Rund ums Sportzentrum Loop in Fellbach trifft Sport auf ziemlich entspannte Regeln. Beim Crossgolf geht es über Sprintbahn, Wiese und Asphalt – und oft auch am Ziel vorbei.
Vor dem ersten Schlag noch schnell eine Zigarette und ein Bier. Alexandra, 56 Jahre, aus Leutenbach steht mit Freunden auf der Sprintbahn vor dem Sportzentrum Loop in Fellbach – dort, wo sonst kurze Strecken gelaufen werden. Auf der Bahn versuchen sich andere Crossgolfspieler daran, einen Ball in eine Kiste zu befördern. „Ach du Scheiße, tschüss Ball!“, ruft einer, als der Versuch im Gebüsch endet.
Alexandra beobachtet das Treiben beim 12. Rebstock Crossgolf Open am Samstag mit sichtbarer Freude. „Hier ist alles locker – die Kleidung und auch die Vorschriften“, sagt sie. Dann drückt sie ihre Zigarette aus. Das Spiel kann beginnen.
Die Bierflasche gehört bei vielen zum Equipment dazu. Foto: Gottfried Stoppel
Veranstaltet wird das Turnier vom Sportverein Fellbach (SVF) in Kooperation mit den Stuttgarter Crossgolfern „The GolfFellas“. Und das Ganze macht nicht nur Spaß, sondern dient auch einem guten Zweck: Die Startgebühren fließen in den Jugendfonds des SV Fellbach, der Projekte in der Jugendarbeit der Abteilungen unterstützt.
„Jippie!“ – Crossgolf begeistert mit Humor und Herausforderung
Was den Reiz von Crossgolf ausmacht? Eigentlich muss man nur den Teilnehmern zuhören. „Die Wiese müsste dringend mal gemäht werden“, schimpft eine Frau. Ein anderer jubelt laut „Jippie!“, obwohl er zehn Schläge braucht, um einen rosafarbenen Plastikhirsch zu treffen.
Bierernst nehmen die Crossgolfer ihren Sport zwar nicht, doch ganz ohne Konzentration geht es nicht. Schließlich wird auf ganz unterschiedlichen Untergründen gespielt – auf Gras, Sand, Asphalt oder der Sprintbahn neben dem Sportzentrum. Auch die Ziele haben es in sich. Ob Briefkasten, Gummi-Zebra, Filmrolle oder Magnum-Weinflasche: Mit höchstens zehn Schlägen soll der Ball ins Ziel. So wollen es die Regeln.
Ganz entspannt schwingt Bernd Bodamer den Schläger. Ob es wohl daran liegt, dass er sich vor dem Schlag ein Glas Sekt gegönnt hat? Der Winterbacher schüttelt den Kopf und hat eine einfache Erklärung dafür, warum sein Ball nach dem Abschlag nur wenige Meter neben dem Ziel landet: „Ich spiele Golf.“ Das sei zwar ein Vorteil, die Rebstock Open seien für Golfspieler aber trotzdem eine eigene Herausforderung.
„Das Zielwasser gibt es bei uns gratis“ – Humor beim Crossgolf
Für den Abschlag von Bernd Bodamer gibt es Applaus von Simon Frey. Der Mitarbeiter des Sportzentrums Loop steht an Bahn 12 – dort wird auch Sekt ausgeschenkt. „Das Zielwasser gibt es bei uns gratis“, sagt er augenzwinkernd. „Und es gibt hier immer wieder lustige Schläge zu sehen.“ So sei kurz zuvor ein Golfball nach dem Abschlag mehr als 20 Meter neben dem Zielpunkt in einer Hecke gelandet.
Udo Wente, Geschäftsführer des SV Fellbach, ist zufrieden mit dem Verlauf des Turniers. „Fast 100 Teilnehmer machen mit, viele sind aus Fellbach“, sagt er. Mit am Tisch sitzt auch Dominik Rasti, einer der vier Gründungsmitglieder der „The GolfFellas“, die das Turnier mitorganisieren – und zudem Spieler in der Crossgolf-Nationalmannschaft. „Das Tolle am Turnier ist, dass jeder mitspielen kann, da es kaum Einstiegshürden gibt.“
Beim Turnier werden keine üblichen Golfbälle verwendet – das wäre zu gefährlich. In Fellbach wird stattdessen mit einem 13 Gramm leichten Ball aus Hartschaumstoff abgeschlagen. Das hat sich bewährt: „Bis heute hat es noch keinen Schaden gegeben“, sagt Dominik Rasti.