Coronavirus in Stuttgart So liefen die nachgeholten Konfirmationsfeiern ab

Pfarrer Andreas Maurer und die ersten Konfirmanden in diesem Jahr, Emil Kurz, Suna Wick, Nico Vollmer, Julian Heidenreich und Mia Beck vor der Versöhnungskirche in Degerloch (von links). Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Weil die Konfirmationsfeiern im Frühjahr wegen der weltweiten Pandemie auch in Stuttgart ausfallen mussten, sind sie nun nachgeholt worden. Viele Familienfeiern fallen allerdings deutlich kleiner aus als geplant.

Stuttgart - Wie in der Degerlocher Versöhnungskirche wurden am Sonntag in vielen evangelischen Kirchengemeinden in Stuttgart Konfirmationsfeiern nachgeholt, die aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr ausfallen mussten. „Statt auf zwei Gottesdienste wurde aus Gründen des Infektionsschutzes die Gruppe von 25 Jungen und Mädchen bei uns in der Versöhnungskirche nun auf vier verteilt“, erklärte Gemeindepfarrer Andreas Maurer. Zwei Gottesdienste fanden deshalb heute statt, zwei weitere werden am kommenden Sonntag gefeiert. Eigentlich hätte die Konfirmation der Degerlocher Jugendlichen bereits Anfang Mai stattfinden sollen. „Ab Mitte März durften wir aber keinen Unterricht mehr abhalten.“ Auch der traditionelle Katechismus-Gottesdienst, bei dem die Konfirmanden vor der Konfirmation darüber Rechenschaft ablegen, was sie im Unterricht erlernt haben, musste in diesem Jahr in der Degerlocher Kirchengemeinde Corona-bedingt ausfallen.

 

Oma und Opa können wegen der Ansteckungsgefahr nicht dabei sein

Bis kurz vor den Sommerferien stand bei den Konfirmationsgruppen in Stuttgart erst einmal alles still. „Nach den Ferien fanden dann noch einige wenige Unterrichtsstunden statt“, sagte Pfarrer Maurer. „Da haben wir dann alle gemeinsam geplant, wie wir die Feier gestalten wollen.“ Am Sonntag blieb in der Kirche in der Löwenstraße aus Hygienegründen jede zweite Bank leer, für die Familien und ihre Gäste wurden Sitzpläne erstellt, Großeltern wurden mit ausreichend Abstand gesondert platziert. In der rund 300 Besucher fassenden Kirche sollte auf diese Weise der Infektionsschutz gewährleistet werden.

Bei Suna Wick konnten einige Familienmitglieder wegen der Ansteckungsgefahr dennoch erst gar nicht teilnehmen. „Meine Oma und mein Opa sind nicht dabei. Sie wären aber gerne gekommen“, sagte die 14-Jährige. Auch für die Familie von Nico Vollmer, der wie Suna am Sonntag konfirmiert wurde, hatte die Corona-Krise Auswirkungen: „Bei uns kann die Familie aus Frankreich nicht anreisen“, erzählte der 14-Jährige. Die privaten Feiern im Anschluss an den Gottesdienst fielen in diesem Jahr in praktisch allen Familien kleiner aus als ursprünglich geplant.

Der Patenonkel aus New York hatte sich angekündigt – und musste wieder absagen

So auch bei den Heidenreichs: „Wir hatten ein wirklich großes Fest geplant“, sagte Maja Heidenreich, deren Sohn Julian ebenfalls die Konfirmandengruppe der Versöhnungskirche besucht hat. „Familienmitglieder aus der Schweiz, vom Bodensee, aus Freiburg und München, sogar der Patenonkel aus New York hatten sich angekündigt und mussten wieder absagen.“ Statt mehr als 35 waren es so am Ende nur knapp 20 Gäste, die mit dem 14-jährigen Julian feierten.

„Den Konfirmanden und ihren Familien wird dieses Corona-Jahr sicher noch lange in Erinnerung bleiben“, betonte denn auch Oliver Hoesch, Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er blickt dennoch zuversichtlich auf die kommenden Wochen: „Jetzt liegen bereits Konfirmationsfeiern in einigen Gemeinden hinter uns – und wir haben dazu trotz der besonderen Umstände gute Rückmeldungen bekommen.“ Unterdessen hat die Diakonie Württemberg anlässlich der aktuell stattfindenden Konfirmationen wieder die Aktion „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ ausgerufen. Wie die Diakonie informiert, werden mit der Aktion Spenden gesammelt, um junge Menschen in Indien, Brasilien und Äthiopien zu unterstützen. Konfirmationsgruppen des kommenden Jahrgangs können sich noch anmelden.

Fällt der Gabentisch wegen geringerer Gästezahl kleiner aus?

Unklar ist, ob bei dem einen oder anderen Konfirmanden der Gabentisch in diesem Jahr wegen geringerer Gästezahl deutlich kleiner ausgefallen ist, als es in einem Jahr ohne Pandemie der Fall gewesen wäre. Maja Heidenreich lacht: „Stimmt, das wissen wir tatsächlich nicht. Das ist aber auch nicht so wichtig.“ Sie und ihr Sohn, betont die Mutter des 14-Jährigen, seien vor allem dankbar, dass die Konfirmation überhaupt stattfinden konnte.

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