Coronavirus und Schule Gymnasien ziehen Coronabilanz
Das Schuljahr war schwierig. Doch bleiben nun auch mehr Schüler sitzen? Wann wurde besonders flexibel bewertet?
Das Schuljahr war schwierig. Doch bleiben nun auch mehr Schüler sitzen? Wann wurde besonders flexibel bewertet?
Kreis Ludwigsburg - Die Zeugnisse sind verteilt. Die meisten Kinder und Jugendlichen sind in die Ferien entschwunden im Wissen, im kommenden Schuljahr in die nächsthöhere Klasse zu gehen. Einige leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler müssen aber – im Gegensatz zum Vorjahr – das Schuljahr wiederholen. Wie fällt der Vergleich mit Zeiten vor der Pandemie aus? Schnell wird klar: Ein pauschaler Überblick fällt schwer.
„Es ist schwierig, da eine verlässliche Aussage zu treffen“, sagt Mathias Hilbert, Schulleiter des Ludwigsburger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) und Geschäftsführender Schulleiter für alle Ludwigsburger Gymnasien. Aus Gesprächen mit Kollegen habe er herausgehört, dass aufgrund der Coronasituation nach wie vor sehr moderat benotet worden sei. „Es trifft aber sicher auch zu, dass ein paar mehr Schüler eine Ehrenrunde drehen.“ Das Bild sei sehr diffizil. „Denn es gibt auch eine ganze Reihe an Schülern, die sich stark verbessert haben.“ „Aus dem Bauch heraus sind es mehr als noch vor Corona“, sagt Christoph Mühlthaler, Schulleiter des Kornwestheimer Ernst-Sigle-Gymnasiums (ESG) mit seinen rund 700 Schülern. Exakte Zahlen hat er aus dem Stegreif keine parat, mögliche Gründe aber sehr wohl: Im vergangenen Sommer habe das Kultusministerium alle Schüler versetzen lassen. „Jetzt haben wir die Nichtversetzungen aus zwei Schuljahren eben in einem komprimiert“, sagt Mühlthaler. Anders die Situation am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium, dem mit 2600 Schülern größten Gymnasium des Landes: FSG-Direktor Volker Müller sagt, es seien „wesentlich weniger als in einem normalen Schuljahr“. Genaue Zahlen gab es auch aus Marbach nicht. Das Regierungspräsidium Stuttgart als Aufsichtsbehörde wollte keinen Befund für alle Gymnasien in und um Stuttgart abgeben. Es führe über die Zahl der Versetzungen keine Statistik.
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„Es gab eine große Flexibilität“, sagt ESG-Schulleiter Christoph Mühlthaler. Alle Pflichtarbeiten hätten stattgefunden. „Es ist pädagogisch wichtig, dass die Schüler auf ein Ziel hinarbeiten“, betont Mühlthaler. Klausurzahlen pauschal reduziert habe man in keinem Fach. Mathias Hilbert sagt: „Es gibt Verlierer und Gewinner. Aber es haben tatsächlich viele im Heimunterricht nicht mehr ausgehalten und sind abgestürzt.“
Das geht, allerdings ist es nicht an der Tagesordnung. Eine „Versetzung auf Probe“ bedeutet, dass ein Schüler die notwendigen Noten nicht vorweisen kann – die relevanten Prüfungen aber vier Wochen nach Wiederbeginn des Schuljahres ablegen kann, sofern die Klassenkonferenz eine positive Prognose gibt. Eine „Aussetzung der Versetzung“ ist zum Beispiel bei einem längeren Klinikaufenthalt eines Schülers oder einer Schülerin denkbar. Und dann gibt es noch die „ausnahmsweise Versetzung“. „Das ist möglich, wenn ein Schüler sichtbar aufgrund der Coronapandemie eingebrochen ist, vorher aber ordentliche Noten hatte“, sagt Mühlthaler. Vereinzelt habe es auch an seinem Gymnasium zum jetzigen Schuljahresende solche Fälle gegeben.
Am Kornwestheimer ESG weiß Christoph Mühlthaler von lediglich vereinzelten Fällen – er spricht von zweien. Die Schüler oder Schülerinnen, die gesundheitliche Gründe gehabt oder die regelmäßigen Coronatests verweigert hätten, seien separat von den Fachlehrern mit Arbeitsmaterial versorgt worden. Das habe gut funktioniert. Zum Vergleich: Am Marbacher FSG kümmerten sich Lehrer in speziellen Digitalklassen um 20 bis 30 Schüler, die auf diese Weise voll am Unterricht beteiligt wurden. Der Leistungsstand dieser Schüler sei gut, betont Schulleiter Müller, da das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrer und Schülern eins zu eins oder eins zu zwei betragen habe.
Mathias Hilbert setzt sich dafür ein, zum kommenden Schuljahresbeginn zunächst Stoff zu wiederholen. „Das ist wichtig, es soll auch Klausuren geben.“ Und neben dem Fokus auf die Schüler will er den Blick auch auf die Lehrkräfte richten. „Ein Großteil der Kollegen ist echt erschöpft.“
Versetzung in die nächste Klasse
Gesetz