Coronavirus Heftiger Wettstreit um deutsche Urlauber

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Bayern, Tirol und Südtirol wollen jeweils ihre eigene Tourismusbranche aus dem Corona-Absturz retten. Der Weg nach Italien wird zwar frei, aber südlich des Brenners ist einiges noch ungeklärt.

So wie auf diesem Archivbild wird der Italienurlaub für Deutsche  in diesem Jahr wohl nicht aussehen Foto: Wilhelm Mierendorf
So wie auf diesem Archivbild wird der Italienurlaub für Deutsche in diesem Jahr wohl nicht aussehen Foto: Wilhelm Mierendorf

München - Am Pfingstfest, dem traditionellen Auftakt zum großen Sommertourismus, ist den Deutschen der Weg in den Süden noch verschlossen. Doch gleich am Mittwoch danach, am 3. Juni, öffnet Italien seine Grenzen. Ausgerechnet das Land, das nicht nur anfangs am stärksten von Corona befallen war, sondern auch jetzt noch deutlich höhere Krankheitszahlen verzeichnet als seine Nachbarn, gibt die Sperre als erstes wieder auf – während Österreich und die Schweiz als die Transitländer für deutsche Italien-Urlauber noch zwei Wochen länger, bis zum 14. Juni, geschlossen sind. Außer man hat einen „triftigen Grund“ für die Einreise. Und Fernweh ist kein triftiger Grund.

Wie kommen also Deutsche nach Italien? Ganz einfach. Denn Österreich und die Schweiz erlauben die Durchreise – sofern die Weiterfahrt nach Italien gesichert ist, also ab dem 3. Juni, und sofern durch Vorlage beispielsweise einer Hotelbuchung das Ziel der Reise belegt wird. Was dann südlich des Brenners passiert, ist nochmal eine andere Frage. Prinzipiell hat Italien seinen Bürgern versprochen, dass sie sich ab 3. Juni wieder frei im ganzen Land bewegen dürfen. Aber die Lombardei-Frage ist noch ungelöst, und so soll frühestens am Freitag dieser Woche, also am 29. Mai, entschieden werden, ob die Gegend um Mailand und Bergamo, womöglich auch das Piemont in Richtung Turin, isoliert bleibt. Das bekämen auch die Touristen zu spüren – bei der Durchreise oder wenn sie sich einen der großen Seen als Ziel ausgesucht haben. Und was wird mit dem Gardasee, der im Westen zur Lombardei, im Osten zum Veneto, am Nordzipfel zum Trentino gehört?

Es geht um Millionen von Euro

Während die meisten italienischen Regionen eher geduldig abwarten, was kommt, ist zwischen Südtirol, dem österreichischen (Nord-)Tirol und Bayern ein heftiger Wettstreit um die Touristen entbrannt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will deutsche Urlauber im Land halten, um die Branche aus dem Corona-Absturz zu retten. Südtirol wiederum hat Kontakte zum Robert-Koch-Institut in Berlin aufgenommen, um bei den deutschen Reisewarnungen anders, besser eingestuft zu werden als der Rest Italiens. Die Provinzregierung in Bozen hält Südtirol, das vom RKI Anfang März sehr früh zu den „Risikogebieten“ gezählt wurde, mittlerweile aber so gut wie keine Neuinfektionen mehr aufweist, heute für unbedenklich.

Es geht dabei auch um viele Millionen Euro. Der Anteil deutscher Übernachtungen in Südtirol beträgt – bei steigender Tendenz – 48,8 Prozent; im Sommer garantieren Deutsche sogar mehr als zwei Drittel des Geschäfts. Im österreichischen Tirol ist es ähnlich. Dort entfielen im Sommer 2019 mehr als die Hälfte der Übernachtungen auf deutsche Urlauber (55 Prozent). Und nachdem die Wintersaison statt des erwarteten Rekords eine Riesen-Pleite bescherte – Stichwort Ischgl –, versucht man in Innsbruck, vom Sommer zu retten, was zu retten ist.

Handfeste Verstimmung am Brenner

Gleichzeitig hält Österreich seinerseits die Grenze zu Italien auf unabsehbare Zeit geschlossen, um sich mit Hinweis auf die Lombardei vor Neuinfektionen abzuschotten. Das wiederum sorgt in Südtirol für erheblichen politischen Unmut – verstärkt auch noch dadurch, dass sich Österreich nicht an dem 500 Milliarden Euro schweren Pakt beteiligen will, den Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Hilfe für besonders corona-betroffene (süd-)europäische Staaten planen.

Kommt aber weniger Hilfe für Italien, leidet auch Südtirol, das Östereich traditionell als seine „Schutzmacht“ betrachtet. Heute indes verhalte sich Österreich verhalte nicht so, „wie man es sich von einem Vaterland erwartet“, kritisiert der Südtiroler Hotelier- und Gastwirte-Präsident Manfred Pizger gegenüber der Austria Presseagentur (APA).

Südtirol stellt seinen Touristen dieses Jahr sogar ein ganz spezielles „Zuckerl“ in Aussicht: kostenlose Corona-Tests, auch solche auf Antikörper. So verspricht es der Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dafür bezahlen sollen die Hoteliers. Ob sie auch bezahlen wollen, weiß man noch nicht so genau.




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