Schon an diesem Donnerstag und Freitag veranstaltet das SWR-Symphonieorchester seine nächsten Konzerte im Beethovensaal. „Zum Glück“, sagt der Pressesprecher Matthias Claudi, „sind diese Abende nicht zu mehr als 50 Prozent ausgebucht, so dass wir aktuell niemandem absagen müssen.“ Abonnenten habe man angeboten, ihr Abonnement ruhen zu lassen. Und der Einzelkartenverkauf laufe schlecht. „Der Konzertbesuch“, so Claudi, „wird zunehmend ungemütlich.“
„Wir hangeln uns jetzt halt von Veranstaltung zu Veranstaltung“, sagt Michaela Russ von der SKS Russ. Die vom 2. bis 4. Dezember geplanten drei Konzerte sollen wie schon im vergangenen Sommer jeweils zweimal (um 17 und 20 Uhr) stattfinden. Sorgen bereitet der Konzertveranstalterin überdies die neue Regel, dass Besucher neben ihrem gelben Impfausweis auch die entsprechenden QR-Codes beim Einlass vorzeigen müssen. Und: „Dass es bei uns eine 2-G-plus-Regel gibt, in der Gastronomie aber nicht: Das entzieht sich meinem Verständnis.“
Staatstheater
Bei der anstehenden Stornierung bereits verkaufter Eintrittskarten gehen die Staatstheater streng chronologisch vor. Wer zuerst gekauft hat, darf kommen, die anderen werden per Post informiert, und bereits bezahlte Beträge werden zurück überwiesen. Abokarten, so der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks, blieben unberührt und gültig. „Wir wollen die Treue der Abonnenten auch in dieser Situation honorieren.“
Pop
Seit Eintreten der Corona-Warnstufe und damit der Maskenpflicht hat der Veranstalter Chimperator schon einen Besucherrückgang von 30 bis 35 Prozent verzeichnet. „Damit“, sagt Geschäftsführer Matthias Mettmann, „ist die Hälfte unserer Shows schon unwirtschaftlich geworden.“ Die jetzt geforderte halbe Platzbelegung mache Veranstaltungen für privatwirtschaftliche Unternehmen vollends unrentabel. „Wir gehen davon aus“, so Mettmann, „dass wir in den kommenden Wochen 90 Prozent unserer Veranstaltungen absagen werden.“
Kino
Wie gut die Filmtheater durch die nächsten Wochen kommen, da sind sich die Kinomacher Peter Erasmus (Atelier am Bollwerk, Delphi), Ralf Helmreich (Kinothek Obertürkheim) und Fredrik Andersson (Corso Stuttgart-Vaihingen) einig, ist stark davon abhängig, ob die Verleiher neue Filme auch tatsächlich zur Verfügung stellen – oder ob sie attraktive Titel erneut um Monate verschieben werden. Den Spielbetrieb erhalten die Kinos vorerst alle aufrecht. „Noch storniert unser Publikum nicht, sondern fragt nach und reserviert“, so Helmreich. Kleinere Betriebe wie die Kinothek kommen der geringeren Personalkosten wegen mit einer geringeren Auslastung auch besser klar als große Häuser. Erasmus allerdings, der ein Testzelt gleich neben dem Atelier am Bollwerk stehen hat, klagt durchaus über höhere Kosten. „Am Wochenende müssen wir nun der 2-G-plus-Kontrollen wegen eine zweite Kraft am Einlass beschäftigen.“
Theater
Susanne Heydenreich, Intendantin des Theaters der Altstadt, ist „wütend auf die Politik. Wie konnten die es mit der Infektionslage nur so weit kommen lassen?“ Gerne wäre sie Mäuschen gewesen beim Treffen der Nochbundeskanzlerin Angela Merkel mit den Chefs der Ampelkoalition: „Ich glaube, sie hat denen die Leviten gelesen und gesagt, der Lockdown muss kommen.“ Ansonsten: Mit den Zuschauerbeschränkungen komme man zurecht, „unsere Auslastung ist im Schnitt ohnehin erst wieder bei 40 Prozent“. Und die Zuschauer seien beim Vorzeigen von Ausweisen und Smartphone-Apps ja schon geübt. „Traurig nur, wie viele schon in den vergangenen Wochen bei der Einlasskontrolle schwindeln wollten.“
Museen
Bei einem Museumsbesuch gilt „nur“ 2 G. Allerdings: „Ob Führungen unter Veranstaltungen fallen, wissen wir noch nicht“, sagt Sabine Rieker, Verwaltungschefin des Kunstmuseums Stuttgart. Die Stuttgarter Museen warten derzeit noch auf weitere Hinweise des Kunstministeriums, um dann auf den Homepages zu informieren. Bis dahin geht man im Kunstmuseum davon aus, dass Führungen stattfinden, zumal Verstöße bis zum Wochenende (Kulanzregel) nicht geahndet werden.
Das sagen Vertreter von Stadt und Land
Der Stuttgarter Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) lobt die „Kreativität, Verlässlichkeit“ und das „verantwortungsvolle Sicherheitsempfinden“ der Stuttgarter Kulturszene in Coronazeiten. Dank starker Unterstützung von Bund, Land und der Stadt selbst sei es bisher gelungen, die Veranstalter trotz zahlreicher Beschränkungen „weitgehend stabil“ zu halten. „Wir hoffen daher, dass wir trotz weiterer absehbarer Einschränkungen mit unserer kulturellen Infrastruktur auch den vermutlich harten Winter hindurch kulturelle Angebote an die Stadtgesellschaft aufrechterhalten können.“
„Wir tun alles dafür, dass es keinen weiteren Kultur-Lockdown geben muss“, sagt auch Petra Olschowski (Die Grünen), Kunststaatssekretärin von Baden-Württemberg. Die neuen Regeln böten die Chance, die Kultureinrichtungen trotz der steigenden Infektionszahlen und der Auslastung des Gesundheitssystems offen zu halten, „und zwar in ganzer Breite, inklusive der Clubs“. Für die Veranstalter seien die Herausforderungen nun groß. Aber die Kulturpolitik bleibe mit Hilfsprogrammen ein verlässlicher Partner.