Coronavirus in Stuttgart Fast alle Abiturienten treten zum Haupttermin an

Von Barbara Czimmer 

Die meisten Abiturienten schreiben am kommenden Mittwoch die Deutsch-Klausur mit. Wegen Corona dürften sie dieses Jahr den Nachprüfungstermin wahrnehmen – doch nur fünf Prozent tun es.

Das Abitur hat am Montag begonnen, am  Mittwoch steht die Deutschprüfung auf Programm. Foto: Christian Hass/Daniel Moritz
Das Abitur hat am Montag begonnen, am Mittwoch steht die Deutschprüfung auf Programm. Foto: Christian Hass/Daniel Moritz

Stuttgart - Die Vorbereitungszeit zur Abiturprüfung war kurz: Das Coronavirus zwang das Land zu Schulschließungen, geöffnet wurden die Klassenzimmer erst wieder am 4. Mai. Auf die Prüfungen wollte das Kultusministerium nicht verzichten, allerdings hatte es den Schülern angeboten, erst den Nachtermin in der Zeitspanne vom 16. bis zum 26. Juni wahrzunehmen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart haben sich nur 4,85 Prozent der 2184 Schüler von öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Gymnasien im Stadtkreis Stuttgart für den Aufschub der Prüfung entschieden, an den öffentlichen Gymnasien geringfügig mehr als an den privaten.

An den beruflichen Gymnasien sieht es hingegen ganz anders aus: Dort wollen laut Regierungspräsidium 19,2 Prozent der insgesamt 969 Abiturienten erst zum Nachtermin antreten. Felix Winkler, der geschäftsführende Schulleiter der gewerblichen beruflichen Schulen in Stuttgart, hat für die ungewöhnlich hohe Zahl der Prüflinge, die erst zum Nachtermin antreten wollen, keine Erklärung, da dies an seiner Schule, der Schule für Farbe und Gestaltung, nicht der Fall sei. „Wir beraten die Schüler dahingehend, dass sie am Haupttermin teilnehmen.“ Auch beim Berufskolleg und den Fachschulen hätten sich fast 100 Prozent der Prüflinge für den Haupttermin entschieden, so Winkler.

Zeit zum Vertiefen genutzt

Holger zur Hausen, Schulleiter des Zeppelingymnasiums, bestätigt: „Bei uns nehmen alle den Haupttermin.“ Die Schüler seien gut vorbereitet, „denn zum Zeitpunkt der Schließung ab dem 17. März waren die prüfungsrelevanten Inhalte in der Regel bereits behandelt“. Die letzten 14 Tage habe man intensiv zum Vertiefen und Üben genutzt. „Rein inhaltlich dürfte den Schülern kein Nachteil gegenüber regulären Jahren entstanden sein“, sagt er.

Am Ferdinand-Porsche-Gymnasium kommt der in diesem Sommer eingesetzte neue Schulleiter Ulrich Göser zu einer ähnlichen Einschätzung: „Dass in den letzten Wochen der Fokus ausschließlich auf den prüfungsrelevanten Fächern lag, ist für die Abiturienten eigentlich eine Erleichterung gewesen und hat intensives Lernen ermöglicht.“ Die Stimmung sei gut, die Kommunikationsprüfungen seien „sehr gut gelaufen“.

Warum trotzdem neun der 74 Prüflinge sich für den ersten Nachtermin entschieden haben, wisse er nicht, zumal die Schüler ja keinen Grund angeben mussten. „Die emotionale und psychische Belastung ist in diesem Jahr größer“, räumt zur Hausen ein, „dies haben wir in vielen individuellen Gesprächen abzumildern versucht.“

Die Schülersprecher im Land haben sich nach Auskunft des Stuttgarter Schülersprechers Semir Duman entschieden, nicht gegen die Verpflichtung zur Abiturprüfung zu klagen. „Eine Klage kostet Ressourcen“, sagt Duman, der selbst Schülersprecher und Abiturient am Wagenburggymnasium ist und sich wie landesweit mehr als 100 Schülersprecher für freiwillige Abiturprüfungen eingesetzt hat. Obwohl er die Verpflichtung zum Mitschreiben scharf kritisiert, kommt Semir Duman doch zu folgendem Schluss: „Wir empfehlen allen mitzuschreiben“, sagt der Schülersprecher. Ein schlechtes Abitur sei immer noch besser als gar keines. Die Chancengleichheit sei in diesem Jahr aber nicht gegeben.

Schüler sollen keinen Nachteil haben

Die Kultusministerin Susanne Eisenmann sieht das ganz anders. Sie hat den Abiturienten zugesichert, dass ihnen „keine Nachteile aus der aktuellen Situation entstehen dürfen“. Das Kultusministerium achte darauf, dass die Prüfungen fair ablaufen, und man habe alle beteiligten Lehrkräfte „ausdrücklich gebeten, angesichts der besonderen Situation ihren pädagogischen Spielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu nutzen“.

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