Bekämpfung der Corona-Pandemie Start-up forscht an erschwinglichen Medikamenten für Infizierte

Im Labor von Eisbach Bio forschen Mitarbeiter an Medizin gegen Corona. Foto: Eisbach Bio/

Das Start-up Eisbach Bio erhält vom Bundesforschungsministerium acht Millionen Euro, um ein erschwingliches Medikament für Infizierte auf den Markt zu bringen.

München - Die Förderkriterien waren streng. Nur solche Kandidaten erhielten Geld, die rasch produzieren und mit Tests an Menschen beginnen können. Die Rede ist von Medikamenten für Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. „Wir haben den Förderbescheid jetzt bekommen“, freut sich Adrian Schomburg. Er ist Mitgründer des Biotech-Start-ups Eisbach Bio aus Martinsried bei München. Mit acht Millionen Euro wird es nun vom Bundesforschungsministerium gefördert. Die Summe klingt gering gemessen an Geldern, die sonst zur Bekämpfung der Pandemie fließen. „Aber damit übernimmt der Bund 80 Prozent unserer Entwicklungskosten“, sagt der 38-jährige Molekularbiologe.

 

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Seit Februar 2020 forscht Eisbach Bio an einem Medikament, das Coronaviren im Körper von Erkrankten bekämpft, und ist dabei schnell ziemlich weit gekommen. Tiertests wurden erfolgreich absolviert. „Wir können jetzt mit der klinischen Phase und Tests an Menschen beginnen“, so Schomburg. In Phase I wird EIS-10700, wie der Hoffnungsträger erst einmal heißt, Gesunden verabreicht, um die Nebenwirkungen zu prüfen. Bei Tieren gab es die nicht. Bleiben sie auch bei Menschen aus, folgt die klinische Phase II, in der die Wirksamkeit an Infizierten geprüft wird.

Arznei soll frei von Nebenwirkungen sein

„Wenn alles glatt läuft, könnten wir Mitte bis Ende 2022 mit der Produktion beginnen“, sagt Schomburg. Die Wahrscheinlichkeit dafür taxiert er auf über 50 Prozent und hält das für eher pessimistisch. „Wir sind entschlossen, ein nachhaltiges Medikament mit einem Sicherheitsprofil zu liefern, das jedem, der positiv auf Sars-CoV-2 getestet wird, die Einnahme dieses Medikaments ermöglichen sollte“, gibt Eisbach-Bio-Mitgründer Andreas Ladurner das ehrgeizige Ziel vor. Die Arznei soll praktisch frei von Nebenwirkungen und kostengünstig sein, meint der Biochemiker damit. Das sind bislang unerreichte Kriterien, speziell was den Preis betrifft.

Die wenigen wirksamen Medikamente, die es wie Tocilizumab vom Schweizer Roche-Konzern schon gibt, sind für viele Menschen zu teuer. In den USA kostet eine Dosis 3625 Dollar, in einem armen Land wie Indien immer noch 646 Dollar, kritisiert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat es als eines von bislang nur zwei Medikamenten zur Bekämpfung schwerer Corona-Erkrankungen empfohlen. Die für Tocilizumab verlangten Preise seien in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen aber praktisch nicht bezahlbar, rügt Ärzte ohne Grenzen. „Dabei könnte Tocilizumab für die Behandlung von Menschen mit kritischen und schweren Covid-Verläufen unentbehrlich werden und dabei den Bedarf an Beatmungsgeräten und medizinischem Sauerstoff reduzieren“, sagt Julien Potet im Namen der Hilfsorganisation. Sie fordert Roche deshalb zu Preissenkungen auf.

Einsatz vor allem in ärmeren Ländern

In Deutschland kostet eine Dosis Tocilizumab 1873 Euro, weiß Schomburg. Er ist sich des Dilemmas bewusst. Aber die Entwicklungskosten bei einem Großkonzern wie Hoffman-La Roche seien hoch, die Produktion von Tocilizumab sei weit kostspieliger als bei EIS-10700. Zum Profitstreben bei den Schweizern will er nichts sagen.

Eisbach Bio hat zwölf Beschäftigte, die Produktion des eigenen Coronamedikaments käme billig. „Unsere Tabletten sind einfach herzustellen, und eine einwöchige Behandlung kostet unter 100 Euro“, sagt Schomburg. Gedacht seien sie primär für Erkrankte im Frühstadium und hätten das Potenzial, Coronasymptome so zu mildern, dass es kaum noch Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gibt. Wegen der Wirkweise des Medikaments könne es wohl auch Mutationen zuverlässiger bekämpfen als Impfstoffe, schätzt Schomburg. „Außerdem haben wir noch zwei weitere Eisen im Feuer“, erklärt der Gründer. Zwei zusätzliche Wirkstoffvarianten sind in Arbeit, heißt das. Läuft alles nach Plan, könnten nächstes Jahr zum Beispiel erkrankte Impfverweigerer hierzulande mit den Tabletten von Eisbach Bio behandelt werden. Für den Fall, dass Mutationen einmal Impfstoffe wirkungslos machen, hätte man etwas in der Hinterhand.

Vor allem aber wünscht Schomburg sich den Einsatz in armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Erst aber muss EIS-10700 sich in Tests bewähren.

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