Coronavirus im Rems-Murr-Kreis Vorbereitung auf mögliche zweite Welle

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Kreis und Kommunen wappnen sich für den Fall wieder ansteigender Infektionszahlen. Das Aspacher Hotel Sonnenhof steht indes nicht mehr als „Klinikbettenreserve“ zur Verfügung.

Sollte die Zahl der identifizierten Corona-Fälle wieder ansteigen, wollen der Kreis und die Kommunen die Infektionskette in Teams rückverfolgen. Darauf haben sich Rathauschefs und der Landrat in einem Eckpunktepapier geeinigt. Foto: dpa/Pedersen
Sollte die Zahl der identifizierten Corona-Fälle wieder ansteigen, wollen der Kreis und die Kommunen die Infektionskette in Teams rückverfolgen. Darauf haben sich Rathauschefs und der Landrat in einem Eckpunktepapier geeinigt. Foto: dpa/Pedersen

Rems-Murr-Kreis - Die nackten Zahlen geben Anlass zu verhaltenem Optimismus: In den vergangenen Tagen wurden im Rems-Murr-Kreis lediglich 13 neue Corona-Fälle bekannt, es gab sogar Tage, an denen kein einziger neu Infizierter regis­triert wurde. Doch die Statistik hinkt erfahrungsgemäß hinter der tatsächlichen Entwicklung hinterher. Noch sei nicht klar, wie sich die weitreichenden Lockerungen der Corona-Verordnung auswirkten, heißt es aus dem Waiblinger Landratsamt. Die Zahlen könnten wieder steigen, eine zweite oder dritte Welle sei nicht auszuschließen.

Eckpunktepapier von Kommunen und Kreis

Auf ein solches Szenario bereite man sich vor, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Das Landratsamt und die 31 Bürgermeisterämter hätten sich auf ein Eckpunktepapier geeinigt, um ein möglichst schnelles und lückenloses Nachverfolgen der Infektionswege zu ermöglichen. So sollen demnach im Rems-Murr-Kreis 20 Teams mit jeweils fünf Personen eingerichtet werden, die für je rund 20 000 Einwohner zuständig sind. Die Teams sind mit Mitarbeitern des Gesundheitsamts sowie der Ortspolizeibehörden besetzt. Ein weiteres Team solle sich eigens um Einrichtungen der sogenannten kritischen Infrastruktur wie Pflegeheime oder Kliniken kümmern.

„Wir müssen die aktuell ruhige Phase nutzen, um uns zu wappnen“, sagt die Sprecherin der Oberbürgermeister im Rems-Murr-Kreis, die Fellbacher Rathauschefin Gabriele Zull. Und: Die nie da gewesene Herausforderung lasse sich nur im Schulterschluss und in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden meistern. Eine enge und unbürokratische Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden hält auch der Landrat Richard Sigel schon allein deshalb für enorm wichtig, weil die Gesundheitsämter bereits seit Jahren an einem personellen Mangel litten, der, so Sigel, „auch kurzfristig und entgegen aller Ankündigungen und Versprechungen nicht ausgeglichen werden kann“.

Die „kommunale Familie“ sei „weiterhin gerne bereit, ihren Beitrag zur Eindämmung von Neuinfektionen zu leisten und auch die Rückkehr zur Normalität abzusichern“, betont der Landrat – allerdings nicht auf eigene Kosten. Man erwarte eine entsprechende Unterstützung durch das Land. „Eine schnelle Stärkung der Gesundheitsämter und auch weitere finanzielle Hilfen für die Städte und Gemeinden sind wichtig.“

Sonnenhof steht nicht mehr als Reserve zur Verfügung

Während für die Nachverfolgung möglicher Infizierter zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, wird eine andere Reserve hingegen abgebaut. Die bis zu 100 Patientenbetten, die bei Bedarf kurzfristig in dem Aspacher Hotel Sonnenhof hätten aufgebaut werden können, um die Kliniken in Winnenden und Schorndorf zu entlasten, stehen nicht mehr zur Verfügung. Das von der Familie des Ehemanns der Schlagersängerin Andrea Berg betriebene Hotel kann den gastronomischen Betrieb wieder „hochfahren“.

Der Landrat hat sich für die Bereitschaft, im Fall der Fälle eine pragmatische Lösung zu ermöglichen, die Patienten eine Behandlung in Turnhallen oder ähnlichen Räumlichkeiten erspart hätte, bei der Hoteliersfamilie Ferber ausdrücklich bedankt. Sigel: „Glücklicherweise sind die Zahlen der Neuinfizierten bei uns im Rems-Murr-Kreis nie explodiert, und unsere Rems-Murr-Kliniken kamen bisher nie an ihre Belastungsgrenze.“ Ein jeder wird hoffen, dass das auch so bleibt.

Bis 150 steht die Ampel auf grün

Allgemein
Laut einem Beschluss von Bund und Land ist die Zahl der Neuinfizierten in einem Zeitraum von sieben Tagen entscheidend für eine mögliche Rücknahme von Lockerungen der Corona-Verordnung. Der Grenzwert ist bei 50 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner festgelegt worden, bereits von 35 Neuinfizierten an sollen entsprechende Maßnahmen vorbereitet werden.

Kreis
Für den Rems-Murr-Kreis mit seinen knapp 427 000 Einwohnern bedeutet die sogenannte Ampelregelung Folgendes: Bis 150 Neuinfizierte in sieben Tagen steht die Ampel auf Grün, zwischen 151 und 212 auf Gelb, kritisch wird es ab 213. In den vergangenen sieben Tagen wurden im Kreis laut Angaben des Landratsamts 13 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Insgesamt wurden – Stand 2. Juni – 1575 Personen identifiziert, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. 1444 davon sind bereits wieder aus der Quarantäne entlassen und gelten als geheilt. 87 Verstorbene hatten einen Corona-Befund.




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