Coronavirus in Stuttgart Keiner kennt die Impfquoten von Kitas und Schulen

Selbst Schüler lutschen lieber am Stäbchen, statt damit in der Nase zu popeln. Foto: imago images/Eibner

Der Impfstatus unterliegt dem Datenschutz. Deshalb wissen Kita- und Schulträger nicht, wie hoch die Impfquoten beim Personal sind. Man setzt auf Appelle und bei kleinen Kindern künftig auf Lollitests.

Stuttgart - Die Stadt stellt Kitas künftig sogenannte Speichel- oder Lolli-Selbsttests zur Verfügung. Somit kann dort auf den unangenehmen Nasentest verzichtet werden. „Wir stellen derzeit fest, dass die Testbereitschaft spürbar nachgelassen hat“, so Pressesprecher Martin Thronberens.

 

Allerdings spielt dabei auch eine Rolle, dass Kita-Kinder bis zur Aufhebung der Testpflicht zwei Mal wöchentlich getestet worden sind, jetzt gibt es das Testangebot nur noch ein Mal pro Woche. Demgemäß hat sich „die Anzahl der dem Gesundheitsamt gemeldeten Tests in etwa halbiert von 3874 Testungen auf 1961 pro Tag“. Die einfache Handhabung des Lollitests könnte zu einer höheren Testbereitschaft führen, vermutet man bei der Stadt. „Gerade jetzt ist es wichtig, das Testangebot in Anspruch zu nehmen, um einen schnellen Anstieg der Infekte zu verhindern“, so Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung.

Robert-Koch-Institut erfasst nicht den Beruf

Aufgerüttelt haben auch die kürzlich im Schulbeirat vorgelegten Infektionszahlen. Demnach waren im ersten halben Jahr 289 Coronafälle bei Kita-Kindern und fast ebenso viele (252) beim pädagogischen Personal aufgetreten; die Zahl der infizierten Lehrkräfte betrug nur ein Fünftel der rund 400 erkrankten Schüler.

Den besten Schutz bietet das Impfen, doch Daten zu den Impfquoten bestimmter Berufsgruppen gibt es nicht. Seit Februar konnten sich Pädagogen, Erzieherinnen und Erzieher impfen lassen, doch „nach Vorgaben der RKI-Statistik wird lediglich die sogenannte Indikation ,Beruf’ erfasst, nicht aber welcher“, erläutert das Sozialministerium. Das Kultusministerium versichert: „Die Verbände haben rückgemeldet, dass viele Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher das Impfangebot angenommen haben.“

Träger appellieren an die Vernunft

Auch die Stadt Stuttgart geht davon aus, „dass sich die Erzieherinnen und Erzieher ihrer Verantwortung bewusst sind und sich impfen lassen“, heißt es. Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen ist ebenfalls dieser Ansicht. Das Personal sei zu 80 Prozent geimpft, „wir sehen deshalb keine Notwendigkeit für eine Impfpflicht der pädagogischen Fachkräfte“. Die Impfquote bei Eltern sei, altersbedingt, aber niedrig, weshalb man sich an der Organisation der offenen Impftermine beteilige.

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Die Katholische Kirche in Stuttgart setzt „auf Eigenverantwortung und Einsicht“ beim Personal, das eine hohe Impfbereitschaft zeige. Eine Abfrage erlaube der Datenschutz nicht. Alle Beschäftigten und Eltern vom Impfen überzeugen zu können, sei nicht möglich. „Andere Länder wie Frankreich haben die Impflicht für bestimmte Berufsgruppen eingeführt, müssen aber auch mit großen Widerständen umgehen“, sagt Pressesprecherin Nicole Höfle.

„Kein Bedarf“ für eine Impfpflicht

Beim evangelischen Träger ist man ebenfalls zuversichtlich: „Mit den Geimpften und Genesenen liegen wir bei über 80 Prozent, daher sehen wir keinen Bedarf für eine Impfpflicht beim pädagogischen Personal“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer vom Evangelischen Stadtverband. Der Abteilungsleiter setzt auf die Vernunft der Eltern. Diese bekämen den Zusammenhang zwischen Impfquote und Betriebseinschränkungen „leider direkt zu spüren“, wenn Familien in Quarantäne müssten oder Früh- und Spätbetreuung wegen erkranktem Personal ausfielen.

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