Nach Ende der Ausgangssperre in Stuttgart Mehr als 500 PS-Protzer halten Polizei in Atem

Großalarm für die Polizei: Die PS-Poser-Szene ist nach Stuttgart zurückgekehrt (Symbolbild) Foto: imago images/onw-images/Marius Bulling

Seit vergangenem Donnerstag gilt in Stuttgart keine nächtliche Ausgangssperre mehr. Die motorisierte Vergnügungsszene hat dies am Wochenende auf ihre Weise gefeiert.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Stuttgart - Was braucht es Faschingsumzug oder Narrensprung – eine Armada der PS-Szene hat am Faschingswochenende die nächtlichen Straßen Stuttgarts erobert. Großalarm für die Polizei: „Mehr als 500 Fahrzeuge sind in der Nacht zum Sonntag in der Stadt unterwegs gewesen“, bilanziert die Polizeisprecherin Monika Ackermann. Hochpreisige Luxuskarossen aus den umliegenden Landkreisen – mit Insassen zwischen 19 und Mitte 30, die das Ende der nächtlichen Ausgangssperre in Stuttgart feierten.

 

„Normalerweise braucht die Szene frühlingshafte Nächte und die Bewunderung des Gastro-Publikums“, sagt Monika Ackermann. Doch nun war auch die tiefgefrorene und menschenleere Partymeile Theodor-Heuss-Straße gut genug für die motorisierte Vergnügungsszene, um durch die Stadt zu ziehen. Mit Hupkonzerten, die zu zahlreichen Anwohnerbeschwerden über Ruhestörung führten. „Dabei waren auffallend viele Kraftfahrzeuge aus dem Umland unterwegs“, so die Sprecherin.

Aufruf in den sozialen Netzwerken

Die Polizei hatte erst kurzfristig von den Plänen aus den sozialen Netzwerken erfahren. Bereits in der Nacht zum Samstag hatten etwa 150 stolze Besitzer von hochpreisigen Mercedes-, BMW- oder Audi-Karossen den Weg in die Stadt gefunden. Mit Kontrollstellen am Rotebühlplatz und in der Friedrichstraße versuchte die Polizei die Insassen anzusprechen – denen mitunter Coronaregeln und öffentliches Alkoholkonsumverbot in der Stadt ziemlich egal waren. Durch eine Blockade der Bolzstraße schafften es die Beamten immerhin, einen Korso, begleitet von einem Hupkonzert, durch die Stephan- und Lautenschlagerstraße zu verhindern.

Auch ohne nächtliche Ausgangssperre fanden die Beamten einige Verstöße. In einem VW Passat mit Ludwigsburger Kennzeichen beispielsweise saßen außer dem 30-jährigen Fahrer noch drei weitere Personen – „aus drei Haushalten und ohne Mund-Nasen-Bedeckung“, so die Polizeisprecherin Ackermann. Die Betroffenen wurden angezeigt und mit einem Platzverweis belegt. Das unnötige Hupen in den Straßen konnte indes nur schwer geahndet werden – selten ließ sich der Urheber eindeutig feststellen.

Erst nach 2.30 Uhr wird es wieder ruhig

Die Polizei hatte ihre Kontrollstellen gegen 21 Uhr aufgebaut und war am Sonntag noch bis gegen 2.30 Uhr mit der Invasion beschäftigt. Erst dann ebbte der Strom langsam ab. Auf Verständnis sind die Beamten bei ihren Überprüfungen offenbar selten gestoßen. Einige Insassen hätten sich auffallend provozierend verhalten, heißt es im Protokoll. Beispielsweise auf der Theodor-Heuss-Straße, wo am Samstag gegen 22.30 Uhr die Besatzung eines Mercedes aus dem Kreis Ludwigsburg kontrolliert wurde. Der 21-jährige Beifahrer bezeichnete einen Beamten kurzerhand als „Hurensohn“.

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