Crowdfunding in der Gastronomie Gästebindung ist wichtiger als Geld

Schwört auf Crowdfunding als wirksames Marketing-Instrument:  Toni Schreiner Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Schwört auf Crowdfunding als wirksames Marketing-Instrument: Toni Schreiner Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Auch in Stuttgart entdecken immer mehr Gastronomen Crowdfunding für sich. Andreas Läsker hat es genutzt, um Aufmerksamkeit für seine vegane Kette Xond zu generieren, Toni Schreiner hat damit seine Bar Sideways beworben.

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Stuttgart - Toni Schreiner und Andreas „Bär“ Läsker könnten unterschiedlicher kaum sein. Schreiner ist ein ruhiger, zurückhaltender Gastronom, der vor wenigen Tagen sein Bistro und Café Sideways in Gablenberg neu eröffnet hat. Läsker dagegen ist die Blaupause des lauten Zampanos. Als Manager der Fantastischen Vier und veganer Vorkämpfer ist er längst selbst ein Promi. Was Schreiner und Läsker aber gemeinsam haben: Sie haben bei ihren neuen Gastronomieprojekten beide auf Crowdfunding gesetzt. Sie nutzten also nicht nur die Schwarmintelligenz des Internets, sondern die Möglichkeit, auf unbürokratische Art von Internetnutzern Geld für ein Geschäftsvorhaben zu sammeln.

Toni Schreiner hat versucht, über Crowdfunding eine Anschubfinanzierung für sein Lokal am neuen Standort in Gablenberg zu erhalten, nachdem ihm und seiner Kulturkneipe in Bad Cannstatt wegen zu lauter Konzerte im vergangenen Jahr gekündigt worden war. Andreas Läsker will Ende April, Anfang Mai im Leonhardsviertel seinen veganen Imbiss Xond eröffnen, auf lange Sicht soll aus der Idee eine Kette in ganz Deutschland werden.

Mit Crowdfunding generiert man Aufmerksamkeit

Beide Unternehmer haben begriffen, das Crowdfunding vor allem ein gutes Mittel ist, um Aufmerksamkeit in der digitalen Welt zu generieren. „Da wir nicht nur einen Laden eröffnen wollen, sondern eine Systemgastronomie generieren möchten, war Crowdfunding das perfekte Mittel, weil man damit eine große Menge an Menschen erreicht. Dabei geht es in erster Linie gar nicht ums Geld, sondern vor allem ums Marketing“, sagt Läsker, der sich in den vergangenen Jahren zu einem heimlichen Star der veganen Szene gemausert hat. Sein Kochbuch „No need for meat“ verkauft sich so gut wie die derzeit extrem angesagten Chia Samen.

„Beim Crowdfunding ging es uns von Anfang an um die Kundenbindung. Die Leute hatten einen Grund, um über uns zu reden. Und das über einen langen Zeitraum, schließlich lief unsere Aktion im Netz drei Monate lang“, so Läsker. Dabei habe sich laut Läsker eine sehr aktive Community herausgebildet, die dem Xond schon jetzt eng verbunden sei. „Zum Teil haben sich Leute aus der Crowdfunding-Community auch schon bei uns beworben – als Aushilfen oder als Festangestellte“, sagt Andreas „Bär“ Läsker.

Der kostenlose Werbeeffekt ist unbezahlbar

Außerdem trudelten bei Läsker aus ganz Deutschland Anfragen von Kiel bis südlich von München ein von Interessierten, die weitere Xond-Standorte eröffnen wollen. Das sei aber Zukunftsmusik. „Wir wollen erst mal den einen Laden sauber eröffnen und dann organisch weiterwachsen. Vielleicht gibt es ja sogar in Stuttgart noch zwei andere Standorte, wo es den nächsten Schlag tut“, sagt Läsker. Und einen hübschen Nebeneffekt der Xond-Crowdfunding-Kampagne muss man wohl auch nicht verschweigen: „Wir haben bei der Aktion 80 000 Euro und ein paar Zerquetschte eingenommen“, verrät Andreas Läsker

Auch Toni Schreiner hatte mit seinem Crowdfunding Erfolg – wenn auch nicht aus monetärer Sicht. „Ich habe leider mein Mindestziel von 10 000 Euro nicht erreichen können. Der kostenlose Werbeeffekt über Facebook und Twitter war aber unbezahlbar“, sagt Schreiner. Er habe über die Funding-Kampagne einen persönlichen Austausch mit künftigen Gästen pflegen können. „Über das Crowdfunding ist zum Beispiel eine Dame auf das Sideways aufmerksam geworden, die jetzt ihren Geburtstag mit 50 Gästen bei mir feiern will“, so Schreiner. „Aus Marketingsicht ist Crowdfunding ein tolles Werkzeug“, sagt Schreiner, der am 6. April das erste Konzert in seiner neuen Location an der Gablenberger Hauptstraße 115 veranstaltet. Da sind alle Gäste willkommen – auch solche, die mit Crowdfunding nichts am Hut haben.

Gastronomie und Crowdfunding

Beispiele
Bär Läsker und Toni Schreiner sind nicht die einzigen, die in Stuttgart auf Crowd-funding gesetzt haben. Die Burgerliebe-Crew finanzierte ihr opulentes Burger-Buch mittels Crowdfunding. Über 27 000 Euro kamen hier zusammen. Und auch die KSK-Vintage Winery aus Rohracker sammelte für ihr Weinbau-Projekt Geld über die Plattform Startnext ein.

Plattformen
Die vielleicht bekannteste Crowd-funding-Seite ist www.startnext.com, aber auch www.kickstarter.com ist recht beliebt.




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