Coronakrise in der Kultur Kurzarbeit am Staatstheater auch in der kommenden Saison

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Um durch die Coronakrise verlorene Einnahmen auszugleichen, also Geld zu sparen, gehen ab sofort alle Sparten des Staatstheaters Stuttgart in Kurzarbeit. Das wird auch Auswirkungen auf die kommende Saison haben – höhere Zuschüsse stellt das Land jedenfalls nicht in Aussicht.

Die vier Staatstheater-Intendanten (von links) Tamas Detrich (Ballett), Burkhard C. Kosminski (Schauspiel), Marc-Oliver Hendriks (Geschäftsführer) und Viktor Schoner (Oper). Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Die vier Staatstheater-Intendanten (von links) Tamas Detrich (Ballett), Burkhard C. Kosminski (Schauspiel), Marc-Oliver Hendriks (Geschäftsführer) und Viktor Schoner (Oper). Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Stuttgart - Wenigstens eine gute Nachricht gab es am Montag aus dem Staatstheater Stuttgart: Das Stuttgarter Ballett tanzt, die Premiere des Ballettabends am 25. Juli im Opernhaus ist trotz Kurzarbeit gesichert und die Live-Übertragung auf die Leinwand des Kulturwasens findet statt. Letztere ist übrigens seit Tagen komplett ausverkauft; wobei „ausverkauft“ das falsche Wort ist, denn alle Tickets sind dank des Engagements der Porsche AG ja kostenlos.

Am Freitag hatte die Schauspielsparte mitgeteilt, dass wegen kurzfristig angemeldeter Kurzarbeit der Staatstheater fast alle noch verbleibenden Vorstellungen bis Ende Juli ersatzlos entfallen. Vivien Arnold, Sprecherin des Stuttgarter Balletts, berichtete nun am Montag dieser Zeitung, dass die Tänzer zwar tatsächlich von diesem Dienstag an bis zum Wochenende wegen Kurzarbeit ihren Dienst aussetzen, dass aber für den Ballettabend „Response I“ alle nötigen Proben und auch die technischen Einrichtungen bereits weit vorangeschritten seien. „Wir können zum Glück sowohl die Premiere am 25. Juli als auch die beiden Vorstellungen am 26. Juli im Opernhaus ohne Qualitätseinbußen im Programm halten“.

Gewerkschaft Verdi wehrt sich

Ob sich am Vorstellungsplan der Oper etwas ändert, war bis Redaktionsschluss noch nicht vollständig klar. Im Angebot sind derzeit bis zum 26. Juli noch zweimal die „Wagner-Demo“, diverse Beethoven-Konzerte des Staatsorchesters mit Cornelius Meister im Beethovensaal und zwei Liederabende im Mozartsaal. „Wir versuchen, möglichst viel davon zu halten“, betonte Johannes Lachermeier, der Sprecher der Staatsoper. Allerdings werde auch in seiner Sparte mit Kurzarbeit noch in dieser Woche begonnen. „Nach der Wagner-Demo am Donnerstag geht der Staatsopernchor nach Hause“.

Hanna Binder von der Gewerkschaft Verdi wehrte sich derweil gegen die Darstellung des Theaters, die Kurzarbeit müsse wegen des erfolgten Tarifabschlusses eingeführt werden: „Es ist doch nicht der Tarifvertrag, der zu den Einschränkungen und Absagen führt, sondern Corona. Wenn das Land keine höheren Zuschüsse gibt, um den Spielbetrieb auch mit weniger Zuschauern zu ermöglichen, bleibt nur, auch den Spielbetrieb zu reduzieren.“

Ministerium: Staatstheater haben „freie Rücklagen“

Nach offenbar längeren Gesprächen mit der Intendanz gab es am späten Nachmittag eine Stellungnahme des Kunstministeriums. Diese wies auf die vergleichsweise sehr gute und sichere finanzielle Ausstattung der Württembergischen Staatstheater hin: Die Zuschüsse blieben im laufenden und im kommenden Haushaltsjahr ungekürzt, „trotz Einschränkungen im Spielbetrieb“. Zudem verfügten die Staatstheater „anders als die meisten anderen Kultureinrichtungen“ über „freie Rücklagen“, die nach dem Willen von Land und Stadt dafür eingesetzt werden sollen, Corona-bedingte Minderungen bei den Einnahmen „zu kompensieren“.

Das Ministerium hat nun die Intendanz beauftragt, bis zur nächsten Verwaltungsratssitzung am 20. Juli einen Vorschlag vorzulegen, „wie sie unter den Rahmenbedingungen von Corona die kommende Spielzeit künstlerisch und betrieblich gestalten wollen“, und zwar auch mit dem neuen Instrument der Kurzarbeit – das im Übrigen ja auf Wunsch auch des Staatstheaters ausgehandelt worden sei. Damit ist deutlich, dass dieses auch bis weit in die kommende Saison hinein praktiziert werden soll.

Mehr Geld für die Staatstheater, weil wegen Corona lange Zeit gar nicht und dann nur vor wenig Publikum gespielt wurde und so fest eingeplante Einnahmen wegbrachen? Das stellt das Ministerium noch nicht mal von fern in Aussicht.

Schauspielchef Kosminski setzt auf Gespräche

Am frühen Abend meldete sich dann jener Intendant zu Wort, der mit seinen Vorstellungsabsagen am Freitag überhaupt den Stein ins Rollen gebracht hatte, Schauspielchef Burkhard C. Kosminski. Er schickte folgende Stellungnahme:„Ich bedauere sehr, dass wir als Schauspiel einige der geplanten Vorstellungen der letzten zweieinhalb Wochen der Spielzeit 2019/20 absagen mussten, vor allem so kurzfristig. Die Corona-Schutzmaßnahmen haben zu einer drastischen Einschränkung der Zuschauerkapazitäten und damit der Einnahmen der Staatstheater geführt. Seit wenigen Tagen gibt es nun auch an den Staatstheatern die Möglichkeit, Kurzarbeit einzuführen, und so größeren wirtschaftlichen Schaden für das Haus zu minimieren. Als Intendant bin ich nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich für die Schauspielsparte verantwortlich und halte es für richtig, in dieser Lage das Mittel der Kurzarbeit einzusetzen.“

Die beiden letzten Premieren in dieser Spielzeit, „Black Box. Phantomtheater für 1 Person“ von Rimini Protokoll und „Die Nacht kurz vor den Wäldern“ von Bernard-Marie Koltès würden aber auf jeden Fall noch stattfinden und gleich zu Beginn der kommenden Saison wieder zu sehen sein. Im übrigen setzt Kosminski auf weitere Gespräche: „Ich möchte betonen, dass wir derzeit konstruktive und gute Gespräche mit unserem Träger, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, führen und gemeinsam einen Weg suchen, wie wir mit der Situation umgehen – sowohl mit Blick auf diese als auch insbesondere hinsichtlich der kommenden Spielzeit 2020/21.“




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