Coronavirus breitet sich aus Im Rems-Murr-Kreis droht eine Ausgangssperre

Im Rems-Murr-Kreis ist die Zahl der identifizierten Neuinfizierten an der kritischen Grenze. Foto: Gottfried Stoppel

Der Rems-Murr-Kreis ist an der Grenze zum Hotspot angelangt. Voraussichtlich von Freitag an werden deshalb weitreichende Einschränkungen in Kraft treten.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Waiblingen - Bei den Corona-Infektionen steht der Rems-Murr-Kreis vor einer Woche der Wahrheit: Zu erwarten ist, dass die Zahl der Viruserkrankungen in den nächsten Tagen die Schwelle von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner überschreiten wird. Mit dem Erreichen dieser Marke an drei aufeinanderfolgenden Tagen wäre der Landkreis ein Hotspot, in dem verschärfte Regeln für den Infektionsschutz gelten würden.

 

Nur noch der Weg zu Arbeit und Einkauf gestattet

Neben einer nächtlichen Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr wären auch Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, das Verlassen der eigenen Wohnungen wäre nur noch für den Weg zur Arbeit und den Einkauf gestattet. Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat das Waiblinger Landratsamt in der Schublade. Ausgenommen sind in dem Entwurf allerdings dringende Arztbesuche, der Besuch von Lebenspartnern und Kranken sowie die Begleitung sterbender Menschen. Auch die Versorgung von Tieren, der Einsatz ehrenamtlicher Helfer bei Feuerwehr und Rettungsdienst und Bewegung an der frischen Luft wären weiter gestattet – wenn sich die sportliche Ertüchtigung auf zwei Personen oder Angehörige des eigenen Haushalts beschränkt. Auch die Teilnahme an Gottesdiensten soll erlaubt bleiben. Friseursalons und Sonnenstudios droht dagegen die Schließung. Unklar ist noch, wie es mit dem Schulunterricht und in den Kindertagesstätten weitergeht. Im Entwurf der Allgemeinverfügung sind Bildung und Betreuung nicht gesondert erwähnt, der Rems-Murr-Kreis wartet hier noch auf die Weichenstellung des Landes. Sicher scheint nur, dass Schwimmunterricht und Schulsport den verschärften Corona-Regeln zum Opfer fallen werden. Bei Reihentests von Schulklassen lag die Infektionsrate kreisweit bei 2,6 Prozent.

Der Landrat rechnet mit dem Überschreiten der Grenze

„Die Wahrscheinlichkeit ist inzwischen sehr hoch, dass diese Regelungen in Kraft treten müssen“, kündigte Rems-Murr-Landrat Richard Sigel am Montag an. Der Hintergrund der kurzfristig einberufenen Videokonferenz ist der drastische Anstieg der Corona-Zahlen. Am Montag war im Rems-Murr-Kreis der Wert von 193 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage erreicht worden. „Die Zahlen sind auf einem sehr hohen Niveau. Das muss einfach in der Bevölkerung ankommen“, sagte Sigel.

Wenig Verständnis zeigte der Landrat, dass es in Weinstadt zu einer Ansteckung kam, weil ausgerechnet bei einer Corona-Krisensitzung mit den Stadtwerken die erforderliche Lüftung nicht eingeschaltet war. Den vom Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky vor wenigen Tagen geäußerten Eindruck, dass vor allem Menschen mit Migrationshintergrund von Ansteckungen betroffen sind, teilt Sigel nicht. „Da geht es nicht um Bevölkerungsgruppen. Die Gefahr wächst immer dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben – da ist das Ansteckungsrisiko einfach höher als in einem Einfamilienhaus mit 250 Quadratmeter Wohnfläche“, betonte der Landrat.

Sichtbar würde das etwa an den vergleichsweise hohen Infektionszahlen in Kernen mit aktuell 347 Erkrankungen. „Gerade in Pflegeeinrichtungen führt eine einzige Infektion oft zur Kettenreaktion“, verweist Richard Sigel auf die Fallzahlen der Diakonie Stetten. Ziel der verschärften Corona-Einschränkungen sei es, die 7-Tage-Inzidenz wieder unter die Grenze von 200 Neuinfektionen zu drücken.

Die meisten Neuinfektionen in Pforzheim

Spitzenreiter bei den Neuinfektionen war landesweit auch am Montag der Stadtkreis Pforzheim mit 327 Fällen in sieben Tagen, gefolgt vom Stadtkreis Heilbronn (286) und dem Stadtkreis Mannheim (232). Auch die Landkreise Calw (214), Lörrach (205), Tuttlingen (209) und der Enzkreis (217) haben am Montag die Marke von 200 Fällen pro 100 000 Einwohner gerissen. In der Region folgen hinter dem Rems-Murr-Kreis mit 193 Fällen die Landkreise Esslingen (152) und Göppingen (151) sowie der Kreis Ludwigsburg mit 131 Fällen. Für Stuttgart wurden am Sonntag nur 44 und am Montag 75 Neuinfektionen gemeldet, die Inzidenz sank auf 124 Fälle. Im Kreis Böblingen lag dieser Wert am Montag bei 135 Fällen. Eine schlüssige Erklärung, weshalb ausgerechnet der Rems-Murr-Kreis bei den Infektionszahlen so hoch liegt, gibt es im Landratsamt bisher nicht.

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