Seit Beginn der Pandemie müssen Kinobetreiber um ihre Kunden kämpfen – und gegen rückläufige Besucherzahlen. So auch die Fitnessstudios, die viel in ihr Hygienekonzept investiert haben.
Altkreis Leonberg - Empört über das Regel-Chaos, das von der Landesregierung Anfang dieser Woche produziert wurde, ist Lazo Tanakopoulos, der Inhaber des Leonberger Plaza-Sportsclub. „Ein Desaster in dieser Art und Weise hätte in jedem Unternehmen Konsequenzen gehabt, in der Politik aber nicht“, kritisiert Lazo Tanakopoulos. Dennoch ist er froh, dass schließlich die Test-Ausnahme der 2G-plus-Regel auf Geimpfte und Genesene, deren Impfung beziehungsweise Erkrankung weniger als sechs Monate zurückliegt, erweitert wurde.
Desaster hätte in jedem Unternehmen Konsequenzen
Die Corona-Maßnahmen halten den Inhaber des Plaza-Sportsclub weiterhin ganz schön auf Trab. Ungeimpfte dürfen beispielsweise nicht mehr kommen. „Ich versuche, Frust herauszunehmen, indem ich den Mitgliedern entgegenkomme und ihre Verträge ruhen lasse. Ich möchte sie ja nicht verlieren, manche sind schon 20 Jahre dabei.“ Bei anderen sei die Immunisierung ein halbes Jahr her, ihnen fehle aber noch die Booster-Impfung. Daher benötigen sie einen Test. „Den bekommen sie entweder zum Selbstkostenpreis im Plaza – samt eines Shakes. Oder der Kunde bringt ihn selbst mit und testet vor Ort.“ Tanakopoulos‘ Wunsch, vor seinem Fitnessstudio eine Teststation mit einem externen Anbieter zu eröffnen, wurde vom Gesundheitsamt nicht gestattet. „Mit der Begründung, dass es in Leonberg schon genügend gibt“, sagt der Club-Chef und ist enttäuscht über diese Absage.
Kunden warten erst mal ab
Schwer sei es für ihn derzeit, neue Mitglieder zu gewinnen. „Da ist die Verunsicherung zu groß, die Leute wollen erst einmal abwarten.“ Schon zu Beginn der Pandemie hat der Plaza-Chef alle Maßnahmen umgesetzt, die erforderlich waren. In den Kursen reduzierte er beispielsweise die Zahl der Teilnehmer, die Maskenpflicht gilt auch in den Umkleideräumen.
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Im Gerlinger Fitnessstudio Point sind derzeit 70 Prozent der insgesamt knapp 4000 Mitglieder aktiv. „Sie fühlen sich wohl und sicher, weil wir eine große Fläche haben, auf der sich alles gut verteilt“, sagt Claudia Schölkopf, die Marketing-Leiterin. Auch die Stimmung sei gut, „weil alle froh sind, dass sie zum Training kommen können“. Den Mitgliedern bietet das Point an, ihren Vertrag stillzulegen. „Wir wollen sie ja nicht verlieren“, sagt Claudia Schölkopf.
Auch das Gerlinger Fitnessstudio hat beim Gesundheitsamt in Ludwigsburg eine Teststation beantragt. „Eine Antwort haben wir noch nicht bekommen. Ich hoffe, dass die Genehmigung noch kommt, damit wir unseren Mitgliedern diesen Service auch vor Ort bieten können“, sagt die Marketing-Chefin.
Panik-Kündigungen zu Beginn der Pandemie
Vor drei Jahren hat Sybille Klosterberg-Fechner in der Renninger Bahnhofstraße ihr eigenes kleines Ladycircle-Fitness eröffnet. „Ich habe überwiegend Kundinnen im gehobenen Durchschnittsalter, die meisten haben sich impfen lassen, und sie sind alle sehr verantwortungsbewusst“, sagt die Warmbronnerin, die natürlich auch ein passendes Hygienekonzept vorweisen muss. Froh war sie allerdings, als die Landesregierung Anfang dieser Woche die 2G-plus-Regel korrigierte. Bereits die Zeit des ersten Lockdowns im März sei nicht einfach gewesen. „Ich hatte einige Panik-Kündigungen, konnte das aber im Sommer wieder aufbauen. Allerdings habe ich das Glück, dass ich finanziell nicht von meinem Studio abhängig bin“, sagt Sybille Klosterberg-Fechner.
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Die Zeit ohne Sport im gewohnten Fitnessstudio habe ihren Kundinnen allerdings auch eines gezeigt: „Wie wichtig Bewegung ist. Einige hatten Schmerzen, weil sie in dieser Zeit nichts gemacht haben, manche sind gestürzt, weil ihnen das Koordinationstraining fehlte“, sagt Sybille Klosterberg-Fechner, die unter anderem auch Reha-Sport in ihren Räumen anbietet. „Unser Studio hat sich mittlerweile als Nische herumgesprochen, wir haben hier eine sehr nette Atmosphäre. Eine Betreuung ist immer gewährleistet, und man muss auch nicht super gestylt kommen“, sagt die Inhaberin.
Besucherzahlen tendieren Richtung Null
Keine leichte Zeit haben auch die Kinobetreiber. „Als letztes Wochenende bekannt wurde, dass die 2G-plus-Regel eingeführt wird, war das für uns der Todesstoß, die Besucherzahlen tendierten Richtung Null“, sagt Wolfgang Mareczek vom Kino-Center in Weil der Stadt. „Von einem wirtschaftlichen Betrieb kann keine Rede mehr sein“, meint der 70-Jährige, der seine Kosten glücklicherweise minimieren kann, weil er keine Pacht zahlen muss. Seit Corona hat er dienstags bis donnerstags Ruhetage. „In dieser Woche habe ich das Abendprogramm komplett gestrichen und nur mittags für Kinder Filme gezeigt.“
Vorvergangene Woche zählte er in seinen drei Kinos vier Besucher. „Das Problem ist auch, dass die Verleiher ihre Filme wieder aus dem Programm nehmen. Neustarts werden verschoben, damit werden auch in großen Kinos die Ruhetage mehr“, weiß Wolfgang Mareczek von einigen seiner Kollegen.
Vorverkauf für Spider-Man ist angelaufen
Marius Lochmann, der Chef des Traumpalastes in Leonberg, musste kurz schlucken, als die 2G-plus-Regel auch für die Geimpften und Genesenen hätte gelten sollen. „Das wäre ein großer Schock gewesen, denn ich glaube nicht, dass viele den Aufwand betreiben würden, sich für einen Kino-Besuch extra testen zu lassen.“ 19 Millionen Euro hat er in das Imax-Kino mit der überdimensionalen Leinwand investiert. „Da muss ich natürlich Geld verdienen, aber ich kann die Situation auch nicht ändern.“
Sein coronabedingter Kundenrückgang liegt bei 80 Prozent. „Das wird jetzt wieder besser, wenn Spider-Man gezeigt wird. Da erhoffe ich mir richtig gute Zahlen“, sagt Marius Lochmann. Der Vorverkauf für den Film sei angelaufen. Einen ähnlichen Schub erhofft er sich dann von Matrix, der ebenfalls bald in die Kinos kommt.