Coronavirus Region Stuttgart Auch Ludwigsburg sagt Weihnachtsmarkt ab

Die Tore für den Ludwigsburger Weihnachtsmarkt haben sich geschlossen. Foto: Werner Kuhnle

An diesem Dienstag sollten die großen und beliebten Weihnachtsmärkte in Ludwigsburg und Esslingen eröffnen – einen Tag vorher kommt die Absage. Für die Händler ist es eine Hiobsbotschaft, das Chaos ist perfekt.

Ludwigsburg/Esslingen - Die Buden waren längst aufgebaut, der Glühwein stand bereit, alles war vorbereitet – und alles war umsonst. Die Städte Ludwigsburg und Esslingen haben wenige Stunden vor der Eröffnung entschieden, ihre Weihnachtsmärkte in diesem Jahr doch noch abzusagen. An diesem Dienstag sollten die beiden Märkte, die zu den größten und beliebtesten in Baden-Württemberg zählen, ihre Tore für Besucher aufmachen. Die Absage erfolgte am Montagnachmittag. Auch in Schorndorf und in Böblingen wurden am Montag Weihnachtsmärkte abgesagt.

 

Absage in letzter Minute

Andernorts hat man sich, quasi in letzter Minute, bereits zur Absage durchgerungen. „Es tut uns im Herzen weh“, erklärte Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslingen Markt und Event GmbH (EME), in einer Stellungnahme, die um 15.57 Uhr an die Medien verschickt wurde. „Aber um verantwortungsvoll auf die Situation zu reagieren, war die Absage der einzige Weg.“ Ähnlich argumentierte Oberbürgermeister Matthias Klopfer: „Wir müssen dringend eine Überlastung der Kliniken verhindern.“ Die Entwicklung der letzten Tage und die daraus resultierenden Aussichten auf die nächsten Wochen habe die Entscheidung unumgänglich gemacht. „Wir alle hatten uns so sehr gewünscht, in diesem Winter wieder mehr Normalität leben zu können.“

Zumindest indirekt schiebt die Stadt den Schwarzen Peter für die späte Absage weiter an das Land. Von der Regierung habe man sich eigentlich eine klare Entscheidung gewünscht, kritisiert Metzler, ohne dies zu konkretisieren. Er appelliere jetzt an die Verantwortlichen von Bund und Land, für die Händler und Betroffenen der Weihnachtsmärkte wirtschaftliche Hilfsprogramme aufzulegen.

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Doch auch die Stadt wird sich wohl scharfer Kritik stellen müssen. Schließlich steigen die Inzidenzen nicht erst seit Montag, und schon seit Wochen zeichnet sich ab, dass die Situation auf den Intensivstationen dramatisch wird. Ungeachtet dessen hielt Esslingen lange am Weihnachtsmarkt fest.

Das Gleiche gilt für Ludwigsburg. Der dortige Barock-Weihnachtsmarkt lockte 2019, als die Welt noch nicht von der Pandemie gebeutelt war, rund eine Million Besucher in die Stadt. Der Markt mit seinen 150 Ausstellern ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Wohl auch deshalb zögerte die Stadt so lange – die offizielle Absage wurde am Montag sogar noch später als in Esslingen veröffentlicht. „Wir stehen in der Verantwortung, eine Überlastung der Kliniken zu vermeiden“, sagte der OB Matthias Knecht. Nicht nur für Mario Kreh, den Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events, ist dies ein äußerst schwerer Schlag: „Wir waren bis zuletzt zuversichtlich, einen unter den aktuellen Gegebenheiten verantwortbaren Weihnachtsmarkt umzusetzen“, sagte er. „Die heutige Entwicklung einen Tag vor dem planmäßigen Beginn schmerzt besonders, bedeutet das doch für die Händler des Weihnachtsmarkts eine teils existenzielle wirtschaftliche Bedrohung.“

Die Oberbürgermeister werben jetzt fürs Impfen

Sowohl der Ludwigsburger als auch der Esslinger OB appellieren nun an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. „Wir stecken mitten in der vierten Welle, die es zu brechen gilt“, sagte Klopfer.

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