Coronavirus in Stuttgart-Hohenheim Auf diese Leute kann die Uni nicht verzichten

Von Jacqueline Fritsch 

Auch die Universität in Stuttgart-Hohenheim hat ihre Studenten und Mitarbeiter wegen der Corona-Krise ins Homeoffice geschickt. Ein paar Arbeiten müssen jedoch vor Ort erledigt werden. Ein Besuch.

Auch in der Mensa der Uni Hohenheim ist es menschenleer. Die Stühle wurden hochgestellt. Foto: Jacqueline Fritsch
Auch in der Mensa der Uni Hohenheim ist es menschenleer. Die Stühle wurden hochgestellt. Foto: Jacqueline Fritsch

Hohenheim - So leer erkennt man den Unicampus fast nicht wieder. Wo sich sonst tausende Studenten und Dozenten tummeln, sind an diesem Nachmittag lediglich ein paar Spaziergänger unterwegs. Obwohl die Sonne scheint, trifft man auf mehreren hundert Metern gerade einmal eine Person. Die Stühle in der Mensa sind fein säuberlich auf den Tischen aufgereiht. Es wirkt, als sei wochenlang keiner da gewesen. Die Gebäude sind verschlossen, auch das Schloss ist zurzeit nicht öffentlich zugänglich. Was von außen nicht erkennbar ist: Ein paar wenige Menschen arbeiten zurzeit noch an der Uni.

Der erste Weg führt in den Kuhstall

Der erste Weg führt Lisa Uhland morgens in den Kuhstall. Die sechs dort beheimateten Rinder sind nicht ins Homeoffice geschickt worden – und haben Hunger. Deshalb ist auch Lisa Uhland trotz gestrichenem Präsenzbetrieb weiterhin an der Uni tätig. Sie begrüßt die Tiere, schaut, ob alle fit sind und füttert sie. Melken muss sie nicht, denn die Versuchstiere auf dem Campus geben zurzeit keine Milch. Später dürfen sie nach draußen auf die Weide, während Lisa Uhland weiter zu den Schafen und Hühnern geht. „Für die Tiere ändert sich gerade gar nichts“, sagt sie. Denn die Aufgabe des Fachgebiets Tierernährung gehört zu den systemrelevanten Berufen, die als einzige zurzeit noch vor Ort ausgeübt werden dürfen.

Wegen der Corona-Krise hat die Uni Hohenheim ihren Präsenzbetrieb eingestellt. Von rund 10 000 Mitarbeitern und Studenten halten sich in diesen Tagen noch etwa 500 auf dem Campus auf. „Wir sind also nur noch mit fünf Prozent vor Ort“, sagt Florian Klebs, Sprecher der Uni. Er erklärt, dass nur die Leute vor Ort arbeiten, die Pflanzen gießen, Tiere füttern, die EDV am Laufen halten, sich um Wärme- und Trockenschränke kümmern und so weiter. „Damit leistet die Universität ihr Möglichstes zur Eindämmung der Infektionsgeschwindigkeit und verringert gleichzeitig die Infektionsgefahr für alle Universitätsangehörigen deutlich“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch im Kuhstall merkt man, dass weniger los ist als sonst. Während sich normalerweise an Wochentagen zwei Mitarbeiter um die Tiere kümmern, wechseln sich die Kollegen nun ab. „Es ist schon ein bisschen komisch, wenn man nie irgendjemanden sieht“, sagt Lisa Uhland, „es ist nicht einmal wie am Wochenende, weil sogar die Spaziergänger fehlen.“ Immerhin seien die Rinder, Schafe und Hühner noch da. „Ich schaue mir oft die Tiere auf der Weide an und denke, die machen sich gerade keine Sorgen, also mache ich mir auch keine“, sagt Uhland.

Prioritäten haben sich verschoben

Während sich an Lisa Uhlands Aufgaben aktuell nichts ändert, haben die Kollegen vom Campusservice und der Gebäudereinigung einiges umgestellt. „Wir müssen jetzt gucken, dass die Gebäude verschlossen bleiben und haben uns darum gekümmert, dass die Warenannahme an einer zentralen Stelle läuft, weil die Institute zurzeit nicht erreichbar sind“, sagt Uwe Klenk vom Campusservice. Auch beim täglichen Putzen hätten sich die Prioritäten verschoben. „Wir sind mit der normalen Personalstärke unterwegs, legen aber nun einen Schwerpunkt darauf, dass Türgriffe, Geländer, Toiletten und Handtuchspender regelmäßig desinfiziert werden“, sagt Klenk. Das funktioniere trotz Mangel an Desinfektionsmittel, da die Uni nun selbstgebranntes Ethanol benutzt.

Wer keine systemrelevanten Aufgaben hat, arbeitet zurzeit im Homeoffice. Für Studenten und Dozenten sei das kein Problem, meint Florian Klebs. Vorlesungen wären aktuell sowieso keine gewesen, die Prüfungsphase wurde verschoben. Im Internet würde die Uni schon immer viele Lehrunterlagen bereitstellen. Andere Abteilungen würden sich zuhause schwerer tun. „Videokonferenzen haben manche Kollegen vorher noch nie gemacht“, sagt Klebs. Die Senatssitzung würde in einigen Tagen zum ersten Mal digital geführt. Und in Klebs’ Haushalt zum Beispiel gebe es regelmäßig Probleme mit dem Internet, weil die ganze Familie im Homeoffice ist. „Es sind hoch spannende Zeiten gerade.“

Uni soll am 20. April wieder losgehen

Aktuell ist der Semesterbeginn aller Hochschulen und Unis für den 20. April angesetzt. Daran, dass dieser Termin noch einmal verschoben werden könnte, will Florian Klebs heute noch nicht denken. „Wir sorgen trotzdem für gute und verlässliche Studienbedingungen“, sagt er. Egal, wann sich der Campus wieder füllt.

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