Coronavirus in Italien Haben deutsche Urlauber in Südtirol jetzt Angst?

Skispaß in Südtirol: Darauf können sich die Touristen nach wie vor freuen. Foto: Nicolò Miana/SIME/Schapowalow
Skispaß in Südtirol: Darauf können sich die Touristen nach wie vor freuen. Foto: Nicolò Miana/SIME/Schapowalow

Die Urlaubsregion bereitet sich detailliert auf das Coronavirus vor. Die Touristen sollen das Skifahren und die Hüttenabende aber möglichst ungestört genießen.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Bozen - Die Sonne lacht, der Schnee glänzt verführerisch – das ist das ideale Wetter für einige Urlaubstage mit viel Ski- und Rodelspaß. Südtirol ist bekannt dafür, dass es all dies gerade jetzt bieten kann. Und die vielen, die dort gerade unterwegs sind in den Bergen und in den malerischen Städten, die finden jetzt genau dies vor.

Aber sie finden auch genau das vor, das sie gerade in Südtirol in diesen Tagen nicht vorfinden wollten: „Coronavirus: Jetzt hat auch Südtirol seinen ersten Fall“ titelt „Dolomiten“, die älteste deutschsprachige Tageszeitung in Südtirol. Darunter geht es auf der Titelseite auch gleich weiter mit Überschriften wie „So hat das Virus unseren Alltag verändert“, „Krisensitzungen in Bozen“, „Hamsterkäufe“ oder „Warum so viele Fälle in Italien“.

Inzwischen ist der Virus freilich auch in Baden-Württemberg angekommen. Als es am vergangenen Wochenende in die Berge ging, war davon freilich noch nichts bekannt. Aber umsichtiges Verhalten war bei vielen von Anfang an angesagt, etwa bei einigen Reisenden des Vereins Sportkultur Stuttgart. Angst habe sie „kein bisschen“, sagt etwa Bettina Borg. Die Ärztin zählt sich nicht zur Risikogruppe, alle Gruppenmitglieder seien topfit. Sie ist mit ihrem Mann und den beiden acht und zehn Jahre alten Kindern nach Südtirol gefahren. Wichtig findet sie, dass jetzt Hygienevorschriften wie Händewaschen eingehalten werden.

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„Ich kann es nicht greifen, für mich ist die Gefahr surreal“, sagt Bettina Lindenmaier. Wobei es für sie beunruhigend ist, welche drastischen Maßnahmen ergriffen werden: „Aber man kann sowieso nichts machen, man muss es nehmen, wie es kommt“. Die Furcht einiger anderer, dass sie möglicherweise gar nicht aus Italien mehr wie vorgesehen rauskommen, die scheint sich nicht zu bewahrheiten.

Unter den vielen Urlaubern sind auch einige Kollegen unserer Zeitung. „Hier ist ein wahnsinnig tolles Wetter, alle sind unterwegs und haben viel Spaß“, berichtet etwa Redakteur Norbert Burkert, leicht atemlos und offenbar mit viel Vorfreude auf die nächste Abfahrt, „von einer Angst vor Ansteckungen ist hier nichts zu spüren. Und abends sind die Lokale alle voll, die Stimmung ist bestens. Der Corona-Virus ist hier kein Thema“.

Skipause in Bruneck

Er fühlt sich rundum wohl an seinem Urlaubsziel in den Dolomiten. Claudia Bell dagegen hat mal einen Tag Skipause in Bruneck eingelegt. Auch, um sich etwas umzuhorchen. „Ja, hier ist die Rede von Absagen und von kompletten Stornierungen“, hat sie aus der Hotellerie mitbekommen, „aber man ist hier von einer Panik noch weit entfernt. Aber bei einigen Einheimischen ist die Stimmung schon ziemlich gedrückt.“ Doch Bell beschreibt auch die andere Seite: „Die Städte und die Pisten sind voll mit Leuten, es geht hoch her. In Brixen etwa haben wir überall Belgier angetroffen“.

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Bell ist unterwegs in einer Gruppenfahrt von Mitgliedern des Alpenvereins, besuchen während ihrer Urlaubstage also mehrere Stationen in Südtirol. In Sachen Berge ist das also ein eher erfahrener Menschenschlag, deren Ziele jetzt weniger jene sind, die besonders viele Touristen anziehen. Dennoch beobachten sie seismografisch das Geschehen jetzt in Sachen Coronavirus, aus eigener Verantwortung heraus und aus Verantwortung gegenüber Reisenden,die sich dem Alpenverein anvertraut haben. Martin Niedrist etwa, bei der Landesgeschäftsstelle des Alpenvereins Südtirol für die Schutzhütten verantwortlich: „Von den zwölf Hütten in unserem Gebiet sind derzeit eh nur vier offen. Von diesen Hüttenwirten gab es bisher noch keine Meldungen, dass Leute abgesagt haben. Aber da informieren wir uns jeden Tag aufs Neue“.

Ganz ähnlich klingt es auch aus der Sektion Stuttgart des Deutschen Alpenvereins: „In etwa zwei Wochen startet von uns wieder eine Tour nach Südtirol“, sagt der Geschäftsführer Franz Böcker, „die war ja schon langfristig vorhergeplant. Bisher haben keine Teilnehmer abgesagt, bisher gibt es für uns keinen Anlass, dies abzusagen.“ Wie der Bundesverband in München wird da die tägliche Entwicklung in Südtirol genau beobachtet.

Die tägliche Entwicklung genau beobachten

Vor Ort, in Südtirol, in Bozen wird es offensichtlich so ähnlich gehalten: Einerseits so gut wie immer die Abläufe gewährleisten, zugleich für Krisen gewappnet sein. „Es gibt bei uns keine Probleme, alle Busse und Züge im Ort sind fahrplanmäßig unterwegs“, informiert die Sprecherin des Tourismusbüros in Bozen und verweist auf die aktuelle Internet-Seite von Mobilità Alto Adige: Südtirol Mobil. Was bei Krankheitsfällen oder bei Verdacht darauf zu tun sei, dafür informieren detailliert die Vereinigten Sanitätsbetriebe Südtirol.

Der Hotelier- und Gastwirteverband Südtirol hat seine Mitglieder unterdessen in einem Schreiben auf die Situation vorbereitet. Da gibt es konkrete Handlungsanleitungen, sagt Nikolaus Stoll von der HGV-Kommunikationsabteilung: Was macht man mit Gästen, die aus den Corona-Risikogebieten kommen? Was tun, wenn Gäste befürchten, dass sie infiziert worden sind? Wie informiert man Anrufer, die unsicher geworden sind bezüglich einer Reise nach Südtirol?

Auf der großen politischen Ebene haben die Regionen Tirol, Südtirol und Trentino eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Ob Schulen und andere öffentliche Einrichtungen geöffnet bleiben, ob es weiter Veranstaltungen wie Theater oder Fußballspiele gibt, soll jetzt gemeinsam entschieden werden. Ein Beschluss vom Mittwoch lautet: „Der Brenner bleibt bis auf weiteres eine offene Grenze“, sagt Günther Platter, Präsident dieser Euregio-Ländervereinigung.




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