Coronavirus in Brasilien 100.000 Neu-Infektionen an einem Tag – Ex-Präsident spricht von Völkermord

Eine Coronapatientin in der besonders schwer betroffene Region Manaus. Foto: dpa/Lucas Silva
Eine Coronapatientin in der besonders schwer betroffene Region Manaus. Foto: dpa/Lucas Silva

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Brasilien hat einen neuen Höchststand von mehr als 100.000 Fällen erreicht. Die Bundesregierung schickte ein Flugzeug mit 80 Beatmungsgeräten nach Manaus.

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Brasilia - Mit mehr als 100.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag hat Brasilien einen neuen, dramatischen Höchstwert erreicht. Binnen 24 Stunden seien 100.158 Ansteckungen nachgewiesen worden, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium am Donnerstag (Ortszeit) mit. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Infektionen in dem südamerikanischen Land auf 12,3 Millionen. Die Bundesregierung schickte einen Hilfsflug mit 80 Beatmungsgeräten an Bord in die besonders schwer betroffene Region Manaus.

Mit 2777 weiteren Opfern innerhalb eines Tages hat Brasilien mittlerweile 303.462 Corona-Tote zu beklagen. Nur in den USA wurden noch mehr Infektionen und Todesfälle registriert.

In Brasilien hat sich die Lage seit Februar nochmals verschärft. Zum einen halten viele Menschen die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht ein, zum anderen ist die mittlerweile in Brasilien grassierende Virusvariante P1 offenbar deutlich ansteckender als der ursprüngliche Covid-19-Erreger.

Nissan und Toyota reagieren

Wegen des Infektionsgeschehens kündigten die Autokonzerne Nissan und Toyota an, die Produktion in ihren brasilianischen Werken 15 beziehungsweise zehn Tage lang auszusetzen. Zuvor hatten bereits die deutschen Autobauer Volkswagen und Mercedes-Benz eine Produktionspause in Brasilien verfügt.

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro erneuerte derweil am Donnerstag in Online-Netzwerken seine Kritik an Lockdown-Maßnahmen. Der wegen seines Krisenmanagements unter Druck stehende rechtsradikale Präsident sprach sich kürzlich jedoch für eine Beschleunigung der Corona-Impfkampagne in Brasilien aus, nachdem er die Wirksamkeit der Impfungen zuvor immer wieder in Frage gestellt hatte.

Der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bezeichnete die Folgen der Corona-Pandemie in seinem Land als „Völkermord“. „Am Dienstag sind in Brasilien 3158 Menschen an Covid gestorben, es ist der größte Genozid unserer Geschichte“, sagte Lula dem „Spiegel“ laut Vorab-Meldung vom Freitag. Bolsonaro warf er vor, das Virus ein Jahr lang nicht ernst genommen und die Brasilianer angelogen zu haben. 

„Wenn er ein bisschen Größe hätte, dann hätte er sich bei den Familien der 300.000 Covid-Toten und Millionen Infizierten entschuldigt. Er ist dafür verantwortlich“, sagte Lula. „Brasilien hält es nicht länger aus, wenn dieser Mann so weiterregiert.“ Lula könnte Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr herausfordern. Anfang März hatte ein Richter des Obersten Gerichts alle Korruptionsurteile gegen ihn für ungültig erklärt. 

Bundesregierung schickt 80 Beatmungsgeräte

Am Freitagmorgen startete eine Luftwaffen-Maschine vom Flughafen Köln-Bonn aus in Richtung Brasilien, wie die Flugbereitschaft bei Twitter bestätigte. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes und des Bundesgesundheitsministeriums sollen 80 Beatmungsgeräte in die besonders schwer von der Pandemie getroffene Region Manaus gebracht werden. 

Mexiko meldete am Donnerstag, dass es die Schwelle von 200.000 Corona-Toten überschritten habe. Schon 200.211 Menschen seien an Covid-19 gestorben, erklärte der Chef-Epidemiologe im mexikanischen Gesundheitsministerium, José Luis Alomia. Damit hat Mexiko die weltweit dritthöchste Corona-Opferzahl nach den USA und Brasilien. Im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl belegt es bei den Corona-Toten Rang 17.

In Peru wurde am Donnerstag die Schwelle von anderthalb Millionen Corona-Infektionen überschritten. Mit 7946 Neuinfektionen binnen eines Tages stieg die Fallzahl auf 1.500.465, wie das Gesundheitsministerium in Lima mitteilte. Die Zahl der Corona-Toten in dem 32-Millionen-Einwohner-Land stieg um 175 auf 50.831.




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