Appell vor Christopher Street Day in Stuttgart Ungleiche Behandlung von Homosexuellen bei Blutspenden

Von Uwe Bogen 

Am Samstag findet der Christopher Street Day in Stuttgart statt. Im Vorfeld beklagt der Organisator des CSD, dass die Diskriminierung gegen Homosexuelle noch lange nicht überwunden ist – wie das Thema Blutspende zeigt.

Am Samstag findet in Stuttgart die CSD-Parade statt. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs
Am Samstag findet in Stuttgart die CSD-Parade statt. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs

Stuttgart - „MSM“, diese Abkürzung steht in den von der Bundesärztekammer verfügten Richtlinien zur Blutgewinnung auf Seite 19 für „Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben“. Lebenslang waren einst „MSM“ vom Blutspenden ausgeschlossen. Nach der Überarbeitung der Vorschriften dürfen das Deutsche Rote Kreuz und die Kliniken zwar neuerdings den Lebenssaft von Homo- und Bisexuellen verwenden, doch nur, wenn die spendenwilligen Männer erklären, ein Jahr enthaltsam gelebt zu haben. „Dies zeigt, dass Diskriminierung in manchen Bereichen noch immer nicht überwunden ist“, klagt Christoph Michl, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Christopher Street Day (CSD), gegenüber unserer Zeitung. Manches sei auf dem Weg zur Akzeptanz besser geworden, „aber oft nur ein Stück weit und nicht konsequent bis zum Ende“, sagt der CSD-Organisator.

Während die Bundesärztekammer generell Homo- und Bisexuelle bei der Blutspende ausnimmt, sofern sie in den vergangenen zwölf Monaten sexuell aktiv waren, ist dies bei Heterosexuellen nur dann der Fall, wenn sie „Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern haben“, wie es in den Richtlinien heißt. Christoph Michl ist darüber verärgert: „Bei Schwulen und Bisexuellen geht man also per se davon aus, dass sie ihre Sexualpartner häufig wechseln.“ Zudem berücksichtige die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung nicht, dass Sex mit Kondomen die Übertragung von Krankheiten verhindert. Durch neue Nachweistechniken von HI-Viren sei ein generelles Spendeverbot überdies nicht notwendig, sagt Christoph Michl.

Ungleiche Behandlung bei Blutspenden

Die Ungleichbehandlung bei Blutspenden ist für die CSD-Organisatoren nur ein Grund dafür, warum die Reise auf der „Expedition Wir“ noch nicht das Ziel erreicht hat. Unter dem Motto „Expedition Wir“ werden am Samstag von 15.30 bis 18.30 Uhr 93 Formationen, darunter 22 Lastwagen, 17 PKW und 46 Fußgruppen, vom Erwin-Schoettle-Platz bis zum Karlsplatz durch die Innenstadt ziehen. Mit etwa 7000 Teilnehmern zu Fuß, auf Trucks, auf Motorrädern oder auf einer Bimmelbahn wird es einen neuen CSD-Rekord in Stuttgart geben.

„Nie zuvor waren so viele Firmen vertreten“, sagt Michl. Von Bosch bis zur EnBW, von Daimler bis zur Stuttgarter Stadtverwaltung, von der Filmproduktionsfirma Bavaria Fiction bis zu Vodafone – etliche Belegschaften schicken Vertreter. Was dem CSD-Organisator besonders auffällt: „Wir haben deutlich mehr Anmeldungen von außerhalb der Community als in den Vorjahren.“ Zahlreiche Heterosexuelle beweisen demnach in diesem Jahr Solidarität, indem sie sich in die Politparade einreihen.

Türkische Gemeinde erneut mit Wagen dabei

Erneut mit dabei ist die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg, die sich mit einer Fußgruppe und einem Wagen beteiligt. Von der katholischen Kirche kommen keine offiziellen Vertreter. Aber eine katholische Jugendgruppe aus Rottenburg wird mitmarschieren. Die evangelischen Kirche ist durch die Initiative Bunt fürs Leben vertreten. „Teile der Kirchen bewegen sich voran“, sagt Christoph Michl, „aber mit ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit.“ Auch die Parteien sind mit Wagen dabei. Auf der Demo feiert der Sportverein Abseitz sein 25-jähriges Bestehen. Auf dem Wagen mit der Startnummer 75 werden Szenen für eine neue Folge der ZDF-Serie „Dr. Klein“ gedreht, um gesellschaftliche Vielfalt auch im Vorabend-Programm einen Platz zu geben.

Schirmherrin ist MdB Judith Skudelny, die Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg. Nach der Parade wird es am Samstag um 18.30 Uhr eine Kundgebung auf dem Schlossplatz geben, bei der unter anderem Katharina Kacerovsky, Geschäftsführerin vom Europride Vienna, spricht. Auf dem Markt- und Schillerplatz wird dann an zwei Tagen bei der CSD-Hocketse mit einem umfangreichen Programm gefeiert (am Samstag bis Mitternacht, am Sonntag bis 23 Uhr).

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