Coronavirus in Stuttgart Infektionsfälle in Schulen sind leicht rückläufig

Während des Unterrichts müssen Pennäler in der Schulbank keine Maske mehr tragen. Derzeit gibt es deswegen keine steigenden Coronazahlen an Stuttgarts Schulen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Während des Unterrichts müssen Pennäler in der Schulbank keine Maske mehr tragen. Derzeit gibt es deswegen keine steigenden Coronazahlen an Stuttgarts Schulen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Stadt sieht keinen Anlass, die Vorgaben in Kitas und Schulen wieder zu verschärfen. Verwaltung und Rat setzen darauf, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Anfang November öffnen kleine Impfzentren in der Klett-Passage und im Milaneo.

Lokales: Mathias Bury (ury)
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Stuttgart - Trotz der auch in der Landeshauptstadt wieder stärker steigenden Sieben-Tage-Inzidenz, die am Montag auf 157,5 Fälle pro 100 000 Einwohner gestiegen ist (bei 262 Neuinfektionen), sieht man sich bei der Stadt gut gerüstet für die nächste Zeit. Insbesondere die wachsende Nachfrage nach offenen Impfangeboten wertet man als ein gutes Zeichen und baut diese aus. Für eine Rückkehr zur Maskenpflicht im Schulunterricht sieht man angesichts der in den Bildungseinrichtungen derzeit sinkenden Infektionsfälle keinen Anlass.

Man sitzt wieder enger

Anders als auf der Verwaltungsbank, wo Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) am Montag im Sozialausschusses wie die meisten Fraktionsmitglieder keine Maske mehr trug, behielt Beate Bulle-Schmid von der CDU ihren Mund-Nasen-Schutz bei. Sie sei auch überrascht, dass man wieder enger sitze – aber weiter mit einem freien Stuhl zwischen den Plätzen –, sagte die Stadträtin. „Mit gefällt das nicht, ich fühle mich so nicht richtig wohl.“

Lage in Schulen und Altenpflegeheimen stabil

Kritisch sehen einige im Ausschuss auch, dass seit Mitte Oktober in den Schulen während des Unterrichts keine Maske mehr getragen werden muss. Maria Hackl von der SPD wollte wissen: „Gibt es keine steigenden Zahlen?“ Guntrun Müller-Enßlin vom Linksbündnis hält den Schritt „für fragwürdig bei Kindern, die nicht geimpft werden können“. Ina Schumann von Puls hält den Coronaschutz in der Schule deshalb und auch angesichts einiger Ausbrüche an Grundschulen „nur noch für begrenzt gegeben“.

Doch Martin Priwitzer, der Abteilungsleiter Gesundheitliche Versorgung im Gesundheitsamt, sagte, es gebe aktuell „keine steigenden Zahlen in Kitas und Schulen“, diese seien eher „gleichbleibend bis abnehmend“. So waren am Montag an 19 Kitas aktive Infektionen registriert, drei weniger als bei der vorherigen Ermittlung. Die Zahl der Fälle ist um vier auf 29 zurückgegangen (davon sechs Mitarbeiterinnen). Ähnlich an den etwa 200 Schulen in der Stadt, wo es an 75 (minus sechs) insgesamt 158 Infektionsfälle gibt (minus 14). Derzeit ist keine Kitagruppe in Quarantäne, aber drei Schulklassen mit 81 Schülern. Bei den Zwölf- bis Siebzehnjährigen liege die Impfquote landesweit inzwischen bei 37 Prozent. Auch in den Altenpflegeheimen sei „die Situation stabil“, so Priwitzer. Infektionsfälle träten in den Einrichtungen nur als Einzelfälle auf. Woraus der Leiter des Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt, den Schluss zieht, „dass die vulnerablen Gruppen in Stuttgart sehr gut geschützt sind“. Ehehalt verwies auch darauf, dass Corona-Infektionen bei Kindern „für gewöhnlich keine schweren Verläufe“ nähmen, diese kämen „nur in Einzelfällen“ vor. Angesichts dessen habe man auch keinen Grund, die Vorgaben des Landes zu verschärfen, so Ehehalt. Vor diesem Hintergrund „wäre das auch nicht rechtmäßig“.

Keine schweren Verläufe bei Kindern

Man befinde sich in einer Phase der Pandemie, in welcher „der Einzelne wieder mehr Verantwortung bekommt“, betonte Ehehalt. Was Schutzmaßnahmen wie Hygieneregeln oder das Tragen einer Maske angeht, sagte Ehehalt: „Wenn Maßnahmen nicht vorgeschrieben sind, heißt das nicht, dass sie nicht sinnvoll sind. Sie werden nur in meine Verantwortung gelegt.“

Impfangebote in leer stehenden Ladengeschäften

Dennoch erntete Michael Mayer von der AfD starken Widerspruch, als er die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ überhaupt in Zweifel zog, von einer „nicht gerechtfertigten Notstandssituation“ sprach und in allen Dingen wieder uneingeschränkte Freiheit der Bürger forderte.

Alexandra Sußmann stellte klar, dass der jetzige Umgang mit der Pandemie nur möglich sei, weil man „eine gute Impfquote“ habe. Aber man sei „noch nicht über dem Berg“. Weil die Quote in Stuttgart mit rund 60 Prozent vollständig Geimpften noch unzureichend sei, wolle man nutzen, dass sich viele noch ungeschützte Bürgerinnen und Bürger nun offenbar doch impfen lassen wollen. Nach der Impfaktion am Samstag auf dem Kronprinzplatz, wo etwa 600 Personen einen Piks bekommen haben, soll es weitere Aktionen geben. Zum einen mit einem kleineren Impftransporter, einem Mercedes Sprinter. Anfang November werden zwei kleine Impfzentren in der Klett-Passage, auf der Fläche einer früheren Bankfiliale, sowie auf einer Ladenfläche im Milaneo eingerichtet.

Intensivpatienten zuallermeist ungeimpft

Wie sehr das Impfen gegen das Coronavirus helfe, machte Martin Priwitzer deutlich. Dass ein Ungeimpfter mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kommt, sei um das Fünffache höher als bei einem Geimpften. Und: „95 Prozent der Intensivpatienten sind nicht geimpft“, so Priwitzer. Todesfälle gebe es trotz Impfung nur wegen „schwerer Begleiterkrankungen“. Die Betroffenen stürben nicht an, sondern mit Corona.




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