Wie viele Kinder sind bereits geimpft? In Baden-Württemberg sind inzwischen mehr als 55 000 der rund 713 000 Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mindestens einmal gegen Corona geimpft (Stand: 4. Januar), das entspricht 7,6 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe. Baden-Württemberg liegt damit im hinteren Mittelfeld, der Bundesschnitt bei der Impfquote unter den Fünf- bis Elfjährigen liegt bei 8,1 Prozent. An der Spitze steht Berlin mit einer Kinderimpfquote von mehr als 12 Prozent, dahinter folgt Nordrhein-Westfalen mit 11 Prozent. In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind nur etwas mehr als 2 Prozent der Kinder geimpft.
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Wo werden Kinder geimpft? Laut der Kassenärztlichen Vereinigung wurden im Dezember allein in Arztpraxen in Baden-Württemberg rund 35 000 Kinder unter zwölf Jahren erstmals gegen Corona geimpft, außerdem gab es gut 2600 Zweitimpfungen. Zudem können Kinder bei Impfstützpunkten sowie durch mobile Impfteams einen Piks erhalten. In der Impfambulanz in der Stuttgarter Schleyerhalle wurden seit der Öffnung am 13. Dezember insgesamt 15 000 Impfungen gegen Corona durchgeführt, darunter 8000 bei Kindern unter elf Jahren.
Beim Impfstützpunkt des Landkreises Böblingen an der Sindelfinger Messe werden von den täglich 1000 Terminen etwa 140 für Kinder angeboten. Vereinzelt würden dort auch ganze Tage zum Kinderimpfen mit 500 Terminen veranstaltet, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. Für Kinder gebe es kindgerecht gestaltete Impfkabinen mit Postern sowie kleine „Impfbelohnungen“.
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Auch in der Stuttgarter Messe, wo diese Woche bis Donnerstag um 23 Uhr geimpft wird, gibt es eine Impfstraße für Kinder. Fünf- bis Elfjährige bekommen eine Erst- und Zweitimpfung, Jugendliche ab zwölf Jahren können sich boostern lassen.
Sind viele noch unsicher? Ja. Man merkt die Verunsicherung etwa daran, dass auch Eltern, die mit ihren Kindern zum Impfen in eine Praxis kommen, in der Regel einen höheren Beratungsbedarf hätten, sagt Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung. „Das liegt sicherlich auch daran, dass es eine Zeit lang keine Empfehlung der Stiko gab – und die Stiko jetzt nur eine Empfehlung für bestimmte Personengruppen abgegeben hat.“ Auch im Impfstützpunkt in Sindelfingen wird für Kinderimpfungen mehr Zeit veranschlagt – wegen der Beratung.
Werden Kinderärzte angefeindet? Es ist zumindest schwierig, Kinder- und Jugendärzte zu finden, die öffentlich Stellung zum Impfen beziehen. So geben zwar viele an, Kinder zu impfen, teilweise steht dies auch auf ihren Internetseiten. Allerdings werden manche Ärzte so heftig von Impfgegnern und Coronaleugnern angegangen, dass sie weitere mediale Aufmerksamkeit vermeiden. Einige haben bereits beleidigende Mails oder schlechte Online-Bewertungen erhalten.
Wer kann geimpft werden? Seit August 2021 wird die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen. Seit rund drei Wochen sind auch Dosen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren verfügbar. Die Stiko empfiehlt die Impfung für Kinder mit Vorerkrankungen, hat aber erklärt, dass der Impfstoff für alle Kinder zwischen fünf und elf Jahren sicher ist. Für Kinder unter fünf Jahren gibt es keine Empfehlung der Stiko.
Werden trotzdem auch Jüngere geimpft? Wer ein Kind unter fünf Jahren impfen lassen will, wird wohl Wege finden. So hat der Arzt Wolfgang von Meißner in Baiersbronn bereits etliche Kinder unter fünf Jahren geimpft. Einige Eltern sind deshalb Hunderte Kilometer weit in den Schwarzwald gefahren – dies lässt sich etwa auf Twitter nachlesen. Wolfgang von Meißner gibt momentan keine Interviews mehr, weil er nicht weiter im Fokus von „Schwurblern“ stehen wolle, sagt er.
Im Impfstützpunkt in Sindelfingen werde vereinzelt nach Impfungen für Kinder unter fünf Jahren gefragt, sagt die Landratsamtssprecherin Simone Hotz: „Wir halten uns aber streng an die Regeln und den Stichtag zum fünften Geburtstag.“ Grundsätzlich entscheiden Ärzte immer selbst, ob sie eine Impfung vornehmen. „Wir als Impfzentrum haben aber die Marschrichtung: keine Impfung an Kinder unter fünf Jahren“, sagt Hans-Jörg Wertenauer, der die Impfambulanz in der Stuttgarter Schleyerhalle aufgebaut hat. Er selbst könne keine Ärzte benennen, die jüngere Kinder impfen.
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Gibt es genügend Impfstoff für Kinder? Ja, es gebe momentan keinen Mangel, sagt Wertenauer. Während man anfangs den Impfstoff für Kinder vier Wochen im Vorhinein bestellen musste, sei nun eine wöchentliche Bestellung üblich. „Das macht die ganze Planung leichter.“
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