Corona und Einzelhandel Kaum Ladenschließungen in Ludwigsburg – bis jetzt

Endlich sind wieder Menschen in der Stadt. Doch für Einzelhändler ist die schwierige Zeit damit noch nicht ausgestanden. Foto: Simon Granville

Wenig Leerstand, große Hoffnungen: Corona hat wenige der Ludwigsburger Einzelhändler zum Aufgeben gezwungen. Der Manager des Marstall und der Wirtschaftsförderer der Stadt sind relativ zufrieden. Doch beide wissen, dass sich das ändern kann.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Ludwigsburg - Wer dieser Tage durch die Ludwigsburger Innenstadt schlendert, speziell durch das Marstall, der könnte den Eindruck gewinnen, die Corona-Pandemie habe zur Schließung zumindest einiger Ladengeschäfte geführt. Stimmt aber nicht – jedenfalls noch nicht, mit diesen Worten lassen sich die Aussagen des Wirtschaftsförderers der Stadt, Frank Steinert, und des neuen Managers des Marstall-Centers, Florian Kowalski, zusammenfassen.

 

„Wir sehen keine Veränderung“, sagt Steinert. Die Quote der Leerstände in der Stadt liege nach wie vor „unter fünf Prozent“, wie vor dem Beginn der Pandemie. Steinert sagt allerdings auch, dass die schwierigste Zeit für viele Einzelhändler vermutlich erst jetzt beginne. „Die Hilfsgelder fallen weg“, aber die Kunden kommen noch nicht in Scharen zurück.

Der Leerstand fällt auf

Beim Rundgang durch das Marstall bemerkt der aufmerksame Einkäufer, dass nicht nur ein Ladengeschäft leer steht. Speziell in der oberen Etage gegenüber des Elektromarkts ist es dunkel. Stimmt, erklärt Florian Kowalski. Aber diese Räume seien schon länger nicht vermietet, diese Leerstände hätten also nichts mit der Pandemie zu tun. Ein einziges Geschäft habe explizit wegen Corona kürzlich geschlossen: Die Filiale der Kette „Heimatliebe“ am Ausgang zur Fußgängerzone. Er wisse noch gar nicht, welche weiteren Geschäfte womöglich stark betroffen sind von Corona.

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Derzeit stünden acht der 70 Shops im Center leer. „Eine gute Quote“, sagt Kowalski und erklärt optimistisch, er sehe die leer stehenden Läden lieber als Chance, denn als Risiko. Er führe „gute Gespräche“ mit Interessenten, könne aber noch wenig Konkretes sagen. Nur soviel: einige potenzielle Mieter gehörten zum Bereich Nahversorgung. Er würde sich freuen, wenn in nächster Zeit eine Apotheke eröffnen würde und ein Blumengeschäft.

Der Neue ist zuversichtlich

Fest steht schon länger, dass Aldi in das Center einzieht, vermutlich gegen Ende des Sommers, so Kowalski. Er habe einige weitere Ideen, zum Beispiel sogenannte Pop-up-Stores, also Geschäfte, die nur für einen begrenzten, relativ kurzen Zeitraum öffnen. Die Passage möchte der Manager – wenn die Coronakrise weiter eingedämmt ist – ebenfalls gerne wieder mit neuem Leben füllen, etwa mit Popcorn-Ständen oder Aktionen, beispielsweise in Kooperation mit Autohäusern.

Kowalski, 29 Jahre, hat seinen Job im Center erst Anfang dieses Jahres angetreten. Zuvor hatte der Betriebswirt beim Marstall-Betreiber ECE gearbeitet, unter anderem in dessen Häuser in Dortmund, Hamburg und Singen. Er kennt das Marstall also noch gar nicht mit Menschenmassen, ist allerdings zuversichtlich, dass die Leute schon bald wieder liebend gerne in richtigen Läden einkaufen wollen, statt ständig im Internet.

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Michael Heine vom Handelsverband Baden-Württemberg sagt auf Anfrage: „Wir teilen die Einschätzung des Wirtschaftsförderer und des Managers des Marstall-Centers.“ Konkrete Leerstandszahlen fürs Land habe er aber keine. „Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht war ein hilfreiches Mittel, um eigentlich gesunde Unternehmen, die durch die Pandemie in finanzielle Not geraten sind, vor unverschuldeten Schließungen zu bewahren. Durch das Ende der Aussetzung dürften zahlreiche Unternehmen nun Schwierigkeiten bekommen.“

Der Verband befürchtet große Schwierigkeiten

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Sabine Hagmann, sagt: „Zahlreiche Einzelhändler sind in ihrer Existenz bedroht und müssen ohne weitere Hilfszahlungen im Laufe des Jahres unverschuldet Insolvenz anmelden. Es bedarf jetzt schneller, unbürokratischer Hilfszahlungen an den Einzelhandel. Außerdem braucht es nun zügig klare Öffnungsperspektiven.“ Nur so könne eine Verödung der Innenstädte verhindert werden.

Von eine drohenden Verödung Ludwigsburgs spricht der Wirtschaftsförderer freilich nicht. Frank Steinert sagt aber, Einkaufen müsse ganz bald wieder einfacher werden für die Kunden.

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