Corona im Rems-Murr-Kreis Testpflicht: Für manche wird’s jetzt teuer

Auch wenn das Angebot nicht mehr – wie auf dem Aufdruck noch zu lesen – gratis ist, die Testbusse sind weiter im Einsatz. Foto: Gottfried Stoppel

Die Zeiten von Gratis-Coronatests sind vorbei. Die Regelung trifft einige Menschen hart – egal, ob sie geimpft sind oder nicht. Einige Beispiele aus dem Rems-Murr-Kreis.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Rems-Murr-Kreis - Am vergangenen Wochenende, vor allem am Sonntag, war an den Teststationen, die von dem Apotheker Patrick Pfeifer und weiteren Familienangehörigen im Rems-Murr-Kreis aktuell und auch künftig betrieben werden, noch mal ordentlich was los. Der Grund dafür liegt nahe: Seit Montag übernimmt der Bund die Kosten für Corona-Schnelltests für Erwachsene nicht mehr. Für all jene, die nicht geimpft oder genesen sind, brechen damit teure Zeiten an, wenn sie einen Nachweis brauchen, zum Beispiel für einen Kino- oder Restaurantbesuch.

 

Die Nachfrage in der ersten Woche ist eher verhalten

„Rückblickend auf die erste Woche ohne Gratistests kann man sagen, dass die Nachfrage verhalten war. Viele kommen und sind unsicher, ob sie weiterhin für einen Gratistest berechtigt sind“, sagt Patrick Pfeifer. In seiner Apotheke in Waiblingen, im Bürgerzentrum Waiblingen sowie in den Testbussen seiner Brüder in Waiblingen und Schorndorf und der Fellbacher Apotheke seines Vaters werden 15 Euro pro Test fällig.

Doch die Gebühr, die künftig selbst bezahlt werden muss, gilt längst nicht für alle: Minderjährige, Schwangere und Stillende sind zum Beispiel ausgenommen. Schwangere bis zum 31. Dezember, da es die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) erst seit dem 10. September gibt. Danach können sich Schwangere im ersten Drittel weiter gratis testen, denn für sie hat die Stiko keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen. Für Stillende gilt die Befreiung für die Kosten jedoch nur bis zum 10. Dezember.

Bei Schwangeren und Stillenden reicht als Nachweis der Mutterpass

Als Nachweis gilt hier oft der Personalausweis oder der Mutterpass. Darüber hinaus besteht laut der Website des Sozialministeriums Baden-Württemberg für Arbeitgeber weiterhin die Pflicht, Tests anzubieten. Und auch für Besucher von Krankenhäusern und Seniorenheimen gibt es Ausnahmen. Zudem sind Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können oder in den letzten drei Monaten nicht geimpft werden konnten, befreit.

Weiter können sich Personen kostenlos testen lassen, wenn sie in Quarantäne waren und der Test für das Quarantäne-Ende nötig ist. Auch Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium hier aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Stoffen geimpft wurden, können sich bis Ende des Jahres kostenlos testen lassen.

Obwohl er herzkrank ist, hat ein 53-Jähriger kein Attest und muss zahlen

Der Mann, der seit kurzem 53 Jahre alt ist, in Waiblingen wohnt und nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen möchte, müsste eigentlich in die Kategorie ärztliches Attest fallen. Denn er ist nicht ohne Coronaimpfung, weil er die Krankheit verleugnet oder gegen Impfungen im Allgemeinen ist – im Gegenteil. Als technischer Mitarbeiter in einer Abwasserbeseitigungsanlage hat er mehr Impfungen als manch anderer. „Wir müssen wegen des Jobs zum Beispiel gegen Hepatitis geimpft sein.“ Gegen das Coronavirus möchte er sich nicht impfen lassen, weil er herzkrank ist und Angst vor möglichen Impfnebenwirkungen hat, die zusätzlich auf sein Herz gehen könnten.

Weil ihm der Arzt die Impfung trotzdem empfohlen hat und kein Attest ausstellen möchte, muss sich der 53-Jährige künftig kostenpflichtig testen lassen und ist jetzt schon genervt: „Kino- oder Restaurantbesuche sind bei uns nicht sooft der Fall, aber für einen anstehenden Urlaub muss ich mich jetzt sogar mehrmals testen lassen. Zu Beginn und dann in regelmäßigen Abständen.“

Die Testzahlen sind stark eingebrochen

So schnell wird er danach wohl nicht mehr verreisen, um sich das kostenpflichtige Testen zu ersparen. Auch die Pressesprecherin des Landratsamts Rems-Murr-Kreis, Martina Keck, sagt in einem ersten Fazit knapp eine Woche nach Beginn der kostenpflichtigen Tests, dass im Vergleich zu den letzten Tagen, an denen es noch kostenlose Bürgertests gab, die Zahlen in den Zentren um mehr als die Hälfte eingebrochen sind. „Bis einschließlich 10. Oktober hatten wir rund 2000 bis 3000 Tests am Tag, seit Montag sind es zwischen 800 und 900. Der Großteil, rund 500, sind Selbstzahler“, Martina Keck.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Was halten Schüler vom Ende der Maskenpflicht

Aber nicht nur die Testzahlen sind deutlich weniger geworden, auch einige Stationen haben geschlossen, weil sich nun die Nachfrage nicht mehr lohnt. So zentralisiert beispielsweise Fellbach das Testangebot. „Wir haben die Testcenter in der Schmidener und der Oeffinger Festhalle geschlossen. Und auch das Angebot am Bahnhof in den Räumen der VHS gibt es nicht mehr. Alles läuft jetzt in der Schwabenlandhalle“, sagt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Schwabenlandhalle Fellbach und zuständig für die Koordination der Testzentren. Das dortige Angebot bleibe auch künftig bestehen, und ein Test koste 15 Euro.

Dass das nun kostenpflichtige Testen auch mehr als doppelt so teuer sein und sich ganz schön summieren kann, wissen sowohl Jens Mohrmann als auch Patrick Pfeifer. Der Apotheker bietet deshalb ein Bonuscard-System an. Nach vier Tests ist der fünfte gratis. „Wir sehen das Testen weiterhin als wichtigen Baustein, um Infektionsketten auch bei Geimpften zu unterbrechen. Deshalb wollen wir faire Angebote machen“, sagt er.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Corona Testzentrum Impfung