Coronavirus in Deutschland und Baden-Württemberg Steigende Infektionszahlen bei Schülern erwartet

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Deutschlandweit werden nun mehr als 9000 Corona-Tote gezählt. Während die Infiziertenzahlen insgesamt wieder sinken, sind Kinder und Jugendliche weiter überproportional betroffen.

Kitas und Schulen öffnen wieder – damit steigen auch die Infektionszahlen. Foto: dpa/Carsten Rehder
Kitas und Schulen öffnen wieder – damit steigen auch die Infektionszahlen. Foto: dpa/Carsten Rehder

Stuttgart - Die Zahl der an und mit Covid-19 Verstorbenen in Deutschland liegt nun bei über 9000. Das geht aus aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts hervor. 9003 Menschen sind demnach Stand Donnerstagmorgen an oder mit dem Virus verstorben, davon 1839 in Baden-Württemberg. Den jüngsten Todesfall meldete das Landesgesundheitsfall aus dem Landkreis Emmendingen.

Bundesweit waren 86 Prozent der verstorbenen 70 Jahre oder älter. Sie sind wesentlich stärker bedroht als der Rest der Bevölkerung – das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Anteil dieser Altersgruppe an den Corona-Infizierten bei nur 18 Prozent liegt. Dies geht aus dem aktuellen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts hervor.

Weiterhin relativ viele Jugendliche infiziert

Wegen mehr Tests in dieser Altersgruppe und weil mittlerweile Schulen und Kitas im Land wieder geöffnet haben, bleibt der Anteil der neuinfizierten Kinder Jugendlichen weiterhin relativ hoch. So wie schon in der vergangenen Woche ist jeder fünfte Neuinfizierte im Südwesten 19 Jahre oder jünger, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Landesgesundheitsamts hervorgeht. Bundesweit liegt der Anteil der Unter-19-Jährigen bei den Infizierten schon seit Anfang Juni um die 20 Prozent, wie eine Datenabfrage beim Robert-Koch-Institut ergibt. Im Schnitt stecken sich deutschlandweit derzeit etwa 500 Kinder und Jugendliche an.

In Baden-Württemberg wurden zuletzt in Karlsruhe und Göppingen Schulen infolge von Corona-Erkrankungen geschlossen und Reihentests veranlasst – und anschließend Infektionen gefunden. Zwar handelt es sich um absolut eher geringe Zahlen. Weil aber mittlerweile etwa Altersheime besser gegen Infektionen geschützt sind, „sind Kinder und Jugendliche in der Infiziertenstatistik jetzt nicht mehr unterrepräsentiert“, sagt der Epidemiologe Stefan Brockmann vom Landesgesundheitsamt.

Der Fokus wird zumindest bis zu den Sommerferien weiter auf den Kindern und Jugendlichen im Land liegen. „Das sind mit Betreuern rund 1,8 Millionen Personen. Da begeben wir uns jetzt auf einen Weg“, vermutet Stefan Brockmann. Er erwartet vor Herbst keine explodierenden Zahlen, „aber im Juli wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den Infizierten sicherlich zunehmen“.

Dieser eine Ausbruch

Insgesamt ist bei den Infektionen der Beginn einer im Verlauf des Juni befürchteten „zweiten Welle“ ausgeblieben. Die zwischenzeitlich steigenden Fallzahlen waren insbesondere auf den Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Nordrhein-Westfalen zurückzuführen. Dass ein einzelner Ausbruch die bundesweiten Werte so sichtbar beeinflussen kann, ist auch eine Folge der insgesamt stark zurückgegangenen Infektionszahlen.

Das folgende Schaubild gibt die Entwicklung der Infizierten, Genesenen und Verstorbenen im Verlauf des Juni wieder:

Der Ausbruch im Kreis Gütersloh sowie dem benachbarten Kreis Warendorf wirkt sich auch auf die Zahlen im Bundesländervergleich aus. Hier weist Nordrhein-Westfalen aktuell die höchsten Werte auf. In anderen Bundesländern sind zuletzt teilweise so gut wie keine Infektionen registriert worden, in Baden-Württemberg stecken sich aktuell etwa sechs Personen pro Tag an.

Die Daten sind also derzeit stark von einzelnen Ausbrüchen geprägt. In Baden-Württemberg gab es im zurückliegenden Monat keinen größeren Ausbruch. Zuletzt stiegen im Raum Karlsruhe die Zahlen wegen Infektionen in einer Glaubensgemeinschaft an, allerdings im überschaubaren Rahmen. Auch in den Kreisen Böblingen und Ostalb wurden im Juni zwischenzeitlich vermehrt Fälle registriert, aber nur über den Zeitraum weniger Tage:

Wichtig für die Einordnung der aktuellen Zahlen insbesondere auf Kreis- und Landesebene: Neben akuten Ausbrüchen kann auch die Testintensität für Verzerrungen beim Vergleich sorgen. Während der Anteil der gefundenen Corona-Infektionen besonders in den Flächenländern in etwa gleich ist, testen einige Länder mehr (etwa Bayern) und andere weniger (Baden-Württemberg). Darüber wurde zuletzt auch politisch gestritten.

In Baden-Württemberg werden Reihentests, also die Untersuchung größerer Gruppen, nur fallweise angewendet – etwa wenn es zu einem örtlichen Corona-Ausbruch kommt. Im Zuge solcher Massentests werden oftmals weitere Infizierte entdeckt, die bis dato häufig symptomfrei waren und daher von sich aus keinen Test veranlasst hätten.

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