. Aussagen erhoffen sich die Forscher außerdem über die Dunkelziffer, also über die Zahl der Infizierten, die nicht erkannt wurden. Die Studie in Gangelt habe auf eine große Dunkelziffer hingewiesen, sagte Lampert vom RKI. Man wolle feststellen, ob die Ziffer in den vier Gemeinden ähnlich hoch ist.

Test werde die Augen öffnen

Laut dem Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles kommt der großflächige Test in der Gemeinde bei den Bürgern gut an. Viele seien unsicher, ob sie erkrankt gewesen seien oder nicht. Es werde mit Sicherheit den ein oder anderen geben, dem der Test die Augen öffne, sagte er. Den Kupferzellern wird ihr Ergebnis in den Wochen nach ihrem Test mitgeteilt. Bis zum 6. Juni sollen die Tests abgeschlossen sein. Die gesammelten Ergebnisse der Studie sollen laut RKI im Juli präsentiert werden.

Breites Bild über die Krankheit und deren Verbreitung

Nach den Tests in Kupferzell zieht das RKI-Team weiter nach Bad Feilnbach in Bayern. Dort sowie später in zwei weiteren stark betroffenen Gemeinden – die noch nicht feststehen – werden jeweils weitere 2000 Menschen getestet und befragt. Sie werden - proportional zur Bevölkerung und zur Altersstruktur - zufällig ermittelt. Für die vier Gemeinden sind die jeweiligen Ergebnisse repräsentativ. Zusammen mit der Heinsberg-Studie sowie weiteren geplanten Studien anderer Forscher will sich das RKI ein breites Bild über die Krankheit und deren Verbreitung verschaffen. Laut Landesgesundheitsamt sind etwa in Reutlingen und Freiburg ähnliche Studien in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung geplant.

Die Tests für eine weitere, bundesweit repräsentative Antikörper-Studie zur Verbreitung des Coronavirus sollen laut Lampert im September beginnen - und nicht wie vom RKI mitgeteilt im Mai. Mit Ergebnissen sei im Oktober oder November zu rechnen, sagte Lampert am Dienstag. Es sollen rund 30 000 Menschen aus rund 14 000 Haushalten in allen Regionen Deutschlands befragt werden.

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