Coronatests in Apotheken „Das wäre für unsere Patienten verwirrend“

Aktuell genehmigt: So sieht der Laien-Selbsttest aus. Foto: Brigitte Hess
Aktuell genehmigt: So sieht der Laien-Selbsttest aus. Foto: Brigitte Hess

Apotheken sollen nach Vorstellung des Gesundheitsministeriums kostenlos Coronatests durchführen. Der Fellbacher Apotheker Thomas von Künsberg Sarre hält das für überflüssig. Er setzt auf die Laien-Selbsttests.

Fellbach: Brigitte Hess (hes)

Fellbach - Neben den Impfungen sollen immer mehr Schnelltests mit einfacher Handhabung den Weg aus dem Corona-Lockdown sichern. Gratis-Schnelltests für alle Bürger ab 1. März – abzunehmen von geschultem Personal in Testzentren, Praxen und Apotheken – hatte Gesundheitsminister Jens Spahn versprochen. Doch in der Tagung des Corona-Kabinetts am Montagabend wurde Spahn ausgebremst: Frühestens von 8. März an soll es soweit sein. Organisiert werden sollen diese Massentests von den Ländern und Kommunen. Seit gestern dürfen nun auch Tests für Laien verkauft werden, die zu Hause angewendet werden können. Wir haben mit dem Fellbacher Apotheker Thomas von Künsberg Sarre gesprochen, der über das Hü und Hott in der Gesundheitspolitik ziemlich verärgert ist.

Herr von Künsberg Sarre, Lehrer und Erzieherinnen können sich bereits ab dieser Woche mit Berechtigungsscheinen kostenlos auf Covid-19 testen lassen – auch in ihrer Apotheke?

In Fellbach gibt es nach meinem Kenntnisstand inzwischen mindestens zwölf Arztpraxen, die seit Monaten höchst professionell und effizient vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf Corona testen. Daher sehe ich derzeit nicht die Notwendigkeit für uns, dass wir zusätzlich ein ähnliches Angebot organisieren. Nachdem zum Beispiel auch die Hausarztpraxis bei uns direkt im Ärztehaus Tests anbietet, wäre das für unsere Patienten sogar verwirrend, wenn wir dann unter der gleichen Adresse auch kostenlose Tests anbieten würden.

Welche zwölf Arztpraxen in Fellbach testen denn?

Ohne Gewähr auf Vollständigkeit von Süden nach Norden: Die Arztpraxen Thudium, Treiber, Mayer, Heydari, Rühle, Binder, Menrad/Prill, Mechela, Conrad, Putzyreuskaya, Winkler/Kohleisen, Gashi-Gerdung. Lässt man sich dort testen, bekommt man auch eine Bestätigung des Ergebnisses.

Bietet die Stadt-Apotheke dann gar keine Corona-Tests an?

Gesundheitsminister Jens Spahn ist mit seinen Stakkato-Vorschlägen unpräzise und verwirrend. Er spricht einerseits von kostenlosen Testungen in Testzentren, Arztpraxen und Apotheken, andererseits sind aktuell preiswerte Laien-Selbsttests genehmigt, die mit oder ohne staatliche Subvention zunächst in Apotheken, aber sicherlich bald auch in Drogeriemärkten und bei Discountern angeboten werden. Hier stelle ich mich als Apotheker dem Wettbewerb. Bei uns in der Stadt-Apotheke kann man schon heute einen Test auf Covid-19 zu einem vernünftigen Preis kaufen und sich zu Hause selbst testen.

Der Gesundheitsminister spricht aber doch von kostenlosen Tests für die gesamte Bevölkerung. Wären Sie auf solch einen Ansturm vorbereitet?

Theoretisch natürlich ja, praktisch stellt uns das nach der Maskenvergabe aber wieder vor eine große organisatorische und sowohl räumlich als auch personelle Herausforderung. Unser „Ankündigungsminister Spahn“ hat – Stand heute – noch nicht erklärt, wie das logistisch durchgeführt werden soll und wie hoch die Vergütung dafür ist. Es gibt keine abgestimmte oder beschlossene und schon gar nicht eine in Kraft getretene Verordnung. Statt eine dreizehnte Testeinrichtung in Fellbach zu organisieren, verwende ich lieber meine Zeit, um Laientests, die bereits in halb Europa sogar von Kindern selbst angewendet werden, in ausreichender Zahl zu beschaffen und für meine Kundschaft bereitzuhalten. Wir werden sehen, ob und wie dann die Aktion „kostenlose Tests für alle“, die ja gerade vom 1. auf mindestens den 8. März verschoben worden ist, letztlich umgesetzt werden soll.




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