Corona in der Region Stuttgart Das müssen Sie über die PCR-Testung wissen

Tests müssen bei einer bestimmten Temperatur gelagert werden. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Für Schüler und Eltern ist die Omikronwelle eine Härteprobe. Wenn Tests unterschiedliche Ergebnisse anzeigen, wird es besonders anstrengend. Fragen und Antworten zu PCR-Tests, Kapazitäten und Kontrollen von Teststationen.

Stuttgart - Neun Jahre alt ist Jakob jetzt, weite Teile seiner Schulzeit waren von der Pandemie geprägt, er hat es tapfer ertragen, tapfer Maske getragen, tapfer auf vieles verzichtet, erträgt tapfer die unzähligen Schnelltests. Er jongliert ganz selbstverständlich mit Begriffen wie Quarantäne, Inzidenz, Omikron. An die Zeit ohne Corona kann er sich kaum noch erinnern. Anfang der Woche, am Montag, dann der Anruf aus der Grundschule, die Mutter geht ans Telefon: „Jakob ist positiv, bitte holen Sie ihn ab.“

 

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Überraschend kommt das nicht, viele Kinder in seinem Bekanntenkreis in Stuttgart-Vaihingen hat es zuletzt erwischt. Karla S., die Mutter, macht einen Termin für einen PCR-Test aus, am nächsten Tag ist das Ergebnis da: negativ. Die Mama, der Papa und Jakob, alle jubeln. Mit Grauen erinnern sie sich an die Zeiten ohne Präsenzunterricht. Mittwoch geht der Junge fröhlich in die Schule, wieder ein Anruf: „Jakob ist positiv, bitte holen Sie ihn ab.“ Wieder PCR-Test, diesmal anderswo. Am Donnerstag dann die Gewissheit, diesmal ist auch der PCR-Test positiv. Es fließen Tränen. „Wie soll man das einem neunjährigen Jungen erklären, dieses Hin und Her?“, fragt die Mutter. Es ist nur ein Beispiel, aber es ist eines von vielen zurzeit und eines, das sich genau so zugetragen hat.

War der erste PCR-Test falsch? War der Junge infiziert in der Schule, weil beim Testen oder Auswerten ein Fehler passiert ist? Solche Mutmaßungen hört man öfter. Auch bei der Stadt Stuttgart kommen regelmäßig Beschwerden an: Diese habe man zum Anlass genommen, Kontrollen durchzuführen, sagt Sven Matis, Kommunikationschef der Stadt. Am Dienstag hat die Stadt 16 Teststellen kontrolliert und danach sechs „aufgrund erheblicher Mängel“ geschlossen – allerdings handelte es sich dabei ausschließlich um Stationen für Schnelltests. In den vergangenen sechs Wochen mussten 24 von 70 kontrollierten Stationen schließen.

Wer kann ein Testzentrum betreiben?

Betreiber von Testzentren müssen sich an die Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums halten. Das Land ist nicht direkt eingebunden. Anforderungen sind etwa die fachgerechte Lagerung der Tests, auch weil dort bestimmte Temperaturen gelten. Auch müssen die Testzentren mit Laboren zusammenarbeiten und an die Corona-Warn-App angebunden sein. Zudem gilt für Testzentren die Medizinprodukte-Vertreiberordnung. Diese verpflichtet die Anbieter etwa zu gewährleisten, dass die Tests sicher und ordnungsgemäß angewendet werden.

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Wer kontrolliert die Testzentren?

Für das Einhalten der Hygiene-Vorschriften sind die Gesundheitsämter zuständig. Bei weitergehenden Kontrollen können sie auch die Ortspolizeibehörden einschalten. Wegen der hohen Belastung der Gesundheitsämter prüft das Land, ob es wieder externe Dienstleister für die Kontrolle einsetzen soll. Einfluss haben die Behörden auch auf die Zahl der Testzentren: Ist nach deren Auffassung der Bedarf gedeckt, können sie die Zulassung weiterer Angebote untersagen.

Wie wird sanktioniert?

Wer sich nicht an die Vorgaben hält, muss im Extremfall mit der Schließung seiner Testzentren rechnen. Das sei, bestätigt Pascal Murmann, der Sprecher des Sozialministeriums, auch in der Region Stuttgart schon vorgekommen. Allerdings habe dies weniger PCR-Teststellen betroffen, sondern vor allem solche, die Antigen-Schnelltests angeboten haben. Ein erster Sanktionsschritt ist, den schwarzen Schafen die Beauftragung als Bürgerteststelle zu entziehen. Das bedeutet, dass die Teststelle keine Kosten erstattet bekommt. Für jeden PCR-Test erhalten sie 43,56 Euro, für jeden Schnelltest 30 Euro.

Erleichterung über neue Strategie?

Künftig sollen nur noch Menschen aus dem medizinischen Bereich sowie vulnerable Personengruppen einen PCR-Test erhalten. Alle anderen sollen zum Schnelltest gehen – auch wenn sie Kontaktperson eines Infizierten sind oder eine rote Warnung in der Corona-Warn-App bekommen haben. Noch ist nicht klar, ab wann dies gilt. Im Klinikum Stuttgart hält man diese neue Strategie jedenfalls für sinnvoll. Denn schon in der Vergangenheit seien Beschäftigte der kritischen Infrastruktur, Patienten sowie vulnerable Menschen mit Symptomen schneller dran gekommen beim Testen. „Exponierte oder symptomatische Beschäftigte haben und hatten jederzeit unmittelbaren Zugang zu Tests“, sagt Jan Steffen Jürgensen, der medizinische Vorstand. „Die Quantität heben wir jetzt nochmals leicht an.“

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Wie lange muss man auf PCR-Test warten?

Bei jenen Stellen, wo man einen PCR-Test kostenfrei erhält, sofern man die Kriterien dafür erfüllt, kommt es zu immer längeren Wartezeiten. Betroffene berichten, dass sie zuletzt etwa zwei Stunden lang in der Kälte vor der Fieberambulanz des Klinikums Stuttgart gewartet hätten. Die Zeit variiere stark nach Wochentag und Tageszeit, sagt Jürgensen. An Wochenenden könne die Wartezeit in Extremfällen „wenige Stunden erreichen“. Auch morgens um 9 Uhr, wenn die positiven Schnelltests aus den Schulen aufschlügen, könne es zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde kommen. „Gut sieht es an Werktagen um die Mittagszeit aus. Wer zeitlich etwas flexibel ist, sollte entsprechend antizyklisch außerhalb der Stoßzeiten kommen.“

Soll es bald mehr PCR-Teststellen geben?

Das Klinikum Stuttgart testst momentan rund 200 Menschen pro Tag in der Fieberambulanz, manchmal auch bis zu 300. „In der Regel schicken wir niemanden weg.“ Dazu kommen zwischen 700 und 800 Tests täglich bei Landeseinrichtungen wie Gerichten, Ministerien oder dem Landtag. Weil die Nachfrage zurzeit steigt, soll es in wenigen Tagen auch im Gebäude der Impfstation an der Königstraße in Stuttgart PCR-Tests geben – allerdings „zunächst im unteren dreistelligen Bereich“, informiert Jürgensen.

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