Coronapandemie in der Region Stuttgart Fahrgasteinbruch im VVS

Über dem Nahverkehr hängen wegen der Coronapandemie dunkle Wolken. Die Zahl der Fahrgäste ist stark zurückgegangen, die Einnahmen sind eingebrochen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Über dem Nahverkehr hängen wegen der Coronapandemie dunkle Wolken. Die Zahl der Fahrgäste ist stark zurückgegangen, die Einnahmen sind eingebrochen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Um rund 40 Prozent liegt die Fahrgastzahl im Verkehrsverbund im Juni unter der vor Corona. Wer ein VVS-Abo hat, erhält für die Sommerferien ein Bonbon: Er kann dann nicht nur im Verbundgebiet fahren.

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Stuttgart. - Die Coronapandemie hinterlässt weiterhin tiefe Bremsspuren beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Für 2020 hatte er die neue Bestmarke von 400 Millionen Fahrten im Blick gehabt, wegen der Pandemie gab es einen Absturz auf 240 Millionen. Im April 2020 sei das Fahrgastaufkommen auf 20 Prozent des Normalniveaus gefallen, bis im Herbst dann auf 70 Prozent gestiegen. Nach dem weiteren Lockdown habe man im April 2021 wieder 50 und bis Juni 2021 nun 60 Prozent des Aufkommens erreicht, so VVS-Geschäftsführer Horst Stammler vor dem Verkehrsausschuss des Regionalverbands.

Durch geschlossene Läden, Gastronomie und Homeoffice seien auch Abokunden abgesprungen. Insgesamt habe man zum Höchststand von März 2020 rund 16 Prozent Abokunden verloren, bei den Firmentickets 19 Prozent. Je mehr Zonen der Kunde beim nicht bezuschussten Firmenticket zur Arbeit durchfahren musste, desto eher entschloss er sich zur Kündigung. Ab fünf Zonen gaben 46,5 Prozent es zurück, bei vier und drei Zonen 46 und 44, bei zwei Zonen 35, bei einer 24 Prozent.

Tarifreform brachte neue Fahrgäste

Vor Corona hatte die Tarifreform mit der drastischen Reduzierung der Zonenzahl bis Februar 2020 für ein Plus von 12,5 Prozent auf knapp 96 000 Firmentickets geführt. Die Zahl der Abos war um 7,6 Prozent auf rund 230 000 gewachsen, pro Werktag hatte der VVS 42 000 zusätzliche Fahrten gezählt.

In normalen Zeiten liegen die Fahrgeldeinnahmen bei 550 Millionen Euro pro Jahr. Bund und Land haben Rettungsschirme über den Verkehrsunternehmen gespannt, die Verluste – beim VVS 2020 rund 110 Millionen – großteils ausgleichen. Stammler sieht „erhebliche finanzielle Risiken“ für 2022 und 2023, auch wenn die Talsohle nach dem Sommer durchschritten sein sollte. Er befürchtet, dass dann Land und Kommunen allein als Ausfallbürgen bereitstehen müssen. 20 Prozent weniger Fahrgäste bedeuteten den Verlust eines dreistelligen Millionenbetrages. Bis Ende April 2021 fehlten dem VVS bereits 47 Millionen Euro an Einnahmen.

Viele Wünsche – aber kein Geld

Stammler ist grundsätzlich Optimist. „84 Prozent unserer Kunden sind im Abo geblieben, das ist ein guter Wert“, sagte er. Dafür gibt es ein Bonbon: Im Sommer könne jeder Abonnent sechs Wochen lang in ganz Baden-Württemberg den Nahverkehr nutzen, sagte er auf Nachfrage, und wer bis Oktober ins Abo einsteigt, erhält einen Freimonat. Kommende Woche und im November wollen die VVS-Gesellschafter über Tarife sprechen – auch über Preiserhöhungen ab 2022. Die Fraktionen in der Regionalversammlung haben Verbesserungswünsche vorgelegt. SPD, Grüne und Linke/Pirat den für ein 365-Euro-Ticket für bestimmte Gruppen oder alle Kunden. Stammler zeigt sich dazu skeptisch: „Das kostet uns 150 Millionen Euro im Jahr, ohne Landes- oder Bundeshilfe schaffen wir das nicht.“




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