Coronavirus US-Regierung wirft Moskau Fake-News-Kampagne vor

Von red/AFP 

Die US-Regierung wirft Moskau vor, eine groß angelegte Desinformationskampagne rund um das neuartige Coronavirus gestartet zu haben. Tausende von Russland gesteuerte Nutzerkonten auf Online-Plattformen verbreiten demnach Falschinformationen.

Koreanische Rettungskräfte im Einsatz gegen das Coronavirus. Die Gefahr ist real, doch was ist mit Gerüchte, die in den sozialen Medien kursieren? Foto: dpa/Lim Hwa-Young
Koreanische Rettungskräfte im Einsatz gegen das Coronavirus. Die Gefahr ist real, doch was ist mit Gerüchte, die in den sozialen Medien kursieren? Foto: dpa/Lim Hwa-Young

Washington - Die US-Regierung hat Moskau eine groß angelegte anti-westliche Desinformationskampagne rund um das neuartige Coronavirus vorgeworfen. Tausende von Russland gesteuerte Nutzerkonten auf Online-Plattformen verbreiteten Falschinformationen und Verschwörungstheorien rund um das Virus und behinderten damit den Kampf gegen die Epidemie, sagten US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe am Samstag als „absichtlich falsche Geschichte“ zurück.

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Zu der Desinformationskampagne gehöre eine Verschwörungstheorie, wonach die USA hinter der Epidemie steckten, erläuterten die US-Regierungsvertreter. Betreiber gefälschter Nutzerkonten auf Twitter, Facebook oder Instagram verbreiteten dabei etwa die Behauptung, der US-Geheimdienst CIA habe das Virus in die Welt gesetzt, um einen „Wirtschaftskrieg gegen China“ zu führen.

Bill Gates als Mitverschwörer dargestellt

Auch prominenten US-Bürgern wie dem Microsoft-Gründer Bill Gates, der sich als Milliarden-Sponsor globaler Gesundheitsprogramme hervorgetan hat, werde in der Kampagne eine angebliche Verwicklung in die Ausbreitung des neuartigen Virus unterstellt.

US-Behörden waren den Angaben zufolge erstmals Mitte Januar auf die Desinformationskampagne aufmerksam geworden. In einem Bericht des US-Außenministeriums, den AFP einsehen konnte, heißt es, über tausende gefälschte Nutzerkonten im Internet würden in zahlreichen Sprachen „nahezu identische“ Behauptungen über das neuartige Coronavirus verbreitet. In der Vergangenheit seien dieselben Nutzerkonten schon durch prorussische Botschaften etwa zum Syrienkrieg, zu den Gelbwesten-Protesten in Frankreich oder der Protestbewegung in Chile aufgefallen. 

Desinformation auch in russischen Medien

„Russlands Ziel ist es, Zwietracht zu säen und durch bösartige Beeinflussungskampagnen US-Institutionen und -Bündnisse von innen heraus zu untergraben“, sagte der Staatssekretär für Europa und Eurasien im US-Außenministerium, Philip Reeker.

Auch in russischen Staatsmedien werden nach US-Angaben seit Ende Januar falsche Behauptungen über die Ursachen des Coronavirus verbreitet. Russische Staatssender, dem Kreml nahe stehende Websites und gefälschte Nutzerkonten im Internet bildeten zusammen das „Ökosystem“ russischer Desinformation, sagte die Leiterin der für die Beobachtung ausländischer Propaganda zuständige Abteilung im US-Außenministerium, Lea Gabrielle.

Experten sehen Parallelen zu einer groß angelegten Desinformationskampagne in den 80er Jahren, mit welcher der damalige russische Auslandsgeheimdienst KGB eine Verschwörungstheorie streute, wonach US-Wissenschaftler den Aids-Erreger HIV entwickelt hätten.

Russisches Außenministerium weist Vorwürfe zurück

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies die Vorwürfe zu Coronavirus-Falschinformationen aus Russland am Samstag zurück. „Das ist eine absichtlich falsche Geschichte“, sagte sie der Nachrichtenagentur Tass in Moskau.

Die USA befürchten, dass die Verschwörungstheorien zum Coronavirus eine effektive Bekämpfung der Epidemie erschweren könnten. Demnach könnten die Falschbehauptungen vor allem bei Menschen in afrikanischen und asiatischen Ländern Zweifel an den westlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus nähren.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am Freitag vor einem sich schließenden „Zeitfenster“ zur Eindämmung der Epidemie gewarnt. Zuvor waren neue Infektionsherde auch außerhalb Chinas gemeldet worden. 

Inzwischen sind mehr als 2400 Menschen an dem Virus gestorben, die meisten davon in China. Weltweit wurden mittlerweile fast 80.000 Infektionen nachgewiesen, die meisten davon in Festlandchina. In Italien starb am Freitag erstmals ein Europäer an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Eine weitere Italienerin starb am Samstag an der Krankheit.




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