Coronavirus im Kreis Esslingen Viele nehmen die Gefahr auf die leichte Schulter

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Die Helfer in den vom Landkreis Esslingen eingerichteten Corona-Abstrichzentren kommen mit der Arbeit kaum nach. Unterdessen steigt der Anteil der positiv Getesteten auf sieben Prozent.

An den Corona-Abstrichzentren im Landkreis sind bisher 8000 Proben genommen. 124 waren positiv. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel
An den Corona-Abstrichzentren im Landkreis sind bisher 8000 Proben genommen. 124 waren positiv. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Nürtingen/Leinfelden-Echterdingen - Die beiden Corona-Abstrichzentren (CAZ), die der Landkreis Esslingen in Nürtingen und Leinfelden-Echterdingen vor einer Woche eingerichtet hat, werden von den Menschen regelrecht überrannt. „Wir appellieren an die Leute, die Zentren nicht mehr anzufahren, weil die Zufahrtsstraßen überlastet sind“, sagte der Esslinger Landrat Heinz Eininger am Montagabend. Bis dahin hatten die Helfer in den Drive-in-Zentren, die Esslingen als erster Landkreis in Deutschland eingerichtet hatte, rund 4000 Abstriche von Autofahrern genommen. „Daraus haben wir bisher 124 Infizierte herausgefiltert. Die Tendenz ist stark steigend“, sagt Heinz Eininger.

Das Virus zieht nach Einschätzung des Landrats auch deshalb weitere Kreise, weil einerseits die Laborkapazitäten erschöpft sind und andererseits viele der Getesteten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht werden. „Es dauert derzeit rund 72 Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt“, sagt Eininger. In dieser Zeit, so sein dringender Appell, sollten die Untersuchten auf jeden Fall zu Hause bleiben und soziale Kontakte meiden. „Es kann nicht angehen, dass die Leute einen Abstrich machen lassen und sich dann noch drei schöne Tage genehmigen und Party machen, bevor sie möglicherweise in Quarantäne müssen“, so Eininger.

An der Unkenntnis kann es nicht liegen

An der Unkenntnis der Patienten kann es nicht liegen. Die Autofahrer, die getestet werden, erhalten ein Merkblatt mit Verhaltenshinweisen. So sollten sich die Menschen, bis sie das Testergebnis bekommen, idealerweise in einem Einzelzimmer aufhalten und Kontakte weitgehend begrenzen. Im Falle eines positiven Tests beginnt die häusliche Quarantäne, zudem müssen die Infizierten ihre Kontaktpersonen in einer Tabelle auflisten.

Der Kreis Esslingen hat die beiden Corona-Abstrichzentren nach südkoreanischem Vorbild eingerichtet, um infizierte Menschen zu identifizieren und sie von den Wartezimmern in den Krankenhäusern und den Arztpraxen fernzuhalten. „Dank der Zentren haben wir hier im Kreis Esslingen wohl den besten Überblick, wie dynamisch sich das Virus verhält“, sagt Eininger. Hatte die Quote der Infizierten unter den Getesteten zu Beginn der vergangenen Woche noch bei zwei Prozent gelegen, so ist sie mittlerweile auf sieben Prozent gestiegen. „Und es werden immer noch jeden Tag mehr“, sagt Heinz Eininger.

Hohes Engagement unter den Ärzten

Doch auch auf der anderen Seite der Autoscheibe hatte es Anlaufschwierigkeiten gegeben. In einem Brandbrief hatte sich Eininger kurz nach der Eröffnung der beiden Zentren an die niedergelassene Ärzteschaft gewandt und mit deutlichen Worten mehr Engagement angemahnt. Sollten nicht mehr Ärzte und Sprechstundenhilfen in den Zentren den Krankenschwestern und Ärzten der Kreiskliniken und des Klinikums Esslingen unter die Arme greifen, dann drohe der Einrichtung ein vorzeitiges Ende.

Der Hilferuf, dessen Tonfall von der Ärzteschaft als unangemessen kritisiert worden war, ist offensichtlich sehr wirkungsvoll gewesen. „Es hat wohl der deutlichen Worte bedurft, aber jetzt sind alle Ärzte aus dem Landkreis mit viel Engagement dabei“, sagt der Landrat.

Telefonische Diagnose ist Voraussetzung

Jeder Einwohner aus dem Esslinger Kreisgebiet hat die Möglichkeit, einen Abstrich vornehmen zu lassen. An den Zentren vorfahren dürfen Patienten nach einer telefonischen Diagnose des Hausarztes, des ärztlichen Bereitschaftsdienstes oder des Gesundheitsamts. Von diesen Stellen bekommen sie einen Code, der zur Vorfahrt berechtigt.

Getestet werden Einwohner des Kreises Esslingen, Personen, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Krisengebiet aufgehalten haben und Krankheitszeichen der Atemwege oder Fieber aufzeigen und Einwohner, die unabhängig von einer Reise Kontakt zu einer infizierten Person hatten.




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