Mit der entspannteren Pandemielage geht der Blick weg von tagesaktuellen Werten – und hin zu den Atemwegserkrankungen.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Abgesehen von den aufregenden Tagen im Frühjahr 2020 war es noch nie sinnvoll, die Corona-Meldedaten für einzelne Tage zu verfolgen. Test- und Laborkapazitäten sind an Wochenenden geringer, viele Länder melden am Wochenende keine Werte mehr – und mit den extrem hohen Inzidenzen der Omikronwellen war die Aussagekraft einzelner Werte eingeschränkt. Die Nachkommastelle spielt keine Rolle, wenn sich wie im Januar sehr viele Menschen mit einem Virus infizieren.

Aus diesem Grund hat unsere Zeitung schon immer auf sieben Tage gemittelte Werte berichtet und neben der Inzidenz etwa die Zahl der an und mit Covid-19 Verstorbenen entsprechend berechnet. Im Januar hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) dann selbst vorgeschlagen, Pandemiedaten am besten nur einmal in der Woche zu betrachten. Außerdem sei neben der Inzidenz die Statistik zu den Atemwegserkrankungen relevant, um die Krankheitslast abzuschätzen, die von Corona-, aber eben auch Influenza- und anderen Viren ausgeht.

Inzidenz bleibt relevant

Dieser Normalisierung entsprechen wir bis auf Weiteres mit unserer Berichterstattung. Die aktuellen Daten finden Sie weiterhin täglich aktualisiert auf dieser Seite. Immer freitags blicken wir zudem im Corona-Wochenbericht auf die relevanten Kennziffern der Pandemie. Denn zu berichten gibt es weiter Vieles – etwa, dass der 7-Tage-R-Wert mittlerweile wieder bei fast 1 liegt.

Das ist ein anderer Ausdruck der Beobachtung, dass die Inzidenz nur noch langsam fällt, zuletzt auf 485 bestätigte Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Dieses Niveau dürfte kaum mehr jemand schocken, nachdem man auch Inzidenzen an die 2000 während der Omikronwellen überstanden hat.

Ein Wert ist schon wieder vorpandemisch normal

Dennoch wurden in dieser Zeit im Mittel rund 200 Todesfälle am Tag gemeldet, zuletzt noch knapp 150. Außerdem dürfte es für das Risikoempfinden zumindest älterer oder immungeschwächter Personen durchaus eine Rolle spielen, ob mindestens einer von 200 Mitmenschen infiziert ist (Inzidenz 500) oder ob sie einen quasi coronafreien Sommer wie 2021 genießen können, zumal ohne pandemiebedingte Einschränkungen.

Zumindest was die Atemwegserkrankungen angeht, ist der Sommer 2022 fast vorpandemisch. Das RKI schätzt anhand von Daten aus dem Meldesystem Grippeweb, dass vier Prozent aller Einwohner derzeit Beschwerden haben – in den vergangenen zwei Jahren waren es bedingt durch die Kontaktbeschränkungen weniger als halb so viele.