CSD-Parade in Stuttgart VfB wird gefeiert wie bei einer Meisterschaft

Auf dem VfB-Truck (von links): VfB-Präsident Claus Vogt, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und VfB-Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Es schien, als hätte der VfB Stuttgart die Meisterschaft gewonnen – so laut war der Jubel für den ersten CSD-Truck des Vereins. Unser Autor ist mitgefahren bei der Premiere.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Ach, tut das gut! Die Vereinsoberen des VfB hüpfen begeistert zu der lauten Musik und dem Jubel, der von der Straße nach oben schallt. Ihr CSD-Truck wackelt und vibriert, die Stimmung könnte nicht besser sein. So viel Begeisterung wünscht sich VfB-Präsident Claus Vogt bald mal wieder für ein Bundesligaspiel.

 

Es ist seine erste CSD-Parade – und schon nach kurzer Zeit ist er Fan. Dass der Pride in Stuttgart etwas ganz Besonderes ist, dass diese Atmosphäre unter die Haut geht, hat der Präsident schon früher mal gehört. Doch nun ist er selbst mittendrin und fühlt sich von der Euphorie wie berauscht, was an den überfüllten Straßen der feiernden Stadt liegt – nicht an den Getränken. Auf dem VfB-Truck gibt es nur Alkoholfreies.

Der schwule VfB-Fanclub Stuttgarter Junxx war schon öfter bei der CSD-Parade mitgefahren. „Seit Jahren haben wir versucht, die Vereinsspitze zu überreden, mitzumachen“, sagt Markus Garde von den Junxx. Bei Thomas Hitzlsperger sei es nicht gelungen, obwohl sich dieser doch schon geoutet hatte. Aber vielleicht habe er viele andere Baustellen gehabt. „Doch Alexander Wehrle war sofort dabei“, sagt Garde.

„Wir sind bunt und wild“ steht auf dem Truck in Regenbogenfarben. Wild geht es tatsächlich zu, bunt sind auch die Trikots, die alle tragen – bis auf Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, der ein Ukraine-Shirt trägt. Egal, ob Schlager laufen, Popmusik oder VfB-Hits („Stuttgart kommt“) – heftig wird dazu gehüpft. In die Menge werden nicht Kondome geworfen, wie von anderen Trucks, sondern Traubenzucker und VfB-Bändel. Der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle wirft immer mal wieder ein Trikot runter, etwa für Kinder. Er freue sich sehr, dass so viele VfB-Fans auf der Strecke sind. La ola klappt bestens! Auch der Ruf „1893“ wird immer wieder von unten erwidert, das Gründungsjahr des VfB.

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir steht dem VfB ganz nahe, weshalb er die erste Hälfe der Strecke bei seinem Lieblingsverein mitfährt, ehe er zu den Grünen geht, die zwei Formationen weiter vorne zu Fuß unterwegs sind. Einer seiner Leibwächter steht mit ihm auf dem Truck, zwei weitere laufen auf der Strecke mit. Özdemir kann vergleichen. Er kennt auch den CSD in Berlin. „Der CSD in Stuttgart ist besser organisiert“, sagt er.

Dass der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) der Parade eine Absage erteilt hat, „wundert mich nicht“, sagt Özdemir. Aber das störe ihn nicht. „Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden“ – eine Kernbotschaft des CSD treffe auch bei Nopper zu, erklärt der Minister. Wenn es diesen glücklich mache, beim größten Fest der Innenstadt von Stuttgart zu fehlen, sagt ein weiterer VfB-Mann auf dem Wagen, dann, ja dann müsse er auch die Konsequenzen tragen, wenn dies bei der Bürgerschaft nicht gut ankomme.

Stuttgarter Junxx wünschen sich Outing von Spielern

Die Stimmung ist so gut, da vermisst niemand den Rathauschef. Markus Garde von den Stuttgarter Junxx sagt, er wünsche sich, dass sich einige Bundesligaspieler outen würden: „Dann wär’ das Thema vom Tisch.“ Sein schwuler Fanclub erfahre jedenfalls keinerlei Diskriminierung im Stadion. „Dies würden schwulen Spieler auch nicht“, glaubt er.

VfB-Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle, der sich vor Jahren geoutet hat, war schon 2008 beim CSD dabei, als der damalige VfB-Präsident Erwin Staudt Schirmherr war. Über die große Begeisterung auf der Parade mit etwa 400.000 Teilnehmenden freut er sich sehr. Auch beim 1. FC Köln hat er die CSD-Fahrt veranlasst. „Die Offenheit und Vielfalt“, sagt er, solle in die „DNA des VfB gehen.“ Mitfeiern kann er nicht beim CSD. Gleich nach der Parade eilt er zum Bahnhof, um nach Köln zu fahren, um dort bei einem 60. Geburtstag mitzufeiern.

Die Profis des VfB entschuldigt Wehrle beim CSD, weil die am Samstag bei einem Turnier in München antreten mussten. Sie haben eine große Feier verpasst, von der man beim VfB noch lange sprechen wird.

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