Coronavirus Ansteckungsgefahr im Kneippbecken?

Von Caroline Holowiecki 

Das einzige Kneippbecken im Stuttgarter Stadtwald steht in diesem Frühsommer leer. Wegen Corona. Müssen die Bassins behandelt werden wie Freibäder? Die Stadt Stuttgart hat nun angedeutet, dass sich aber etwas tun soll.

Aufs Wassertreten im Storch-Schritt müssen Kneipp-Freund im Becken im Tiefenbachtal noch  verzichten. Foto: Caroline Holowiecki
Aufs Wassertreten im Storch-Schritt müssen Kneipp-Freund im Becken im Tiefenbachtal noch verzichten. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Für viele Leute ist es ein echter Zufallsfund. Auf dem letzten Zipfel der Sillenbucher Gemarkung, tief im Wald in Richtung Frauenkopf, befindet sich auf einer Lichtung im Tal der idyllische Tiefenbachsee. Daneben: ein Kneippbecken. Es ist etwa 2,5 auf sieben Meter groß und mit einer Treppe und Haltestangen ausgestattet, damit Freunde des als gesund geltenden Wassertretens dort im Storch-Schritt waten und so ihren Kreislauf und die Durchblutung ankurbeln können.

Tatsächlich ist das Kneippbecken im Tiefenbachtal das einzige im Stuttgarter Stadtwald, ist aus dem Rathaus zu hören. Gespeist wird es aus einer Quelle in der sogenannten Falschen Klinge. Nur im Staatswald gibt es am Buberlesbach noch eine weitere derartige Anlage.

Die Kneipp-Runde gehört zum Ritual

Für das Ehepaar Appel aus Sillenbuch ist der Gesundbrunnen in ihrer Nachbarschaft ein Highlight. Die Mittsechziger sind Sportfans. Täglich schnappen sie sich morgens ihre Nordic-Walking-Stöcke und drehen eine stramme Tour durch den Wald. Eine Kneipp-Runde gehört zum Ritual. Immer im Frühjahr werde der Hahn normalerweise aufgedreht, sodass sich das Becken etwa bis zur Wadenhöhe fülle, erklären die beiden. „Das Wasser ist richtig frisch und klar, man wird danach richtig süchtig“, sagt Eva Appel über das Wassertreten.

Doch in diesem Jahr sitzen sie und ihr Mann auf dem Trockenen. Das Becken ist leer. Die Appels haben bei der Stadtverwaltung telefonisch nachgefragt – und wollen dort erfahren haben, dass die kleine Kneippanlage in der Corona-Krise behandelt werde wie ein Freibad. Öffentliche Schwimmbäder wiederum stehen auf der von der Landesregierung festgelegten allerletzten Stufe jener Einrichtungen, die wieder öffnen werden. Wann, das ist derzeit nicht absehbar. Eva Appel spricht von einer großen Enttäuschung. „Da ist nie mehr als eine Person drin. Es ist überhaupt selten jemand da“, sagt ihr Mann Jens Appel über das Becken. Zum Vergleich: Freiluft-Sportanlagen für Aktivitäten ohne Körperkontakt dürfen unter Auflagen wieder seit dem 11. Mai betrieben werden.

Das Becken soll oft gereinigt werden

Doch nun tut sich im Tiefenbachtal doch etwas. „Aktuell werden seitens des Garten-, Friedhofs- und Forstamts Maßnahmen getroffen, um die Nutzung des Kneippbeckens unter Beachtung der Abstandsregeln und Einhaltung der Hygiene-Verordnung möglich zu machen“, teilt die Sprecherin Anna Sendler mit. Zum Saisonbeginn werde das Bassin in den nächsten Wochen zunächst durch städtische Forstwirte gereinigt und danach befüllt. Die Reinigung erfolge danach in den Sommermonaten in regelmäßigen Intervallen, in Spitzenzeiten wöchentlich.

Für die Appels sind das gute Aussichten. Sie schauen aktuell jeden Tag nach, ob wieder Wasser im Waldbecken steht. Die abwartende Haltung der Stadtverwaltung will Jens Appel nicht kritisieren. Er betont: „Wir haben volles Verständnis, dass das in Corona-Zeiten eine schwierige Differenzierung ist.“




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