20 Millionen Wähler sind unentschlossen. Ein paar Tausend Stimmen können die Wahl entscheiden. Deshalb wird erstmals in der Geschichte der Republik bis Sonntag Wahlkampf gemacht. Von Stuttgart bis Stralsund – Schlaglichter des Wochenendes.
Stuttgart - Nun beginnt die große Schlacht. Alle Reserven werden aufgeboten, Millionen von Euro, Zehntausende von Wahlhelfern – die Kandidaten im Tunnel, auf Autopilot, jenseits des toten Punktes, konserviert in Adrenalin. Sie brettern Tausende von Kilometern durch Deutschland, um dorthin zu kommen, wo sie ja auch hingehören: zum Volk. An Ständen stehen sie, verteilen gelbe Rosen oder rote Nelken im Regen – jeder Schirm ein bewegliches Ziel: Zugriff! Bald ist alles vorbei. Wie seltsam still ist es dagegen im Bundestag in diesen Stunden, dort, wo sie am Ende alle hinwollen. Die weiten Gänge, das Restaurant, die schwarzlederne Sitzgruppe vor dem Büro der Kanzlerin – von Menschen verlassen. Das Gebäude des Reichstags – ein riesiges, sandsteinfarbenes Stillleben. Jene, die am Sonntag gewählt werden, sollen unter dieser gläsernen Kuppel niemand anderem dienen als „dem deutschen Volke“. So steht es in Stein gehauen auf dem Giebel des Westportals. So weit die Theorie.