KommentarCritical Mass Stuttgarter radeln für mehr Sicherheit

Von Catherine Braumeister 

Wenn hunderte Fahrradfahrer sich jeden ersten Freitag im Monat gemeinsam auf Stuttgarts Straßen zu einem gigantischen Schwarm zusammenschließen, dann heißt es für Stuttgarts Autofahrer: Abwarten und Tee trinken.

 Foto: Kai Melde 4 Bilder
Foto: Kai Melde

Einmal im Monat erobert die Bewegung Critical Mass Stuttgarts Straßen und zeigt schwäbischen Autofahrern, wo der Hammer hängt. Diese fühlen sich in ihrem 0711-Grundrecht, dem Recht aufs Autole, ach, was sage ich – aufs Benzle, mächtig verletzt und sind wenig amused über die Tatsache, dass eine Horde Strampler den zähflüssigen Feierabendverkehr lahmlegt.

Die Frage nach dem Warum

Was hat es mit dem Fahrradprotest Critical Mass eigentlich auf sich? Warum schließen sich alle vier Wochen hunderte gar tausende Fahrradfahrer im Kessel zusammen und fahren in geballter Strampel-Power gemeinsam durchs Städtle? Einmal nachgefragt, wird schnell klar, worum es den Stuttgarter Radfahrern hier geht.

Sie möchten ein Zeichen setzen, um auf die mangelnde Sicherheit von Fahrradfahrern im Stuttgarter Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Das kann man ihnen nicht verdenken, denn wirklich sicher fühlt man sich auf Stuttgarts Straßen inmitten des hektischen Autogewusels nicht. Fahrradspuren sind längst nicht überall vorhanden und somit müssen sich Fahrradfahrer immer wieder die Spur mit bulligen Autos und LKWs teilen. Und dass diese nicht besonders viel Geduld und Respekt im Umgang mit Fahrradfahrern an den Tag legen, ist kein Geheimnis.

Entnervt werden riskante Überholmanöver mit viel zu wenig Abstand vorgenommen und bringen so täglich etliche Radfahrer in Gefahr. Es scheint als gelte in der Autostadt Stuttgart die ungeschriebene Regel: Der Autofahrer ist König. Fahrradfahrer werden hier meist als lästiger Störfaktor wahrgenommen, der auf der Straße nichts zu suchen hat - und dementsprechend rücksichtslos verhalten sich Stuttgarts Autokönige auch gegenüber ihren Mitstreitern auf zwei Rädern.

Infrastruktur für Radfahrer muss verbessert werden

Aufgrund der erschwerten Bedingungen für Fahrradfahrer ist es kein Wunder, dass viele Bewohner sich fürs gute alte Auto entscheiden anstatt mit dem Rädle durchs Kessele zu sausen. Als Fahrradfahrer möchte man sich geschützt und sicher wissen und ein Gefühl mangelnder Sicherheit löst hier bei vielen potenziell Interessierten Bedenken aus.

Dabei wäre es gerade in Stuttgart wichtig, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen, um Feinstaub und Co. den Kampf anzusagen. Zuverlässige, durchgängige Radwege, die sich durch die gesamte Stadt ziehen werden also dringend gebraucht, um mehr 0711er fürs Fahrradfahren zu begeistern sowie die zu schützen, die dies bereits tun.

Radwege sind in Stuttgart zwar teilweise vorhanden und werden mit der Zeit auch mehr, sind aber oft von minderwertiger Qualität. Denn nicht selten enden die Wege abrupt im Nichts, sind zu schmal oder werden von parkenden Autos blockiert. Zudem verlaufen sie oftmals auf Bordsteinniveau, was zur Folge hat, dass Fußgänger und Fahrradfahrer sich immer wieder ins Gehege kommen.

Hier gibt es also ganz klar Verbesserungsbedarf. Und genau dafür setzt sich Critical Mass ein. Ihr Ziel ist es, Stuttgarts Radfahrer eine sichere Infrastruktur zu bieten und weitere Stadtbewohner zu begeistern, ihr Auto stehen zu lassen und zu radeln.

Zu den Anfängen der Bewegung

In Stuttgart gibt es die Bewegung bereits seit 2010. Die Anfänge reichen sogar bis ins Jahr 1999 zurück, doch dann versickerte das Ganze für knapp 10 Jahre im Nichts. Ins Leben gerufen wurde Critical Mass von Stuttgarter Kurierfahrern.

Aber die Bewegung mit dem einschlägigen Namen ist kein Stuttgarter Unikum, sondern schwappte von den USA nach Deutschland über und erfreut sich heute in vielen Städten wachsender Beliebtheit.

Nahmen in Stuttgart vor einigen Jahren nur ein paar wenige Bewohner Teil, wurden vergangenen Juni knapp 1400 eifrige Protestradler gezählt. Und da sich mit dem E-Bike mittlerweile auch Stuttgarts steilste Hügel problemlos bezwingen lassen, interessieren sich immer mehr Stuttgarter für das Thema Fahrradfahren. Die Critical Mass Bewegung wird somit zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wer gerne mehr zu diesem Thema erfahren möchte, kann dies hier tun.

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