Coronahilfe in S-West Hilfe für Senioren bei der Impfanmeldung

Menschen über 80 können sich in Stuttgart  im Robert-Bosch-Krankenhaus gegen das Coronavirus impfen lassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Menschen über 80 können sich in Stuttgart im Robert-Bosch-Krankenhaus gegen das Coronavirus impfen lassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Verein „Zuhause leben“ will auf Anfrage für Senioren einen Impftermin ausmachen. Sie wollen älteren Menschen helfen, die damit Probleme haben, weil sie zum Beispiel nicht über Internet verfügen.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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S-West - Das Angebot verbreite sich erst seit einigen Tagen durch Mund-zu-Mund-Propaganda, erzählt die Vorsitzende des Vereins „Zuhause leben“ mit Sitz an der Rotebühlstraße, Gerda Mahmens. Doch erste Senioren hätten bereits um Hilfe bei der Anmeldung zu einer Coronaschutzimpfung gebeten. Ihr Verein ist in der ambulanten Pflege und in der Nachbarschaftshilfe aktiv. Nun geht er an die Öffentlichkeit mit einem Angebot, das aus Sicht von Mahmens auf Versäumnisse bei der Organisation der Impfungen reagiert.

Menschen über 80 gehören zur ersten Gruppe, die in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden soll. Anmeldungen und Terminvergaben erfolgen online oder telefonisch bei einer Hotline. „Es scheint niemand daran gedacht zu haben, dass es immer noch Senioren gibt, die kein Internet haben oder Mobiltelefon“, sagt Mahmens. Auch Angehörige, Nachbarn oder Freunde, die unterstützen könnten, hätten nicht alle älteren Menschen, fügt die Vereinsvorsitzende hinzu.

Die Ehrenamtler ihres Vereins wollen die Anmeldung auf der Internetseite für Senioren auf Anfrage übernehmen. „Sie halten dann auch Kontakt und rufen alle drei oder vier Tage bei den Senioren an, um sie auf den neuesten Stand zu bringen, ob ihr Termin nun bekannt ist“, sagt Mahmens. Es gehe auch darum, die sich überfordert fühlenden Senioren zu beruhigen. Sie beobachtet unter Klienten die Erwartung, dass Betroffene aus der Hochrisikogruppe für schwere Verläufe der Krankheit Covid 19 umgehend geimpft würden. „Es scheint wenigen klar zu sein, dass sich das auch für die Ältesten länger hinziehen wird“, sagt Mahmens. Sie attestiert der Politik Versäumnisse bei der Information der Senioren.

Anmeldungen erfolgen online

Mahmens berichtet auch davon, dass Senioren oft nicht wüssten, wie sie ein Impfzentrum erreichen sollen. Viele seien in der Mobilität eingeschränkt. „Andere wollen nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, weil sie das Übertragungsrisiko in geschlossenen Fahrabteilen fürchten“, sagt die Vereinsvorsitzende. Ihr Verein biete deshalb Senioren an, sie mit einem E-Mobil abzuholen und zur Impfung zur bringen und dann wieder nach Hause, erklärt Mahmens. Die Vereinsvorsitzende schätzt, dass die Ehrenamtlichen sich in den kommenden Wochen um maximal 100 Anfragen kümmern können. Sie kritisiert, dass die Bedürfnisse von Senioren, die nicht in Heimen, sondern zu Hause leben, bei der Planung der Impfungen zu wenig bedacht worden seien.

Seniorenbeauftragte kritisiert Verfahren

Renate Krausnick-Horst vom Stadtseniorenrat berichtet gleichfalls von Anrufern, die über kein Internet verfügen und sich deshalb nicht für eine Impfung anmelden könnten. „Offenbar wurde nicht beachtet, dass viele Senioren noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind. Ich finde es bedauerlich, dass bei einer solchen Frage wenig Verständnis für die Lebenswirklichkeit älterer Menschen gezeigt wurde“, sagt Krausnick-Horst.

Die Verantwortung für das Impfprogramm liege beim Land und Bund, erklärt Krausnick-Horst. „Das Anmeldungsverfahren ist in Bayern aber einfacher als bei uns“, moniert sie. Krausnick-Horst berichtet von einem wachsenden Unbehagen unter vielen Senioren. „Die Angst vor den Mutationen ist groß“, meint sie. Gleichzeitig empfänden viele das Anmeldungsverfahren für die Impfungen als kompliziert und hürdenreich.

Es fehlt noch an Impfstoff

Ein Sprecher des baden-württembergischen Sozialministeriums erklärt, dass das Land nicht über die logistischen Kapazitäten verfüge, um in der Mobilität eingeschränkte Senioren zu Impfzentren zu bringen. Er stellt klar, dass die Hotline bei der Impfanmeldung die Alternative für Senioren ohne Internet darstellt. „Ob und in welcher Form Menschen, die immobil sind, zu einem späteren Zeitpunkt zu Hause aufgesucht werden können, hängt davon ab, ob weitere Impfstoff-Produkte anderer Hersteller mit einer einfacheren Handhabung auf den Markt kommen“, teilt er mit.




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