Coronavirus China meldet Durchbruch bei Impfung

Ein kleiner Piks – aber ein großer Schritt für die Medizin? Experten sind skeptisch. Foto: Twitter

Angeblich hat die bekannte Forscherin Chen Wei den ersten Test mit einem Corona-Impfstoff an sich selbst durchgeführt. Experten zweifeln allerdings an den Erfolgsmeldungen der chinesischen Staatsmedien.

Peking - Mit fest entschlossenem Blick steht Chen Wei in einem fensterlosen Raum, hinter sich die chinesische Flagge mit Hammer und Sichel. Den linken Oberarm hat sie freigemacht, damit eine Ärztin im Schutzanzug ihr eine Spritze verabreichen kann. Bei den Fotos, die sich in den sozialen Medien Chinas rasant verbreiteten, soll die führende Biochemie-Expertin des Landes beim ersten Test eines Coronavirus-Impfstoffs am Menschen zu sehen sein.

 

Im Dezember wurde der Erreger in der zentralchinesischen Metropole Wuhan entdeckt. Seither hat er in China mehr als 80 000 Menschen angesteckt und rund 3000 getötet. Seit einigen Tagen jedoch liegen die Neuinfektionen außerhalb Chinas deutlich über denen im Land. Dennoch gilt eine globale Eindämmung des Virus als unrealistisch. Daher suchen Wissenschaftler weltweit nach einem Impfstoff, unter anderem an den Universitäten in Marburg, dem australischen Queensland oder Hongkong. Auch das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac AG arbeitet mit Hochdruck an einer Impfung.

Team mit 4000 Forschern

In Hongkong wurde bereits ein Durchbruch vermeldet. Ehe eine Impfung jedoch alle erforderlichen Studien an Tier und Menschen durchlaufen hat, würden viele Monate vergehen. In Notfällen können Regierungen jedoch die strengen Auflagen vor der Markteinführung lockern. Am Sonntag hatte US-Vizepräsident Mike Pence auf Fox News damit geprahlt, dass klinische Impfstofftests nur mehr sechs Wochen entfernt seien. Viele Experten tun diese Ansage als unseriös ab und sprechen von mindestens einem Jahr. Umso größer die Überraschung, als am Dienstag das chinesische Staatsfernsehen einen „Durchbruch“ vermeldete.

Angeführt wird das Forscherteam von der 54-jährigen Chen Wei, die mit 4000 Medizinern der Volksbefreiungsarmee nach Wuhan entsandt wurde. Als Wissenschaftlerin hat Chen bereits 2014 den ersten Ebola-Impfstoff auf gentechnischer Basis entwickelt. Zudem soll sie laut chinesischen Medien eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Sars-Epidemie 2003 gespielt haben. Damals habe sie ein Nasenspray entwickelt, welches gefährdete Personen vor einer Ansteckung schützen soll. Angeblich kommt das Spray derzeit auch im Epizentrum Wuhan zum Einsatz.

Durchbruch – oder Staatspropaganda?

Geboren wurde Chen Wei in der ostchinesischen Provinz Zhejiang, wo sie Chemie studierte und später einen Master an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking absolvierte. Im Zug in ihre Heimatstadt soll sie ihren späteren Ehemann getroffen haben, der zur Unterstützung seiner Frau seinen Beruf als Techniker aufgab und seither den Haushalt führt. Die beiden haben einen vierjährigen Sohn.

Ob die Wissenschaftlerin nun wirklich einen Durchbruch erzielt hat oder es sich nur um Staatspropaganda handelt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Bericht des Staatsfernsehen erwähnt zwar einen sogenannten Adenovirus-Vektor-Impfstoff gegen Covid-19 sowie ein Medikament der Klasse 1, das auch Menschen, die dem Virus ausgesetzt waren, helfen soll. Ein Zeitplan oder konkreter Entwicklungsstand wird jedoch nicht erwähnt, von daher ist Vorsicht geboten: Neben den 4000 Medizinern aus der Armee wurden nämlich auch Journalisten von der Regierung nach Wuhan geschickt, um von Heldengeschichten wie dieser zu berichten.

Lesen Sie hier: Was Chinas Gesundheitsexperte der Welt rät

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