Stuttgart - In Stuttgart sind erneut Bauarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das hat der Sprecher der Stadtverwaltung, Sven Matis, am Wochenende auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Am Freitagnachmittag waren Anwohnern erneut ein Bus der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) AG und Menschen in Ganzkörperschutzkleidung vor einem Arbeiterwohnheim in der Neckarstraße im Osten aufgefallen.
Matis bestätigte den Vorfall und teilte mit, insgesamt seien 46 Bauarbeiter in eine Schutz-Unterkunft gebracht worden. Drei von ihnen seien positiv getestet worden, die anderen sollen Kontakt zu den Infizierten gehabt haben. Der Großteil der Arbeiter sei zuvor in der Neckarstraße untergebracht gewesen, der Rest in einer zweiten Unterkunft. Der Stadtsprecher betonte ausdrücklich, die betroffenen Personen hätten nicht am Hauptbahnhof oder einer zu den dazugehörigen Stuttgart-21-Baustellen gearbeitet. Ein Kontakt zu S-21-Bauarbeitern könne das Gesundheitsamt allerdings auch nicht ausschließen.
Seit April 30 infizierte Bauarbeiter
Mittlerweile hat sich die Gesamtzahl der mit dem Coronavirus infizierten Bauarbeiter in Stutttgart auf 30 erhöht. Mitte April war erstmals bekannt geworden, dass sich sechs türkische Eisenflechter, die im Cannstatter Bahntunnel arbeiten, infiziert hatten. Insgesamt 98 Beschäftigte mussten daraufhin zwei Wochen in ihren Wohncontainern in Quarantäne. Kurz darauf waren 24 Arbeiter aus einem Wohnheim der S-21-Baustelle in eine von der Stadt angemietete Schutzunterkunft gebracht und dort isoliert worden. Sie hatten Kontakt mit 19 Infizierten, die anderswo untergebracht wurden; zudem waren zwei Fälle separat beim Gesundheitsamt registriert worden.
Bisher insgesamt 57 Corona-Tote in Stuttgart
In Stuttgart sind bis Samstag laut Stadtverwaltung insgesamt 1428 Infektionen (plus neun gegenüber den Vortag) mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind 49 mehr als im Vergleich zu vor sieben Tagen. Davon gelten 1304 Personen als genesen (plus zwei gegenüber dem Vortag). 57 Personen sind bisher mit einer festgestellten Corona-Infektion verstorben (unverändert gegenüber dem Vortag).
Zuständig für die Gewerbeaufsicht in den Bahntunnels ist das Landesbergamt Freiburg, für die oberirdischen Baustellen beim Projekt Stuttgart 21 die Abteilung Gewerbeaufsicht des Umweltamts. Entsprechend den Empfehlungen des Landeswirtschaftsministeriums zur Vermeidung eines erhöhten Infektionsrisikos und unnötiger Kontakte wird seit Ende März die Überwachung von Baustellen und den dazugehörigen Wohnunterkünften nur noch „anlassbezogen und in reduziertem Umfang“ vorgenommen.
Kontrolleure bearbeiten Fälle am Schreibtisch
Wenn möglich erfolgt eine Bearbeitung mittels Telefon oder Mail,um die Kontrolleure vor Ansteckung zu schützen. Das Landesbergamt war im April erst durch eine Berichterstattung unserer Zeitung auf die ersten Infektionen aufmerksam geworden. Die Behörde habe unter anderem keinen Anlass für Vor-Kontrollen gegeben, weil sich keiner der türkischen Bauarbeiter in Freiburg gemeldet und sich beschwert habe.