Coronavirus bremst Johannes Bitter aus Bittere Folgen einer Handball-Länderspielreise

Ärgerliche Zwangspause: Nationaltorwart Johannes Bitter wurde positiv auf das Coronavirus getestet und   fehlt seinem Verein TVB Stuttgart zwei Wochen lang. Foto: imago//Marco Wolf
Ärgerliche Zwangspause: Nationaltorwart Johannes Bitter wurde positiv auf das Coronavirus getestet und fehlt seinem Verein TVB Stuttgart zwei Wochen lang. Foto: imago//Marco Wolf

Der positiv getestete Handball-Nationaltorwart Johannes Bitter fehlt dem TVB Stuttgart 14 Tage lang, Trainer Jürgen Schweikardt reagiert gemäßigt.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Während des Trainings des TVB Stuttgart am Nachmittag kam die Kunde von den Testergebnissen. Bei Nationaltorwart Johannes „Jogi“ Bitter war auch der Nachtest auf das Coronavirus positiv, bei allen anderen Spielern des Handball-Bundesligisten ergaben sich negative Ergebnisse. Damit wird sich der 38-Jährige 14 Tage in Quarantäne begeben müssen und fehlt dem TVB in den Spielen an diesem Mittwoch (19 Uhr) beim HC Erlangen, am Samstag (20.30 Uhr/Porsche-Arena) gegen die TSV Hannover-Burgdorf und auch am 22. November (13.30 Uhr) bei Vizemeister SG Flensburg-Handewitt.

Dem TVB fehlt der wichtigste Spieler

Mutmaßlich hat sich Bitter beim Trip mit der deutschen Nationalmannschaft angesteckt. „Für mich ist es unerklärlich, was Ursache der Infektion ist“, sagte Bitter. „Wir Nationalspieler haben uns während des Lehrgangs sehr sicher gefühlt.“ Jürgen Schweikardt, der Trainer und Geschäftsführer des TVB, reagierte auf die bittere Nachricht ohne Schaum vor dem Mund: „Wo sich Jogi genau angesteckt hat, kann keiner exakt sagen. Natürlich fehlt uns nun unser wichtigster Spieler, aber man darf nicht nur nach seinem eigenen Teller schauen, muss auch die Gesamtsituation im Auge behalten.“

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Was der 40-Jährige damit zum Ausdruck bringen will: Für die heiß diskutierte und von vielen auch stark kritisierte Austragung der EM-Qualifikationsspiele in der vergangenen Woche, hat der Trainer durchaus Verständnis: „Auch der europäische Handballverband ist ein wichtiger Player und hat seine Verträge einzuhalten“, gibt Jürgen Schweikardt zu bedenken.

Bohmann fordert engen Dialog

Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), sieht unterdessen „ein höheres Ansteckungsrisiko bei Auslandsreisen“ und forderte einen engen Dialog der Verbände mit den Clubs in Fragen der Abstellung für Länderspiele. „Die Vereine stehen in einer größeren ökonomischen Verantwortung, weil sie nun mal auch die Gehaltskosten für die Spieler zu tragen haben“, sagte der 55-Jährige. Sie müssten daher – „und das gilt für das gesamte Kalenderjahr 2021 – in jede internationale Abstellung von Spielern jedesmal entsprechend eingebunden werden. Ich gehe davon aus, dass uns das Virus noch das ganze Jahr 2021 sehr beschäftigen wird.“ Zur Erinnerung: Bereits im Januar kommenden Jahres soll die WM in Ägypten über die Bühne gehen.

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Der Austausch zwischen der HBL-Führung und ihren Clubs ist dagegen sehr eng. So wurde schon vor den EM-Qualifikationsspielen beschlossen, dass die Möglichkeit der Absage eines Bundesligaspiels besteht, vorausgesetzt mindestens zwei Spieler können nach der Nationalmannschaftsreise Corona-bedingt nicht eingesetzt werden. Bohmann hat dies gegenüber unserer Zeitung bestätigt – zunächst allerdings nur für den Spieltag an diesem Mittwoch und Donnerstag.

Bundesligaspiel findet statt

Den TVB bringt diese Regelung nicht weiter, da Jogi Bitter der einzige im Team ist, der vom Coronavirus ausgebremst wird. Immerhin bekam der zweite Torwart Primoz Prost (Pferdekuss am Oberschenkel) im Laufe des Dienstags von den Ärzten grünes Licht, in Erlangen zwischen den Pfosten stehen zu können. Nick Lehmann (21), mit Zweifachspielrecht bei Zweitligist SG BBM Bietigheim ausgestattet, nimmt die Rolle des Ersatzkeepers ein.

Bleibt die Frage, wie mit den Nationalspielern umgegangen wird, die in der vergangenen Woche mit Bitter Kontakt hatten. Marcel Schiller und Sebastian Heymann von Frisch Auf Göppingen sind sogar gemeinsam im Auto mit Bitter vom Flughafen abgereist. Was die Folgen betrifft, sieht das Prozedere im Normalfall wie folgt aus: Das Gesundheitsamt Stuttgart nimmt mit Bitter Kontakt auf und befragt ihn, wer als Kontaktperson ersten Grades in Frage kommt. Dann informiert die Behörde in Stuttgart die jeweiligen Ämter in den Landkreisen der Kontaktpersonen ersten Grades. Im Fall von Heymann und Schiller wäre dies das Gesundheitsamt in Göppingen. Sind sie als Kontaktpersonen ersten Grades ausgemacht, würden die beiden Nationalspieler dann für 14 Tage in Quarantäne müssen.

Wird das Spiel von Frisch Auf verlegt?

Bei diesem Szenario hätte Frisch Auf die Möglichkeit, sein Bundesligaspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr) bei der TSV Hannover-Burgdorf abzusagen, was dem Club auch deshalb entgegenkommen würde, da in Spielmacher Tim Kneule (Augenverletzung) ein weiterer wichtiger Akteur ausfällt. Bohmann bestätigte am Abend, dass die HBL die Partie möglicherweise verlegen wird.

Der TVB aber muss auf alle Fälle beim HC Erlangen ran. Nach dem 9:3-Punkte-Traumstart bremst der Ausfall von Bitter die Euphorie. Verfällt das Team in Schockstarre? Oder zeigte es eine Jetzt-erst-Recht-Trotzreaktion? Am Mittwoch, spätestens gegen 20.40 Uhr, wird man schlauer sein.

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