Corona und Schulen Baden-Württemberg verlängert Weihnachtsferien nicht

Wegen der Lüftungsgebote zur Corona-Vorsorge wird es ab jetzt öfter kalt im Klassenzimmer. Foto: dpa/Uli Deck
Wegen der Lüftungsgebote zur Corona-Vorsorge wird es ab jetzt öfter kalt im Klassenzimmer. Foto: dpa/Uli Deck

Sollen wegen Corona die Weihnachtsferien verlängert werden? Warum nicht nur die Landesregierung sondern auch die Lehrergewerkschaft GEW gegen den Vorstoß aus der Unionsfraktion im Bundestag ist.

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Backnang/Stuttgart - Gemütlich ist anders. Das ist klar“, sagt die GEW-Landeschefin Doro Moritz irgendwann. Sie ist mit der Bundesvorsitzenden der Lehrergewerkschaft, Marlies Tepe, zum Schulbesuch nach Backnang gekommen, um sich über das praktische Schulleben in Corona-Zeiten zu informieren. Während der ersten zwei Stunden mit zuerst geöffneten, später gekippten Fenstern haben alle Teilnehmer sportlich genommen. Aber aus der Kühle wird Kälte, und schließlich ist Marlies Tepe dann die erste, die zum Schultertuch greift und es sich um den Hals wickelt. Später werfen zwei Zwölftklässlerinnen ihre Steppjacken über.

Keiner klagt über die Temperaturen im Klassenzimmer

Klagen über die sinkenden Temperaturen im Raum 3.07, wo die Begegnung zwischen Gewerkschafterinnen und Schulwirklichkeit stattfinde gibt es keine. Die Zwölftklässlerin Anna-Marie hat kurz vorher noch einmal erzählt, wie schockiert sie war, sie als im März plötzlich nicht mehr zur Schule gehen durfte. Und um wie vieles anregender es ist, beim Rektor Udo Weisshaar ganz in Echt in einer Geschichtsstunde zu sitzen, als ähnlichen Stoff im Online-Unterricht zuhause zu erlernen. Präsenzunterricht, darin sind Lehrer, Eltern, Gewerkschaftsvertreter und Schüler in Backnang einig ist um Längen besser als das Lernen aus der Ferne, wie es im Lockdown praktiziert worden ist.

Aber das Wetter und der bevorstehende Winter überschatten den Schulbesuch in Backnang von Anfang an. Schon vor dem Start hat Doro Moritz erklären müssen, dass sie nichts von einer Verlängerung der Weihnachtsferien hält. Zwei Unionsabgeordnete im Bundestag haben das Thema aufgebracht. Christoph Ploß aus Hamburg hat sich in einem Interview für eine dreiwöchige Verlängerung ausgesprochen, sein bayerischer CSU-Kollegen Stephan Pilsinger hält sogar ein Plus von vier Wochen wegen Corona für angezeigt.

Doro Moritz hat sich sofort dagegen gewandt. „Bevor wir über eine Verlängerung der Weihnachtsferien diskutieren, brauchen wir andere Lösungen wie Abstand oder Maske im Unterricht, oder einen Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht.“ Auch die GEW-Bundesvorsitzende Marlies Tepe winkt ab. „Ich halte davon erst einmal gar nichts“, sagt auch Marlies Tepe. „Die Eltern wollen den Präsenzunterricht, und den müssen wir so lange wie möglich aufrecht erhalten.“

Weihnachtsferienverlängerung fällt im Südwesten durch

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat übereinstimmend mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) signalisiert, dass er die Initiative aus Berlin eher als aufregerträchtige Schnapsidee einstuft. Mit einer Verlängerung würde eine Welle von Betreuungsproblemen von Kindern und Jugendlichen ausgelöst, meinte der Regierungschef. „Das werden wir nicht angehen.“ Auch Eisenmann macht aus ihrer Skepsis keinen Hehl. „Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht“, betonte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Mit einer solchen Maßnahme würde man zudem eine ganze Reihe von neuen Probleme auslösen und die Schulen vor zusätzliche schulorganisatorische Herausforderungen stellen. Die Ministerin hat dabei vor allem die Planungen für Lern- und Prüfungszeiträume im Blick: „Wir sollten den Schulen jetzt nicht noch zusätzliche Probleme aufhalsen.“

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