Coronakrise in Stuttgart Stadt sieht noch kein „Hamsterproblem“

Von Thomas Braun 

Stuttgart will Hamsterkäufe vorerst nicht verbieten. Große Lebensmittelmärkte beschränken mittlerweile bei Bedarf die Warenmenge pro Person selbst. Zudem stehen mancherorts Security-Mitarbeiter bereit, falls der Wettlauf um Mehl oder Klopapier doch mal eskaliert.

Mehl ist neben Klopapier eine begehrte Hamsterware. Foto: 7aktuell/Nils Reeh
Mehl ist neben Klopapier eine begehrte Hamsterware. Foto: 7aktuell/Nils Reeh

Stuttgart - Das hessische Hanau hat es vorgemacht, Frankfurt sowie einige kleinere Kommunen in Nordrhein-Westfalen zogen nach: Dort sind Hamsterkäufe über die „haushaltsübliche Menge hinaus“ von den kommunalen Behörden verboten worden. Obwohl wegen der Corona-Krise auch in vielen Stuttgarter Supermärkten und Discountern bei manchen Kunden ein ähnliches Hamsterverhalten zu beobachten ist, will die Rathausspitze dem Beispiel erst einmal nicht folgen.

„Wir hatten dazu bisher noch keine klare Lageeinschätzung und wollten nicht einfach Hanau hinterherlaufen“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) gegenüber unserer Zeitung. Die Situation entwickle sich aber dynamisch, die Stadt sei auf alles vorbereitet. Bisher sei ihm von Hilferufen aus überlasteten Lebensmittelgeschäften oder Drogeriemärkten nichts bekannt.

Die Definition des Hamsterkäufers ist schwierig

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass es im Einzelfall schwierig sein dürfte, den Begriff Hamsterkauf zu definieren. So berichten Augenzeugen etwa davon, dass Eltern „kiloweise“ Babynahrung horten. Auf skeptische Nachfragen an der Kasse geben sie an, sie müssten gleich fünf Kinder versorgen oder sie hätten für die Familie in der Nachbarschaft mit eingekauft. Nachprüfen lässt sich das in der aktuellen Situation nicht. Ähnliches gilt für das offenbar in Deutschland besonders begehrte Toilettenpapier. Da zurzeit viele Bürger etwa den Einkauf für ältere Nachbarn mit übernehmen, sind dann schon mal ein paar Pakete mehr im Einkaufswagen als üblich. Ob die Ware wirklich bei den Nachbarn ankommt oder gebunkert wird, bleibt aber in vielen Fällen offen.

Supermarkt-Ketten sehen „leichte Entspannung“ der Lage

Viele Super- und Drogeriemärkte haben inzwischen selbst die Initiative ergriffen und weisen Kunden per Aushang auf die Mengenbeschränkung pro Einkauf hin. Rewe etwa teilt auf Anfrage mit, man könne sowohl durch Einlasskontrollen als auch durch die Beschränkung der Anzahl der Einkaufswagen und -körbe auf den Kundenzustrom reagieren. Es gebe aber „für unsere Märkte keine grundsätzliche Weisung, die die Abgabe von Lebensmitteln neu regelt“. Aldi Süd lässt wissen, man beobachte derzeit „eine leichte Entspannung in unseren Filialen“. Die Kunden gingen mittlerweile „rationaler und sensibler“ mit der Situation um. Die Versorgungslage sei gesichert, für Hamsterkäufe gebe es keinen Anlass. Dennoch könne es passieren, dass mancherorts nur eine bestimmte Zahl an Artikeln ausgegeben werde.

Die meisten Märkte auch in Stuttgart haben mittlerweile Security-Mitarbeiter engagiert, um auf renitente Kunden gegebenenfalls reagieren zu können.




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