Coronaknick Knapp 1000 Kinder weniger in den Stuttgarter Waldheimen

Spaß für Kinder und Betreuer: Das Foto stammt von einer Waldheimtour mit Vertretern aus Politik und Verwaltung. Foto: Oliver Willikonsky/Lichtgut

Die Nachfrage nach Betreuungsangeboten im Sommer hat sich seit der Pandemie noch nicht wieder vollständig erholt, viele Waldheime sind nicht ausgelastet. Spontane Anmeldungen sind trotzdem kaum möglich.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Für viele Kinder ist es die schönste Zeit des Jahres: keine Schule, keine Hausaufgaben, keine Klassenarbeiten. In Stuttgart können auch die meisten Eltern den kommenden Wochen entspannt entgegensehen. Denn ein Betreuungsproblem scheint es in der Landeshauptstadt dank zahlreicher Ferienangebote nicht zu geben.

 

Vor Corona war der Run auf die Waldheime groß, viele waren schnell ausgebucht. Um in der Kinderspielstadt Stutengarten einen Platz zu bekommen, mussten Eltern quasi mit der Freischaltung des Anmeldeportals am Rechner sein. Vor Einrichtungen, bei denen man seine Kinder an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit persönlich auf eine Liste schreiben musste, bildeten sich bereits vor der offiziellen Eröffnung der Anmeldung lange Warteschlangen.

Wer flexibel ist, findet eine Betreuung in der Nähe

Das war einmal, vieles hat sich mittlerweile geändert. Zwar war die Kinderspielstadt Möhrohausen der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft auch in diesem Jahr binnen einer Stunde überbucht, ebenso wie manch anderes besonders beliebtes Ferienangebot. Doch wer flexibel ist, findet für seinen Nachwuchs auch jetzt noch eine Betreuung in der Nähe. Nur wenige Waldheime sind ausgebucht. Zwar gelte die allgemeine Tendenz, dass die Anmeldezahlen seit Corona wieder deutlich steigen. Die Zahlen von 2019 seien in der Fläche aber noch nicht wieder erreicht, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer. Er leitet die Abteilung Jugend und Soziales bei der Evangelischen Kirche. Diese koordiniert nicht nur die evangelischen Waldheime in Stuttgart, sondern auch die katholischen und die der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

2019 besuchten etwa 8540 Kinder die Ferienwaldheime in Stuttgart in der Regel für zwei Wochen. 2020 sank die Zahl auf 4700 Mädchen und Jungen. Von 2022 an erholten sich die Zahlen wieder. 2023 besuchten etwa 7050 Kinder die Ferienwaldheime, in diesem Jahr werden es circa 7600 sein. Für sie werden etwa 1040 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer im Einsatz sein. Dies sind etwas weniger als im vergangenen Jahr. „In einigen Waldheimen sind noch nicht genügend ehrenamtliche Mitarbeitende gefunden, sodass Kinder sich noch auf der Warteliste befinden“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer.

Die Pandemie sei vorbei, sie wirke aber immer noch nach, sagt auch Michael Guntermann. Der Sozialpädagoge ist seit 13 Jahren verantwortlich für die acht katholischen Waldheime und erklärt: „Seit Corona haben wir insgesamt weniger Anmeldungen. Wir kommen nicht mehr auf das Vor-Corona-Niveau.“ Ursache sei, dass es mit der Pandemie einen Schnitt gegeben habe. Zudem gebe es mehr Ferienbetreuungen an Schulen, etwa durch den Ausbau der Ganztagsschulen. Michael Guntermann findet aber: „Zum Stuttgarter Sommer gehört mindestens eine Woche Waldheim.“ Er freue sich schon auf die drei Wochen im Schmellbachtal-Waldheim , das er leiten wird. „Ich habe es als Kind geliebt, ins Waldheim zu gehen – und bin bis heute ein großer Fan“, so der 52-Jährige.

Mal gibt es eine Wasserschlacht, mal wird selbst Eis hergestellt

Den Coronaknick spürt auch Jens Kraske. In das Schülercafé Alberta in Riedenberg würden in den Ferien nur noch zehn bis 15 Kinder kommen, sagt der Leiter der Einrichtung. Das habe aber den Vorteil, dass er schöne Angebote für eine kleine Gruppe machen könne. So habe er einen direkten Kontakt zu den Kindern und könne ihnen viele tolle Erlebnisse bescheren. „In den Ferien darf es auch mal ein bisschen ruhiger zugehen“, findet Jens Kraske: Mal gibt es eine Wasserschlacht, mal wird selbst Eis hergestellt. Er empfinde die Waldheime auch nicht als Konkurrenz, sagt Jens Kraske. Ganz im Gegenteil: „Unsere Angebote ergänzen sich.“

Zudem ist in den Waldheimen jetzt nur noch in Ausnahmefällen ein Platz zu bekommen, obwohl die meisten nicht voll ausgelastet sind. Der Grund ist, dass die großen Ferienbetreuungen mehr Vorlauf brauchen, die Planungen nun abgeschlossen und die Materialien gekauft sind. Im Gegensatz dazu haben die Jugendhäuser und auch die Jugendfarmen und Abenteuerspielplätze häufig die Möglichkeit, flexibler zu reagieren. Dort können die Kinder in aller Regel auch ganz spontan ohne jede Anmeldung aufkreuzen.

Weitere Themen