Coronavirus im Rems-Murr-Kreis So wird der Schulstart am Montag vorbereitet

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Die Bildungseinrichtungen im Rems-Murr-Kreis bereiten sich auf den Unterrichtsstart für knapp 5000 Jugendliche am Montag vor. Ein Besuch am Burg-Gymnasium in Schorndorf.

Im Burg-Gymnasium wird der Schulstart am Montag vorbereitet. Foto: Gottfried Stoppel
Im Burg-Gymnasium wird der Schulstart am Montag vorbereitet. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Für fast 5000 Jugendliche im Rems-Murr-Kreis beginnt am Montag wieder so etwas wie Schule. Sie gehören Abschluss- und Vorabschlussklassen an Gymnasien, Real-, Gemeinschafts-, oder Förderschulen an und sollen in dieser wichtigen Phase nicht nur aus der Ferne, sondern wieder im Klassenzimmer unterrichtet werden.

Ein Blick auf die am Burg-Gymnasium in Schorndorf getroffenen Vorbereitungen zeigt allerdings, dass ein Schulbetrieb zu Coronazeiten wohl nur wenig mit dem bisher erlebten Alltag zu tun haben wird. Am Eingang werden die Gymnasiasten von Warnschildern empfangen: Nur mit Maske darf das Gebäude betreten werden. Die Elft- und Zwölftklässler werden im Einbahnsystem zu ihren Klassenzimmern gelotst: in einem Treppenhaus geht’s hoch in die Zimmer, im anderen wieder runter. Ein- und Ausgang des Gebäudes sind voneinander getrennt. Überall mahnen rote Aufkleber genügenden Abstand an.

Neuer Stundenplan für den Schulbetrieb zu Coronazeiten

Jeder Jahrgang wird auf einem anderen Stockwerk unterrichtet, maximal 60 Schüler sind zeitgleich da. „Nur die prüfungsrelevanten Fächer werden an der Schule unterrichtet“, berichtet der Konrektor Michael Krauß, der für die 150 Elft- und Zwölfklässler einen komplett neuen Stundenplan entworfen hat. „Die Elftklässler werden in ihren Leistungskursen sowie in Deutsch und Mathe unterrichtet“, ergänzt er beim Pressetermin, der in einem Musterklassenzimmer stattfindet: Die Tische sind auseinander geschoben, maximal 14 Schüler werden gleichzeitig unterrichtet.

Im Klassenzimmer dürfen die Schüler ihren Mundschutz ausziehen, in den Pausen allerdings muss er wieder getragen werden. „Ich habe Masken bestellt, damit wir welche da haben, falls mal eine kaputt geht oder jemand seine vergisst“, sagt der Rektor Jürgen Hohloch. Apropos Pause: eine große Pause soll es am Burg-Gymnasium weiter geben. Allerdings nie für alle gleichzeitig. „Was sonst immer verboten war, ist jetzt erlaubt: die Schüler sollen während des Unterrichts essen und auf die Toilette gehen“, sagt Hohloch. Auch das soll helfen, die Distanz zu wahren.

In Schorndorf gehören zehn Prozent der Lehrkräfte zu einer Risikogruppe

Und wer wird ab Montag vorne an der Tafel stehen? „Es muss abschließend ermittelt werden, wie viele Lehrkräfte ganz konkret mit wie vielen Stunden für den Präsenzunterricht in der Schule zur Verfügung stehen“, beschreibt Sabine Hagenmüller-Gehring, die Leiterin des staatlichen Schulamts Backnang, eine weitere Herausforderung für die Schulen im Kreis. Im Burg-Gymnasium fallen etwa zehn Prozent der Lehrkräfte weg, weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Das sei jetzt noch kein Problem, „das wird erst schwieriger, wenn es mehr Präsenzunterricht gibt“, sagt Michael Krauß.

Das Personalmanagement sei eines der großen Themen, mit denen sich das staatliche Schulamt derzeit beschäftige: „Gleichzeitig stecken wir mitten in den Vorbereitungen für das nächste Schuljahr, von dem wir noch nicht wirklich wissen, wie es sein wird“, berichtet Sabine Hagenmüller-Gehring. „Weder unsere Schulleitungen und deren Kollegien noch wir haben jemals eine solch unsichere, schnelllebige Zeit erlebt, in der ein Krisenmanagement in dieser Ausprägung notwendig ist“, beschreibt sie die Situation weiter.

E-Learning wird am Burg-Gymnasium ausgebaut

Auch die Leitung des Schorndorfer Burg-Gymnasiums kann das bestätigen: „Wir planen nicht mittelfristig, sondern für zwei Wochen, bis zum Abi“, sagt Jürgen Hohloch. Umso dankbarer ist man darüber, wie gut der Unterricht über den elektronischen Weg an der Schule funktioniere. Die Serverkapazität sei immer weiter ausgebaut worden, „mittlerweile wird jedes Hauptfach einmal in der Woche über die E-Learning-Plattform unterrichtet“, berichtet Michael Krauß.

Die Schüler folgen dem Unterricht auf ihrem Smartphone oder anderen Endgeräten, „ich schätze, dass wir nur etwa fünf Prozent nicht erreichen“, meint Jürgen Hohloch, der derzeit abfragen lässt, wer Unterstützung in Form eines Laptops benötigt. Und der bei den Schülern eine veränderte Wahrnehmung spürt: „Internet ist nicht mehr nur zum Spielen oder Shoppen da, sondern plötzlich lebensnotwendig.“ Sein Stellvertreter Michael Krauß hofft trotzdem, dass sich das Gymnasium spätestens nächstes Schuljahr wieder mit Schülern füllen darf: „Den Unterricht kann E-Learning nie ersetzen.“




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