Was denken die Baden-Württemberger über die Corona-Politik der Landesregierung? Wollen sie schärfere Maßnahmen? Wollen sie Erleichterungen? Der neue BWTrend gibt Auskunft.

Politik/ Baden-Württemberg: Rainer Pörtner (pö)

Stuttgart - Seit fast zwei Jahren beherrscht Corona auch das Leben in Baden-Württemberg. Das Virus hat Krankheit und Tod gebracht. Das öffentliche Leben ist – mal mehr, mal weniger – eingeschränkt. Viele haben Angst vor einer Infektion und fordern eine Impfpflicht, andere protestieren lautstark gegen die staatlichen Auflagen.

Im neuen BWTrend, einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von Stuttgarter Zeitung und SWR, wurde die aktuelle Stimmungslage der Baden-Württemberger erkundet. Wie beurteilen sie das Krisenmanagement der Landesregierung? Empfinden sie die aktuellen Beschränkungen als ausreichend? Welche Maßnahmen lehnen sie insbesondere ab? Hier die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

Corona-Krisenmanagement: Lob und Kritik halten sich die Waage

Angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante bleibt die Eindämmung der Corona-Pandemie auch zu Jahresbeginn die zentrale Aufgabe der Politik. Bei der Beurteilung des Krisenmanagements der Landesregierung halten sich Lob und Kritik in etwa die Waage: knapp die Hälfte der Wahlberechtigten (47 Prozent) äußern sich zufrieden, 50 Prozent sind dagegen weniger oder gar nicht zufrieden. Im Vergleich zu März vergangenen Jahres, als im Vorfeld der Landtagswahl vergleichsweise strenge Auflagen galten, fällt das Urteil der Bevölkerung etwas wohlwollender aus (plus 5 Prozentpunkte).

Rückhalt findet das Krisenmanagement derzeit bei den Anhängern der Grünen (77 Prozent), der CDU (61 Prozent) und der SPD (56 Prozent). Potenzielle FDP-Wähler (39 zu 60 Prozent) und vor allem Anhänger der AfD (9 zu 89 Prozent) äußern sich dagegen mehrheitlich kritisch.

Die Unterstützung für den Kurs der Landesregierung steigt mit dem Alter und ist unter Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 65 und älter (57 Prozent) deutlich höher als bei jüngeren im Alter von 18 bis 39 (38 Prozent).

Corona-Maßnahmen: Knapp die Hälfte hält Auflagen für angemessen

Das geteilte Meinungsbild spiegelt sich auch in der Beurteilung der geltenden Corona-Maßnahmen. Auf Zustimmung stoßen die aktuellen Regeln bei knapp der Hälfte der Wahlberechtigten im Land (46 Prozent). Sie beurteilen die derzeit geltenden Auflagen als der Situation angemessen. Jeder Vierte (24 Prozent) wünscht sich angesichts der aktuellen Infektionszahlen strengere Vorgaben. Ein weiteres Viertel (26 Prozent) bewertet die Auflagen dagegen als zu weitgehend, darunter überdurchschnittlich viele Anhänger der AfD (65 Prozent).

Jüngere sehen Sperrstunde und 2G Plus in der Gastronomie kritisch

Die nächtliche Sperrstunde und Auflage einer 2G-Plus-Regel, nach der nur Geimpfte und Genesene mit zusätzlichem negativen Test Zutritt zu Restaurants haben, halten in der aktuellen Situation 51 Prozent für angemessen. Für 39 Prozent gehen diese Auflagen hingegen zu weit, hierunter überdurchschnittlich viele Jüngere im Alter von 18 bis 39 Jahren, von denen die Hälfte (51 Prozent) diese Regelungen als zu streng bewertet. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung (7 Prozent) würde sich noch strengere Auflagen für die Gastronomie wünschen.

Breite Mehrheit gegen Schließung von Schulen

Trotz steigender Infektionszahlen auch in Schulen besteht in allen Bevölkerungsgruppen und Parteianhängerschaften mehrheitlich Einigkeit, dass eine Abkehr vom Präsenzunterricht nicht zu begrüßen wäre. Vier von fünf (81 Prozent) sprechen sich laut BWTrend gegen eine Schließung von Schulen aus, ein Siebtel (14 Prozent) wäre für Schulschließungen hingegen offen.

Zwei Drittel (66 Prozent) sehen auch eine mögliche Schließung von Kultureinrichtungen wie Theater oder Kinos kritisch. Drei von Zehn (29 Prozent) würden eine Schließung von kulturellen Einrichtungen in der aktuellen Situation hingegen begrüßen.

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